Die aggressive Ausschlusspolitik des US-Präsidenten Donald Trump gegenüber Transathleten könnte Folgen für den Fußball der Frauen haben. Denn für die Weltmeisterschaft 2031 gibt es bislang nur eine einzige Bewerbung.Die Einmischungskampagne in die Angelegenheiten des Sports begann nur wenige Tage nach seiner Vereidigung mit einer Durchführungsverordnung. Das Papier fabulierte nach klassischer Donald-Trump-Manier ein Problem zusammen, das bei Licht betrachtet keines ist. Obwohl bereits in der Überschrift der Presseerklärung so getan wurde, als bestehe dringender Handlungsbedarf: Die Politik müsse „Männer aus dem Frauensport fernhalten.“Tatsächlich waren nur ganz bestimmte Männer gemeint. Nämlich jene, die nach einer Geschlechtsumwandlung mit ihrer neuen, gelebten Identität Sport treiben. Wie gering deren Zahl ist, hatte der Republikaner Charlie Baker, Chef des amerikanischen Dachverbandes für den Universitätssport, der National Collegiate Athletic Association (NCAA), nur wenige Tage vorher bei einer Anhörung im Washingtoner Senat an den Fingern seiner beiden Hände abgezählt. Da wurde er gefragt, wie viele von den rund 500.000 Athleten an den amerikanischen Hochschulen nach seinem Wissensstand Transgender-Athleten seien: „Weniger als zehn“, sagte er.Was steckt hinter der Hängepartie?Trotzdem wurde nur wenige Wochen nach dem Trump-Dekret eine Gesetzesinitiative im Kongress auf den Weg gebracht, die ähnliche Anstrengungen auf Bundesstaatsebene auf eine breite Basis stellen soll.Inzwischen droht die Haltung der US-Regierung, erste Kollateralschäden mit internationalen Auswirkungen zu provozieren. Es geht um die Austragung der Frauen-Weltmeisterschaft 2031, für die sich der amerikanische Fußballverband zusammen mit Mexiko, Costa Rica und Jamaika bewirbt. An dem Turnier sollen nach dem Vorbild der Männer-WM 48 statt der bisher 32 Mannschaften teilnehmen. Die Prognosen rechnen mit einer Umsatzgrößenordnung von umgerechnet 3,4 Milliarden Euro, rund achtmal so viel wie das Einspielergebnis 2003 in Neuseeland und Australien, als zum ersten Mal Spanien gewann.Konkurrenz gibt es keine, weshalb die Vergabe bereits auf dem FIFA-Kongress im April vor einem Jahr in Vancouver besiegelt werden sollte. Stattdessen wurde die Entscheidung vertagt. Der Weltverband will die Entscheidung erst in diesem Jahr auf einem außerordentlichen Kongress treffen.2022 vom Africa Cup of Nations ausgeschlossen, später für die WM und Olympischen Spiele aber zugelassen: Barbra BandaAPFür den Zuschlag verlangt die FIFA allerdings staatliche Garantien von den Ausrichterländern, wozu die Einreisemöglichkeiten von Teilnehmern und Fans sowie eine steuerfreie Behandlung der Einnahmen gehören. Obwohl eine solche Vereinbarung bereits für die Männer-WM getroffen worden war, verweigert man bislang im Weißen Haus die gewünschte Zusage.Was hinter der Hängepartie stecken könnte, hat die New York Times vor ein paar Tagen herausgefiltert. Die Zeitung erhielt von Andrew Giuliani, der die Task Force des Weißen Hauses dirigiert, die für das Männer-Turnier eingerichtet wurde, eine unzweideutige Stellungnahme:„Ein neuer Standard für den Schutz der Integrität des Frauensports“„Präsident Trump hat einen neuen Standard für den Schutz der Integrität des Frauensports gesetzt“ und „festgelegt, dass es die Politik der Vereinigten Staaten sein soll, die Teilnahme von Männern an Wettkämpfen im Frauensport im Allgemeinen abzulehnen, aus Gründen der Sicherheit, Fairness, Würde und der Wahrheit.“ Man appelliere deshalb an die gesamte Sportwelt, sich diesem Prinzip zu verpflichten und „faire Wettbewerbsbedingungen für Sportlerinnen zu gewährleisten.“Von der FIFA, die dazu erst eine Änderung ihrer Regularien verabschieden müsste, gab es bislang keine öffentlichen Stellungnahmen. Vielleicht auch deshalb, weil selbstbewusste Frauen wie Megan Rapinoe, die ehemalige Spielführerin der USA, die eine wichtige Rolle in einem erfolgreichen Kampf um die Bezahlung der Frauen geführt hatte, solche Vorhaben lautstark attackieren würden. 2023 hatte sie angesichts der in den USA aufkeimenden Kontroverse dem Time Magazine gesagt: „Oh, jetzt geht es uns um Fairness? Jetzt geht es uns um Frauensport? Das ist doch totaler Schwachsinn. Und zeigt mir all die Transpersonen, die ihren Status im Sport auf perfide Weise ausnutzen. So etwas gibt es einfach nicht.“Es gibt allerdings auch andere Einschätzungen, wie die von Elizabeth Eddy, einer Spielerin von Angel City FC in der amerikanischen Frauenfußball-Profiliga, die sich im letzten Jahr in der New York Post und in den sozialen Medien zu Wort meldete. Sie forderte, dass in der NWSL nur Frauen spielen dürften, die mit Eierstöcken auf die Welt gekommen seien. Andernfalls müssten sie sich Gen-Tests unterziehen.Die Liga hat keine Regel zu diesem Thema und wäre gezwungen, vor einer Einführung die Zustimmung der Spielerinnengewerkschaft einzuholen. Die Reaktionen auf das Ansinnen waren überwiegend negativ. Typisch die Aussage von Haley Carter, der Sportdirektorin von Orlando Pride: „Unser Spiel braucht keine Gatekeeper. Es braucht Verfechter und Sachwalter, die für jede Spielerin eintreten.“Etwa für Pride-Profi Barbra Banda aus Sambia, die 2022 von der afrikanischen Fußball-Föderation CAF vom Africa Cup of Nations ausgeschlossen wurde, weil eine medizinische Untersuchung bei ihr Testosteronwerte über dem erlaubten Grenzwert ergeben hatten. Banda lebt seit ihrer Geburt als geschlechtsidentifiziert weiblich. Die FIFA sah keinen Grund, ihr die Teilnahme an der WM 2023 zu verwehren. Sie spielte auch bei den Olympischen Spielen in Paris für ihr Land, wo sie im Vorrundenspiel gegen Deutschland den einzigen Treffer bei der 1:4-Niederlage erzielte.