Der
Rheingau zählt seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Zielen für Naherholung und Kurzurlaub. Aber die Zahlen geben nach. Eine zeitgemäße Vermarktung soll helfen.Die Zahlen der Tourismus-Statistik sind eindeutig. Im Jahr 2024 zählte der
Rheingau noch knapp 305.500 Ankünfte, im vergangenen Jahr waren es nur noch etwas mehr als 287.500. Die Zahl der Übernachtungen ist also 2025 im Vergleich zum Vorjahr um rund 35.000 zurückgegangen. Auch international renommierte Veranstaltungen wie das
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Rheingau Musik Festival konnten den Schwund bislang offenbar nicht aufhalten.
Dominik Russler, Geschäftsführer der
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Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH, hob bei der Vorlage der Zahlen am Dienstag in
Geisenheim hervor, dass in diesen Zahlen Häuser mit weniger als zehn Gästebetten, Ferienwohnungen und Übernachtungen in Wohnwagen und Zelten nicht enthalten sind.An der Tendenz ändert das allerdings nichts. Zumal schon im vergangenen Jahr eine Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (DWIF) zu dem Ergebnis kam, dass die Zahl der Übernachtungen im
Rheingau zwischen 2019, dem letzten Vor-Corona-Jahr, und 2024 um 15,2 Prozent auf 724.000 gesunken ist. Zum Vergleich: Die Landeshauptstadt
Wiesbaden verzeichnete derselben Studie zufolge 2024 alles in allem 1,43 Millionen Übernachtungen, ein Plus von 7,2 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. In der Studie vom vergangenen Jahr wurden auch Übernachtungen in Ferienwohnungen und auf Campingplätzen berücksichtigt.Tourismus zentraler WirtschaftsfaktorDiese Zahlen zu ignorieren, ist für
Sandro Zehner (
CDU), Landrat des
Rheingau-Taunus-Kreises, der falsche Weg. Es sei wichtig, das, was der
Rheingau an landschaftlichen Reizen, kulturellen Highlights und nach wie vor publikumswirksamen Veranstaltungen hat, „neu zu choreographieren“ und zeitgemäß zu bewerben. „Der Tourismus ist und bleibt ein zentraler Wirtschaftsfaktor für unsere Region. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind, machen aber auch deutlich, dass wir gezielt in Qualität und Infrastruktur investieren müssen“, führte Zehner weiter aus.Aus seiner Sicht könnten beispielsweise Angebote mit Übernachtung, geführter Wanderung, Weinkellertour und dergleichen mehr in einem Paket, die den Reisenden möglichst sämtliche Planungsarbeiten abnähmen, die Nachfrage wieder steigern. Abgesehen von neuen, zeitgemäßen Angeboten hält Zehner es für unerlässlich, dass Kommunen den
Rheingau gemeinsam bewerben und an der Spitze halten. Wenn jede Kommune nur für sich selbst agiere, werde es schwierig.Schlemmerwochen als ImpulsgeberAls bedeutender Impulsgeber für Gastronomie, Weinbau und Tourismus gelten seit rund 40 Jahren die Schlemmerwochen. Frank Schönleber, Vizepräsident des Rheingauer Weinbauverbandes, hob hervor, dass der Winzer nirgendwo besser sein könne als in seinem eigenen Betrieb. Auf keiner Messe und auf keinem Weinfest könnten Besucher so hautnah die Leidenschaft der Winzer für ihr Handwerk und ihr Produkt erleben.Auch mit neuen filmischen Städteporträts im Stil einer Grußkarte, die die Besonderheiten der jeweiligen Kommune ins Bild setzen, sollen Menschen animiert werden, den
Rheingau zu besuchen. Ein neuer Imagefilm für den
Rheingau als Ganzes setzt auf eine bewusst ironische Herangehensweise. Der Filmtitel lautet „
Rheingau? Joa. Find ich gut!“. Im Mittelpunkt steht die Figur „Florian“, verkörpert von Schauspieler Timo Gastager. Mit atmosphärischen Bildern und einem augenzwinkernden Ton soll der
Rheingau als Komfortzone inszeniert werden – „familiär, authentisch, lebens- und erlebenswert“, wie es im Begleittext heißt. Konzipiert wurde das Projekt von Helge Döker von der Filmagentur 5&2. „Es braucht einen Kunden, der bereit ist, sich selbst auf die Schippe zu nehmen, weil er weiß, was er kann und hat“, sagt Döker. Bei den Verantwortlichen im
Rheingau ist er offensichtlich auf diese Qualitäten gestoßen.