faq Stand: 21.03.2026 • 21:22 Uhr Erstmals hat
Iran Raketen auf den abgelegenen US-britischen Stützpunkt
Diego Garcia abgefeuert. Experten sehen darin ein Signal für neue Reichweiten. Was über den Angriff bekannt ist und welche Bedeutung er hat.
Iran hat nach Angaben des Staatsfernsehens zwei ballistische Raketen auf einen von Großbritannien und den USA gemeinsam genutzten Militärstützpunkt auf der Insel
Diego Garcia abgefeuert. Keines der beiden Geschosse habe die Militärbasis im Indischen Ozean getroffen, berichteten die Zeitung
Wall Street Journal und der Sender
CNN unter Berufung auf ranghohe US-Beamte. Demnach versagte eines der Geschosse während des Fluges und das zweite wurde abgefangen. Ein britischer Regierungsvertreter bestätigte der Nachrichtenagentur
AFP später die Medienberichte. Er sprach von einem "erfolglosen Angriff". Weitere Angaben machte er nicht. Auch aus
Israel wurde der iranische Angriff bestätigt. Israels Militärchef
Ejal Zamir sagte,
Iran habe eine Rakete mit einer Reichweite von 4.000 Kilometern auf
Diego Garcia abgefeuert. Bisher ist unklar, wie nahe die Raketen dem Stützpunkt tatsächlich kamen. Dennoch hat die Entwicklung Besorgnis ausgelöst.
Diego Garcia ist das größte Atoll des Chagos-Archipels im Indischen Ozean. Das Gebiet gehört zum Britischen Territorium im Indischen Ozean und wird militärisch von Großbritannien und den USA genutzt. Es liegt fernab der großen Landmassen, mehrere Hundert Kilometer südlich der Malediven und weit westlich von Australien.
Diego Garcia ist etwa 4.000 Kilometer von der iranischen Küste entfernt. Die Basis verfügt über eine rund 3,6 km lange Landebahn. Sie ist für schwere strategische Bomber ausgelegt. Der Hafen kann große Flugzeugträgergruppen und Versorgungsschiffe aufnehmen. Schweres Militärgerät kann im Krisenfall schnell in den Persischen Golf verschifft werden. Auf der Insel gibt es eine Bodenstation für das globale Navigationssatellitensystem GPS sowie Weltraumüberwachungs- und Kommunikationsanlagen. Weil der Stützpunkt abgeschieden liegt und dennoch große Reichweiten ermöglicht, gilt er als ein strategischer Schlüsselpunkt der US‑britischen Militärpräsenz im Indischen Ozean.
Diego Garcia galt bislang als unantastbares Hinterland. Der Stützpunkt liegt etwa 4.000 Kilometer südöstlich der iranischen Küste. Dieser Distanz kommt militärstrategisch große Bedeutung zu. Sie lag bis jetzt außerhalb der offiziell bestätigten Reichweite des iranischen Raketenarsenals von 2.000 Kilometern. Es gab schon lange Befürchtungen, dass
Iran über die technologischen Mittel verfügt, den Radius über die bisherigen 2.000 Kilometer hinaus zu verdoppeln. Iranische Raketen könnten dann theoretisch nicht nur Deutschland, sondern auch Süd-, West- und Nordeuropa erreichen. "Diese Raketen sind nicht dafür bestimmt,
Israel zu treffen", sagte Israels Generalstabschefs
Ejal Zamir nach dem Angriff auf
Diego Garcia. Europäische Hauptstädte lägen innerhalb von ihrem Radius. "Berlin, Paris und Rom sind alle im direkten Bedrohungsradius." Iranische Staatsmedien stellten den Angriff als Beweis militärischer Stärke dar. Die der Revolutionsgarde nahestehende Nachrichtenagentur Fars behauptete,
Iran könne auch Europa erreichen. Die Raketenkapazitäten Irans bestünden weiterhin und widerlegten die Behauptung von US-Präsident Donald Trump, dass diese zu 100 Prozent zerstört worden seien. Die Revolutionsgarde erklärte im Staatsfunk, man spreche mit den Gegnern nur noch eine Sprache der militärischen Stärke. Diese Stärke habe man auch in der Straße von Hormus bewiesen. Die Garde behauptete,
Israel, die USA und der Westen hätten ihr Ansehen verloren und spielten keine Rolle mehr in der Region. "Wir haben die Kontrolle über den Himmel über euren Köpfen", hieß es weiter. Beobachter sehen darin demonstratives Selbstbewusstsein und den Versuch, die innenpolitische Macht der Revolutionsgarde zu unterstreichen.
Israel und die USA haben nach drei Wochen Krieg die Lufthoheit über
Iran. Der Nahost-Experte Nawaf al-Thani schrieb auf der Plattform X: "Die eigentliche Frage ist nicht, ob die Rakete abgefangen wurde. Es geht vielmehr darum, dass
Iran möglicherweise eine Reichweite unter Beweis gestellt hat, die weit über das hinausgeht, was ein Großteil der Welt ihm zugetraut hätte. Eine Reichweite von 4.000 Kilometern verändert die Lage grundlegend." Der israelische
Iran-Experte Raz Zimmt schrieb auf X: "Es ist mittlerweile offensichtlich, dass
Iran versucht, den Konflikt als strategische Chance zu nutzen - nicht nur, um künftige Angriffe gegen das Land zu verhindern, sondern auch, um eine neue regionale Ordnung zu gestalten." Nach seiner Analyse will Teheran seine Nachbarn durch Abschreckung dazu bringen, die US-Militärpräsenz in der Region zu beenden.