Im Bauernkalender wird vor den Eisheiligen und der „Kalten Sophie“ gewarnt. Selbst Gartenprofis setzen erst danach ihre Jungpflanzen ins Außenbeet. Was ist davon zu halten?Jedes Jahr die bange Frage: Kommen sie oder kommen sie nicht? Hobbygärtner und Landwirte fürchten den Spätfrost der Eisheiligen Mitte Mai. Denn empfindliche Gewächse können sich gegen die plötzliche Kälte oftmals nicht behaupten. Ihre Balkone und Gärten bepflanzen viele Menschen daher erst mit dem Ende der Eisheiligen, der Kalten Sophie, am 15. Mai: „Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist“, heißt es in der dazugehörigen Bauernregel.Wann sind die Eisheiligen 2026?Die Eisheiligen beginnen am 11. Mai 2026 mit dem Mamertus. Ihm folgen Pankratius, Servatius, Bonifatius und letztlich Sophie. Benannt sind die Tage nach frühchristlichen Märtyrern und Bischöfen aus dem vierten und fünften Jahrhundert. Die Tradition entstand aus der jahrhundertealten Beobachtung der Bauern, dass es im Mai des Öfteren zu Kaltlufteinbrüchen kam, da kalte Polarluft nach Mitteleuropa strömt und zu Bodenfrost führt.Deshalb nennt man die Eisheiligen auch eine Singularität, da sie ein Wetterphänomen sind, das über Jahrhunderte immer zum gleichen Zeitpunkt beobachtet wurde.Welche Pflanzen den Spätfrost überlebenEmpfindliche Pflanzen wie Tomaten oder Geranien sollten nicht zu früh ins Freie gestellt werden – und wenn doch, dann dick in Vlies oder Karton eingepackt. Als deutlich robuster gelten hingegen Blattsalate, Kartoffeln oder Erdbeeren. Sie können bedenkenlos auch vorher schon draußen gepflanzt werden.Warum die Eisheiligen immer seltener zutreffenDie Betrachtung der zurückliegenden Jahrzehnte zeigt aber: Die Eisheiligen sind keine präzise Vorhersage mehr für den letzten Frost des Frühjahrs – eher eine grobe Faustregel. Denn sie sind häufiger ausgefallen, als dass sie tatsächlich stattfanden. Manchmal friert es auch schon Anfang oder erst Ende Mai. Ein weiteres Kuriosum: Im Mittelalter reformierte Papst Gregor den Kalender, und auf die julianische folgte die gregorianische Zählweise. Mehrere Tage gingen dabei verloren. Das heißt, die Eisheiligen müssten eigentlich auf Ende Mai fallen.Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass die Eisheiligen immer seltener auftreten. Im 19. Jahrhundert suchten die kalten Nächte Bauern und ihre Felder noch häufiger heim. Heutzutage treten Fröste Mitte Mai in Deutschland jedoch fast nur noch in den Mittelgebirgen und ungünstig exponierten Lagen auf, heißt es in einer Analyse des DWD. Vor allem im Süden ließen sich die Eisheiligen demnach so gut wie gar nicht mehr blicken. Das hat mit dem Klimawandel zu tun, denn die Erderwärmung lässt Kälteeinbrüche milder ausfallen als noch vor 30 Jahren. Und so wurden in einigen extremeren Jahren, in denen die Temperaturen tagsüber bei über 25 Grad Celsius lagen, aus den Eisheiligen gar die „Schweißheiligen“.Schafskälte: Der wirklich letzte Nachtfrost?Die letzten echten Eisheiligen liegen nun schon Jahre zurück. Im Mai 2020 fielen die nächtlichen Temperaturen letztmals unter den Gefrierpunkt, in den Hochlagen des Thüringer Walds und des Erzgebirges gab es gar mehrere Zentimeter Neuschnee.Einen Monat nach den Eisheiligen steht bereits die nächste Bauernregel an: die Schafskälte. Meist tritt sie um den 11. Juni herum auf, durch ein Tiefdruckgebiet über Europa wird aus Nordwest kalte Luft herangeführt. Der Name geht auf die traditionell zu diesem Zeitpunkt schon geschorenen Schafe zurück, die bei einem solchen Kälteeinbruch ziemlich frieren. Und keine Sorge, ist die Schafskälte dann geschafft – sollte sie überhaupt kommen –, ist von Mitte Juni an aber wirklich Schluss mit frostig.