Barça steht vor der Herausforderung, ein 0:2 gegen Atlético aufzuholen. Trainer Flick setzt auf Offensivfußball und betont Yamals Potential. Doch genau das macht die Katalanen auch so vorhersehbar.Wenn es in Spanien heißt, ein Spieler habe sich „die Mannschaft auf den Rücken geschnallt“, dann hat er alles versucht. Letzte Woche haben die spanischen Zeitungen das Bild mal wieder
Lamine Yamal im Hinspiel des Viertelfinals der
Champions League gegen
Atlético Madrid zugeschrieben. Er hat verteidigt, organisiert, gedribbelt und immer wieder den letzten Pass oder den Abschluss gesucht. Doch zu Toren hat das alles nicht gereicht.Die meist positiv gemeinte Redensart von der Mannschaft auf dem Rücken lässt sich nach so einem Spiel auch umdeuten. Unter der Last eines ganzen Teams kann ein Einzelner auch zusammenbrechen. Und dem Gegner kann so eine Spielweise auch von Vorteil sein. Er muss ja nur den Schlüsselspieler ausschalten. Atlético gelang das letzte Woche hervorragend.Nach jedem Dribbling Yamals wartete schon der nächste Abwehrspieler, was den Madridern durch zwei Dinge erleichtert wurde: Barça spielte nach Cubarsís Notbremse gegen
Giuliano Simeone eine ganze Halbzeit mit nur noch zehn Spielern. Und Yamal fehlte der Sturmpartner
Raphinha wegen einer Oberschenkelverletzung. Sein Einsatz im Rückspiel ist weiter ungewiss.„Eines Tages wird er einer der besten Spieler sein“Umso größer der Ärger Yamals über sich selbst, einige Situationen auf dem Feld und manchmal auch mit den Entscheidungen seines Trainers
Hansi Flick. Doch der nimmt ihn in Schutz. „Manchmal hat er vier, fünf Spieler gegen sich. Wenn er am Ende den Ball verliert oder nicht trifft, wirkt er frustriert. Er ist emotional, ich unterstütze ihn“, sagt Flick über
Lamine Yamal und betont: „Er ist erst 18 Jahre alt. Wir alle machen Fehler, aber er ist phantastisch. Eines Tages wird er einer der besten Spieler sein, wenn nicht sogar der beste!“Kongeniale Partner: Yamal und
Raphinha jubeln zusammen.dpaBlickt man auf die Tabelle der spanischen Liga, dürfte es für Barça keinen leichteren Gegner in der
Champions League geben, um einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen, als Atlético. 22 Punkte Vorsprung hat Barça in La Liga auf Atlético auf dem vierten Platz. Doch Flick hat selbst gesagt: Atlético spielt im Sturm mit Álvarez,
Giuliano Simeone oder
Alexander Sørloth enorm effektiv, hat ein schnelles Umschaltspiel, kann sowohl hoch verteidigen als auch in Barcelona tief stehen und kaum Torchancen zulassen. In der Liga hat Barça sowohl zu Hause (3:1) als auch in Madrid (2:1) gewonnen. Von geradezu traumatischer Tragweite dürfte dagegen der Untergang im Königspokal mit einem 0:4 in Madrid gewesen sein, womit auch das 3:0 im Rückspiel nicht weiterhalf. Atlético warf Barça damit aus dem Wettbewerb.Wer ist stärker, Atlético oder Barça?Die Tabelle spiegelt darum nur bedingt das Kräfteverhältnis beider Mannschaften wider. Am Samstag schickte Atléticos Coach Simeone beim FC Sevilla mit noch kaum bekannten Spielern wie dem 20-jährigen Javier Bonar, dem 21-jährigen Dani Martínez oder dem gleichaltrigen Linksverteidiger Julio Díaz eher die Verteidigungskette der B-Elf auf den Platz. Fast niemand aus der Stammelf lief auf.Der heimische Wettbewerb hat für Simeone ganz offensichtlich derzeit keine hohe Priorität, schließlich ist der vierte Tabellenplatz und damit die Qualifikation für die
Champions League der nächsten Saison mit elf Punkten Vorsprung auf den fünften Rang so gut wie sicher. Wichtiger ist ihm das Endspiel im Königspokal gegen die Real Sociedad San Sebastián am Samstag und das Weiterkommen in der
Champions League. „Ich habe einen Plan“, sagte Simeone nach der Niederlage in Sevilla zu den Rotationen, „und daran halte ich fest.“Es fällt zudem auf, dass Barça die Duelle, die Atlético mit offenem Visier geführt hat, gewonnen hat, aber nicht in den K.-o.-Spielen, in denen Barças Stürmer in der Offensive weniger Räume fanden. Wenn Flick von der Art Atléticos, zu verteidigen, spricht, kommt er ins Schwärmen. Mit dieser Spielweise wird er sich wohl auch im Rückspiel wieder auseinandersetzen müssen. Für Flick wäre ein Ausscheiden bitter. Er hat in Barcelona in finanziell schwierigen Zeiten aus der absoluten sportlichen Orientierungslosigkeit ein Spitzenteam geformt, das mit attraktivem Offensivfußball erfolgreich ist und viele nationale Titel erkämpft hat, dem der große internationale Erfolg jedoch noch versagt bleibt. Der Frage, ob er Barça nach dem Sommer weiter trainiert, ist er zuletzt wiederholt ausgewichen.Hoffnungslos ist das Rückspiel für Flick und seine Spieler dennoch nicht. Mit 54 Toren haben sie mit Abstand die beste Tordifferenz der Liga. Wenn eine Mannschaft ein 0:2 aufholen kann, dann ist es wohl der FC Barcelona. Flick sagte dazu: „Wir brauchen kein Wunder. Wir müssen einfach nur auf unserem besten Level spielen.“