Veröffentlicht 23. März 2026Zuletzt aktualisiert 23. März 2026Nach gegenseitigen Drohungen zwischen
Washington und
Teheran deutet sich eine diplomatische Entspannung an. Die USA werden vorerst die Energieinfrastruktur im
Iran nicht angreifen.https://p.dw.com/p/5AuESUS-Präsident Trump berichtet von produktiven Gesprächen mit dem IranBild: Nathan Howard/REUTERSUS-Präsident
Donald Trump will nach eigenen Worten in den kommenden fünf Tagen keine iranische Energieanlagen angreifen. Der Grund seien "sehr gute und konstruktive" Gespräche mit dem
Iran über ein Ende der Kämpfe. Die
Iran-Gespräche beträfen die "vollständige und endgültige Beilegung unserer Kampfhandlungen", erklärte Trump. Er habe das
Verteidigungsministerium angewiesen, alle Attacken auf Kraftwerke und die Energieinfrastruktur auszusetzen, schrieb Trump auf seiner Plattform
Truth Social. Trump drohte zuvor mit Angriffen auf Energieanlagen Am Wochenende hatte Trump die Führung in
Teheran aufgefordert, die
Straße von Hormus binnen 48 Stunden vollständig und "ohne Drohungen" für die Schifffahrt zu öffnen. Andernfalls würden die USA iranische Kraftwerke angreifen und zerstören, "beginnend mit dem größten", schrieb Trump auf
Truth Social. Der
Iran reagierte umgehend mit einer Gegenandrohung. "Wenn ihr die Elektrizität trefft, treffen wir die Elektrizität", heißt es in einer Erklärung der iranischen Revolutionsgarden. Genannt wurden dabei israelische Kraftwerke und Anlagen, die US-Stützpunkte in der Golfregion mit Strom versorgen. Die Revolutionsgarden erklärten über den Staatssender
IRIB zudem, die
Straße von Hormus werde vollständig gesperrt, falls die USA iranische Kraftwerke attackierten. Erst wenn zerstörte Anlagen wieder aufgebaut seien, solle die Meerenge wieder geöffnet werden. Die
Straße von Hormus ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren und zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit. Rund ein Fünftel des globalen Ölbedarfs wird normalerweise durch diese Passage transportiert - ein erheblicher Teil davon in Richtung China, Indien und andere asiatische Staaten. Hinzu kommen etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssiggashandels.
Reza Pahlavi, der im Exil lebende Sohn des früheren iranischen Schahs, appellierte zuvor an Trump, seine Drohung gegen iranische Kraftwerke zu überdenken und zivile Infrastruktur im
Iran von Angriffen auszunehmen. Zwar solle der US-Präsident weiterhin gezielt gegen die Strukturen des Machtapparats der Islamischen Republik vorgehen, nicht aber gegen Einrichtungen, die für die Bevölkerung und einen möglichen Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg unverzichtbar seien. "Das Regime muss demontiert werden, der
Iran selbst aber geschützt bleiben", ließ Pahlavi verlauten. Irans Oppositionsführer im Exil: Reza PahlaviBild: Michaela Stache/AFP/Getty Images In Irans Hauptstadt
Teheran wächst die Belastung durch den Krieg, wie es aus Berichten aus der Millionenmetropole heißt. Neue israelische Luftangriffe und heftige Explosionen wurden aus mehreren Bezirken der Stadt gemeldet. Reporter des arabischen Senders "Al Jazeera" berichteten von "beispiellosen" Explosionen, vor allem in den östlichen Vierteln der Teherans. Die Luftabwehr sei im Dauereinsatz. In
Israel wurden bei einem iranischen Angriff auf die Küstenmetropole Tel Aviv nach Angaben von Sanitätern 15 Menschen verletzt. Bereits am Wochenende waren bei iranischen Raketenangriffen auf die südlichen Wüstenstädte Dimona und Arad mehr als 100 Menschen verletzt worden, viele von ihnen schwer. Nach Angaben eines Israelischen Armeesprechers setzte der
Iran dabei erneut Streumunition ein. Eine Rakete mit Streumunition zerbricht über dem Ziel in der Luft und verteilt dann viele kleinere Munitionseinheiten, auch Bomblets genannt, über einem großen Gebiet. Solche Geschosse können nur schlecht abgefangen werde. Nach israelischen Militärangaben beträgt der Radius der Einschläge bei dieser Art von Waffe rund zehn Kilometer. Zerstörung nach einem iranischen Angriff auf Arad in IsraelBild: Toshiyuki Fukushima/AP Photo/picture alliance Auch
Israel intensivierte seine Angriffe auf den
Iran. Das israelische Militär kündigte eine weitere Serie umfangreicher Attacken auf Regierungseinrichtungen der Islamischen Republik an. Kurz darauf wurden aus
Teheran schwere Explosionen gemeldet. In den Golfstaaten verschärft sich die Lage ebenfalls. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums von Saudi-Arabien wurden zwei Geschosse im Anflug auf die Hauptstadt Riad entdeckt. Eines sei abgefangen worden, das andere in unbewohntem Gebiet abgestürzt. Die Vereinigten Arabischen Emirate teilten mit, ihre Streitkräfte "reagieren derzeit auf eingehende Raketen- und Drohnenbedrohungen aus dem
Iran". Wenige Stunden zuvor hatten die Behörden in Abu Dhabi gemeldet, dass ein indischer Staatsbürger durch herabfallende Trümmer eines abgefangenen Marschflugkörpers verletzt worden sei. In Bahrain waren Luftschutzsirenen zu hören. Das Innenministerium forderte die Bevölkerung auf, "Ruhe zu bewahren und sich zum nächstgelegenen sicheren Ort zu begeben". Seit Beginn des Krieges am 28. Februar, den die USA und
Israel mit Luftangriffen gegen den
Iran eröffnet hatten, reagiert das Regime in
Teheran mit Raketen- und Drohnenangriffen auf
Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region. Hinzu kommen Angriffe auf Ölanlagen in verschiedenen Ländern der Golfregion sowie auf Öltanker. Nach offiziellen iranischen Angaben wurden seit Kriegsbeginn Ende Februar mehr als 1500 Menschen getötet und rund 21.000 weitere verletzt.