18. März 2026Mehrere Paläste, Moscheen und prähistorische Stätten im
Iran sind durch Luftangriffe der USA und Israels in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Schäden bedrohen bedeutende Zeugnisse des kulturellen Erbes der Menschheit.https://p.dw.com/p/5AXWDTrümmer im Golestan-PalastBild: Majid Asgaripour/REUTERSDie Auswirkungen des Krieges reichen längst weit über die aktuellen Frontlinien hinaus. In
Iran haben die US‑israelischen Angriffe auch Orte getroffen, die zu wichtigen Zeugnissen menschlicher Zivilisation zählen. Paläste aus der Safawidenzeit, jahrhundertealte Moscheen und sogar prähistorische Fundstätten - viele von ihnen
UNESCO‑geschützt - tragen inzwischen sichtbare Spuren der Explosionen und Druckwellen. Während die politischen Spannungen weiter eskalieren, wächst die Sorge um ein kulturelles Erbe, das nicht nur
Iran, sondern der gesamten Welt gehört. Die
UNESCO, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, erklärte, man habe "allen beteiligten Parteien die geografischen Koordinaten der Welterbestätten sowie weiterer bedeutender Kulturdenkmäler übermittelt, um mögliche Schäden zu vermeiden". Weiter hieß es: "Die
UNESCO beobachtet die Lage des kulturellen Erbes im Land und in der Region weiterhin genau, um seinen Schutz sicherzustellen." Nachfolgend eine Übersicht der bislang gemeldeten Schäden - basierend auf verschiedenen Berichten. Der Golestan-Palast - eines der ältesten historischen Monumente und einziges
UNESCO-Welterbe in der iranischen Hauptstadt Teheran - umfasst acht Palastbauten, die erstmals im 16. Jahrhundert errichtet wurden.Schäden im Inneren des Golestan-PalastesBild: Tasnimnews/ZUMA Press/IMAGO Die
UNESCO hat bestätigt, dass der Palast durch einen Raketenangriff am 2. März auf den nahegelegenen Arag-Platz beschädigt wurde: zerborstene Spiegeldecken, zerstörte Bögen, herausgerissene Fenster und Trümmer in mehreren Sälen. Der Tschehel-Sotun-Palast, berühmt für seine detailreichen Fresken, gehört zu den bekanntesten Kulturdenkmälern Isfahans, rund 450 Kilometer südlich von Teheran. Der Pavillon aus dem 17. Jahrhundert ist Teil der
UNESCO-Welterbestätte "Persische Gärten" und wurde in der Safawidenzeit (Herrscherdynastie im 16. und 17. Jahrhundert) für zeremonielle Empfänge genutzt.Der Pavillon des Tschehel-Sotun-Palastes im September 2024Bild: Mustafa Noori/Middle East Images/picture alliance Der Name "Tschehel Sotun" bedeutet "40 Säulen". Tatsächlich hat der Bau nur 20 Holzsäulen, die sich im Wasser eines großen Beckens davor spiegeln und so doppelt erscheinen. Die
UNESCO bestätigt Schäden durch die Angriffe auf ein benachbartes Regierungsgebäude am 10. März: zerbrochene Fliesen, herabgestürzte Wandmalereien, beschädigte Safawiden-Spiegelornamente, rissige Fresken und zertrümmerte Fenster.Trümmer am
UNESCO-Welterbe Tschehel Sotun nach LuftangriffenBild: SOCIAL MEDIA/REUTERS Druckwellen haben auch die Dschame-Moschee getroffen - die älteste Freitagsmoschee des
Iran und ebenfalls
UNESCO-Welterbe. Die
UNESCO beschreibt das Monument als ein einzigartiges Zeugnis für die Entwicklung islamisch-iranischer Architektur über zwölf Jahrhunderte. Die historische Moschee dient zugleich als Gebetshaus und als Teil des alten Basars von
Isfahan.Dschame-Moschee im November 2024Bild: Morteza Aminoroayayi/Middle East Images/AFP/Getty Images Auch der Ali-Qapu-Palast, seit 1979
UNESCO-Welterbestätte, wurde durch Angriffe in
Isfahan in Mitleidenschaft gezogen. Es gibt Berichte über zerbrochene Fenster, Türen und kunstvolle Fliesenarbeiten.Der Ali-Qapu-Palast vor dem KriegBild: Robert Harding/picture alliance Der Palast liegt an der Westseite des Naqsch-e-Dschahan-Platzes aus der Herrschaftszeit von Schah Abbas I. (1588–1629). Der Prachtplatz - bekannt als "Nesf-e Jahan" (die halbe Welt) - gilt als Meisterwerk safawidischer Architektur. Ziel des Angriffs war offenbar das Gouverneursgebäude am Platz, doch die Druckwellen der Explosionen trafen auch die umliegenden historischen Gebäude.Explosion in der Nachbarschaft des Naqsch-e-Dschahan-Platzes in IsfahanBild: Iranian Supreme Leader's Office/ZUMA/picture alliance Auch Gebäude in der Nähe der archäologischen Fundstätten im Chorramabad-Tal wurden beschädigt. In diesem Tal liegen fünf prähistorische Höhlen und ein Felsunterstand, die wichtige Hinweise auf die früheste menschliche Besiedlung der Region vor 63 000 Jahren liefern. Seit 2025 gehört das Ensemble zur
UNESCO-Welterbeliste.Die prähistorischen Stätten von ChorramabadBild: Mohammadreza Mahmoodi/Imchth/
UNESCO/dpa/picture alliance Die massive Festung Falak-ol-Aflak ("Himmel der Himmel") wurde während der Sasanidenzeit (2. - 7. Jahrhundert) in Chorramabad errichtet und beherbergt heute ein Museum. Mehrere Gebäude im inneren Bereich der Festungsanlage wurden Berichten zufolge getroffen - darunter das archäologische und das anthropologische Museum. Die Hauptfestung selbst blieb jedoch intakt. Fünf Mitarbeitende wurden verletzt.Die Festung Falak-ol-Aflak über der Stadt ChorramabadBild: Thomas Schulze/ZB/picture alliance Als Schutzmaßnahme bringen iranische Behörden derzeit blau-weiße Schilder auf historischen Gebäuden an. Das "Blue Shield"-Emblem wurde 1954 im Rahmen der Haager Konvention geschaffen, um Kulturgüter im Krieg zu schützen. Auch die Organisation "Blue Shield International" forderte den Schutz iranischer Kulturgüter. Deren Präsident Peter Stone erklärte am 13. März: "Der Schutz menschlichen Lebens hat oberste Priorität - doch der Schutz von Menschen ist untrennbar mit dem Schutz ihres kulturellen Erbes verbunden." Kulturerbe sei "mehr als ein Zeugnis der Vergangenheit - es ist ein Anker menschlicher Identität und ein globales Gemeingut". Die bisherigen Schäden entstanden überwiegend durch Druckwellen, Trümmer und Explosionen in der Nähe, nicht durch direkte Angriffe auf die Monumente. US-Präsident Donald Trump hatte bereits im Januar 2020 - während seiner ersten Amtszeit - mit Angriffen auf iranische Kulturstätten gedroht. Solche Angriffe gelten nach internationalem Recht als Kriegsverbrechen. Die USA,
Israel und
Iran haben Verträge zum Schutz von Kulturerbe - auch in Konflikten - unterzeichnet. US‑Verteidigungsminister Pete Hegseth äußerte deutlich seine Geringschätzung für die sogenannten "Rules of Engagement". Die internationalen Einsatzregeln, die das Risiko für Zivilisten verringern sollen, nannte er "dumm". Das US‑Komitee des Blue Shield zeigte sich zutiefst alarmiert über Hegseths Äußerung und warnte unmissverständlich, dass die Missachtung des humanitären Völkerrechts - einschließlich zahlreicher internationaler Abkommen, die die USA selbst unterzeichnet haben, den Weg zu Kriegsverbrechen bereiten könne.