»Wir kommentieren die Spekulationen über Parallelen zwischen Drehbüchern und im Raum stehenden Vorwürfen nicht. Eine Ausstrahlung der Serie war und ist für 2026 nicht geplant«, teilte eine Sprecherin von Seven.One Studios dem SPIEGEL mit. Zudem verwies sie auf ein Statement der Produktionsfirma Pyjama Pictures vom 20. März; die darin getroffenen Aussagen hätten weiterhin Bestand.Darin heißt es unter anderem: »Auch wenn die Unschuldsvermutung gilt, sind wir zum Schutz der Firma bereits mit Christian Ulmen im Gespräch, seine Gesellschafteranteile zurückzugeben. Bereits seit Mai 2023 ist er nicht mehr in der Geschäftsführung der Pyjama Pictures. Darüber hinaus sind keine weiteren Projekte mit Christian Ulmen als Showrunner in Planung.« Im SPIEGEL beschuldigte Collien Fernandes Christian Ulmen, sie »virtuell vergewaltigt« zu haben (lesen Sie hier die ganze Recherche zum Fall). In sozialen Medien wie etwa LinkedIn soll er täuschend echt aussehende Fakeprofile von ihr erstellt und darüber »Hunderte von Männern« kontaktiert haben. Über die Accounts soll er sich als Fernandes ausgegeben und mit Männern Chats und Gespräche mit sexuellen Inhalten geführt haben. Er soll erotische Bilder und Videos verschickt haben, die den Eindruck erweckten, als handele es sich um Aufnahmen von Fernandes.Fernandes hatte Ulmen unter anderem auf Mallorca angezeigt. Die zuständige Richterin des Bezirksgerichts auf Palma de Mallorca entschied, die Ermittlungen nach Deutschland abzugeben. Das teilte eine Sprecherin des Gerichts auf SPIEGEL-Anfrage mit. Jorge Agüero Lafora, der spanische Anwalt von Collien Fernandes, kündigte gegenüber dem SPIEGEL an, Rechtsmittel gegen die Entscheidung einzulegen. Die Anwälte von Ulmen sprachen im Zusammenhang mit den Vorwürfen zunächst unspezifisch von »unwahren Tatsachen«. In einer Pressemitteilung haben sie sich inzwischen auch inhaltlich zu manchen Vorwürfen eingelassen. Sie schrieben, dass Christian Ulmen zu keinem Zeitpunkt Deepfake-Videos von Fernandes oder anderen Personen hergestellt oder verbreitet habe. Auf Fragen zur Serie von Ulmen mit dem Arbeitstitel »The Au Pair« haben die Anwälte auf Nachfrage des SPIEGEL bislang nicht geantwortet.»The Au Pair«, die Serie von Ulmen, die Joyn in Auftrag gegeben hatte, wurde dem Bericht zufolge im Herbst auf Mallorca gedreht. Die Produktionsfirma Pyjama Pictures, die Ulmen mitgegründet hat, habe sich öffentlich von ihm distanziert und Solidarität mit Fernandes bekundet, schreibt »Die Zeit«. Viele Mitwirkende könnten sich wegen Geheimhaltungsvereinbarungen allerdings nicht äußern. MDR hält an der Tatort-Folge mit Ulmen festWährenddessen hält der MDR an der Ausstrahlung der »Tatort«-Folge »Der scheidende Schupo« aus dem Jahr 2017 am Mittwochabend im linearen Fernsehen fest, in der Ulmen eine Hauptrolle spielt. Das bestätigt ein Sprecher des MDR gegenüber dem SPIEGEL: »Wir haben uns mit dem Thema intensiv beschäftigt und uns die Entscheidung alles andere als leicht gemacht. Im Ergebnis haben wir uns entschieden, den heute Abend schon lange eingeplanten Tatort nicht zu depublizieren«, teilte der Sender mit. Eine Depublikation sei eine der einschneidendsten Maßnahmen und erfordere eine sehr fundierte sachliche Grundlage. Zwar gebe es schwerwiegende öffentlich gewordene Vorwürfe, bislang aber keine juristische Klärung; deshalb halte man eine Entfernung der Weimar-»Tatorte« derzeit für nicht gerechtfertigt.