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TUE · 2026-03-24 · 23:00 GMTBRIEF NSR-2026-0325-33707
News/AfD: die neue neoliberale Arbeiterpartei?
NSR-2026-0325-33707News Report·DE·Political Strategy

AfD: die neue neoliberale Arbeiterpartei?

Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz 2026 konnte die AfD ihr Ergebnis auf 19,5 Prozent mehr als verdoppeln und wurde zur stärksten Partei unter Arbeitern, wo sie 39 Prozent der Stimmen erhielt. Dieser Trend setzt sich in ganz Deutschland fort, besonders in Ostdeutschland, wo die AfD fast die Hälfte der Arbeiterstimmen bekommt.

Hans PfeiferDeutsche Welle (DE)Filed 2026-03-24 · 23:00 GMTLean · CenterRead · 4 min
AfD: die neue neoliberale Arbeiterpartei?
Deutsche Welle (DE)FIG 01
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Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz 2026 konnte die AfD ihr Ergebnis auf 19,5 Prozent mehr als verdoppeln und wurde zur stärksten Partei unter Arbeitern, wo sie 39 Prozent der Stimmen erhielt. Dieser Trend setzt sich in ganz Deutschland fort, besonders in Ostdeutschland, wo die AfD fast die Hälfte der Arbeiterstimmen bekommt. Experten sehen die Ursache für die wachsende Unterstützung in der Sorge der Arbeiter vor Jobverlust und sozialem Abstieg angesichts von Krisen wie Kriegen, Klimawandel und Künstlicher Intelligenz. Viele Arbeiter fühlen sich von den etablierten Parteien, insbesondere der SPD, nicht mehr ausreichend vertreten. Eine Wahlanalyse bestätigt, dass die Mehrheit der Wähler die SPD nicht mehr eindeutig auf der Seite der Arbeitnehmer sieht.

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Article analysis

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71 percent of voters agree that the SPD no longer clearly stands on the side of employees.

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Among workers in Rhineland-Palatinate, 39 percent voted for the AfD.

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AfD doubled its result in Rhineland-Palatinate to over 19 percent in recent state elections.

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Workers are increasingly voting for AfD due to concerns about job loss and social decline.

quoteFrank Brettschneider
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The AfD is becoming increasingly popular among workers in Germany.

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Full report

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24. März 2026Arbeiter in Deutschland wählen immer öfter die in Teilen rechtsextreme AfD - so bei den aktuellen Landtagswahlen. Dabei ist das Programm der Partei nicht besonders arbeiterfreundlich.https://p.dw.com/p/5AxODWahltriumph in Rheinland-Pfalz: die AfD verdoppelt ihr Ergebnis auf über 19 ProzentBild: Andreas Arnold/dpa/picture allianceDie Landtagswahl in Rheinland-Pfalz war ein Erfolg für die Alternative für Deutschland (AfD): Mit 19,5 Prozent der Stimmen konnte sie ihr Ergebnis im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren mehr als verdoppeln, das war noch etwas mehr als kurz zuvor in Baden-Württemberg. Unter Arbeitern ist sie dabei sogar zur beliebtesten Partei aufgestiegen: 39 Prozent stimmten in Rheinland-Pfalz für die in Teilen rechtsextreme Partei. Das Ergebnis wird zum Trend in Deutschland: Zuletzt wählten immer mehr Arbeiterinnen und Arbeiter AfD. In ihren Hochburgen in Ostdeutschland bekommt sie mittlerweile fast die Hälfte der Stimmen der Arbeiter, also der körperlich arbeitenden angestellten Bevölkerung. Sie werden damit ein wichtiger Faktor beim Aufstieg der umstrittenen Partei. Dass so viele Arbeiter die AfD wählen, hat nach der Einschätzung von Experten vor allem einen Grund: die Sorge vor Jobverlust und sozialem Abstieg. "Die AfD unterstützt und befeuert die Sorgen, die es in der Arbeiterschaft gibt", analysiert der Kommunikationsexperte Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim im Südwestrundfunk (SWR). Die multiplen Krisen durch Kriege, Klimawandel und Künstliche Intelligenz werden zum Stresstest für die demokratische Gesellschaft - das gilt nicht nur in Deutschland.Frustrierte SPD-Parteispitze vor dem Denkmal des sozialdemokratischen Übervaters Willy Brandt: Er stand für die erfolgreiche Arbeitertradition der ParteiBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance Arbeiter fühlen sich im Angesicht der Krisen offenbar immer seltener von den etablierten Parteien vertreten. Lange Zeit hatten sie bei den Sozialdemokraten, der SPD, ihr Zuhause. Sie ist eine der weltweit ältesten und traditionsreichsten Arbeiterparteien. Aber die Zeit der Erfolge scheint vorbei. Die SPD befindet sich - mit kurzen Unterbrechungen - seit Jahren im Sinkflug. Eine Wahlanalyse des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap zur aktuellen Landtagswahl in Rheinland-Pfalz kommt für die Sozialdemokraten zu einem schlechten Ergebnis. 71 Prozent der Wählerinnen und Wähler bejahen die Aussage: "Die SPD steht heute nicht mehr eindeutig auf der Seite der Arbeitnehmer." Die AfD arbeitet daran, diese Lücke zu füllen. Die Partei bediene erfolgreich Klischees, etwa dass die Funktionäre der anderen Parteien abgehoben seien, sagt Frank Brettschneider im SWR-Interview. Die AfD sage: "Die da oben haben ja von eurer Lebenswirklichkeit gar keine Ahnung. Wir schon." Brettschneider stellt fest: "Mit der Erzählung kommt sie teilweise durch." Interessanterweise spielen die Themen Wirtschaft und soziale Sicherheit nur eine untergeordnete Rolle bei der Wahlentscheidung der Arbeiter für die AfD: Sie bescheinigen der Partei keine herausragenden Kompetenzen für Wirtschaftspolitik, soziale Gerechtigkeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Auch das zeigen die Wahlanalysen von Infratest dimap. Viel wichtiger scheinen den Wählern die Asyl- und Flüchtlingspolitik und die Kriminalitätsbekämpfung zu sein. Es sind die beherrschenden Themen in den Wahlkämpfen der AfD. Immer wieder verknüpft die AfD Themen wie Wohlstand und bezahlbare Mieten mit Migrationsthemen. Sie erklärt Einwanderer zu einer Bedrohung für den Lebensstandard der Deutschen und appelliert damit an die Abstiegsängste der Menschen.Wie viel Zuwanderung braucht Deutschland?To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Dabei betrachten Ökonomen und wirtschaftswissenschaftliche Studien Einwanderung ganz im Gegenteil als wichtigen Beitrag für den Erhalt der deutschen Wohlstandsgesellschaft. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, DIW, kommt in einer Analyse aus dem Jahr 2025 zu dem Ergebnis, dass mehr Migration ein enormes Potential dafür darstelle, dass die deutsche Wirtschaft kräftig wächst. Das AfD-Paradox: Programmatik gegen die eigenen Wähler Was also bietet die AfD der verunsicherten deutschen Arbeiterschaft in ihren Wahlprogrammen? Wenig. Das meint zumindest der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, DIW, Marcel Fratzscher. In einer Analyse zieht er schon 2023 das Fazit: Die Hauptleidtragenden der AfD-Politik wären ihre eigenen Wähler. Die Partei stehe für eine "extrem neoliberale Wirtschafts- und Finanzpolitik", so Fratzscher, die vor allem Entlastungen für Spitzenverdiener plane und die Rolle des Staates beschneiden wolle: "In der Kategorie Sozialpolitik wünscht sich keine Partei im Bundestag stärkere Einschnitte bei den Sozialleistungen als die AfD", analysiert Fratzscher. Gleichzeitig sucht die Partei die Nähe zu den Arbeitern in Deutschland. Sie unterstützt den Aufbau der AfD-freundlichen Gewerkschaft "Zentrum". Die versucht seit Jahren, in den Betriebsräten der großen deutschen Automobilkonzerne Fuß zu fassen. Die Betriebsräte sind in Deutschland von erheblicher Bedeutung. Sie vertreten die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ihre Stimmen haben in den öffentlichen Debatten erhebliches Gewicht. "Zentrum" will sich als rechte Alternative zur traditionell eher linken Industriegewerkschaft IG Metall profilieren. Auch wenn die Wahlerfolge der AfD es anders vermuten lassen: Die Anstrengungen hatten bislang nur mäßigen Erfolg. Zwar konnte "Zentrum" in einzelnen Autofabriken von Mercedes oder VW in die Betriebsräte einziehen. Aber bei den laufenden Betriebsratswahlen in Deutschland blieben nennenswerte Erfolge bislang aus. Großer Gewinner bleibt die IG Metall.Warnstreik der IG Metall in Zwickau: Gewerkschaften sind ein erheblicher Machtfaktor in DeutschlandBild: Hendrik Schmidt/dpa/picture alliance Im Wettbewerb um die Wählerstimmen der Arbeiter fordert der Soziologe Klaus Dörr vor allem die politische Linke auf, sich wieder stärker mit der Realität der Arbeiterschaft zu identifizieren: "Ich glaube, dass der Anteil der Arbeiter, die man zurückholen kann, gar nicht so klein ist", äußert Dörr in einem Interview mit der Berliner "tageszeitung". Die demokratischen Parteien müssten sich auf die Themen der Arbeitnehmer einlassen. Zur Realität gehöre, dass sich in Deutschland immer weniger Arbeiter mit ihren Unternehmen identifizieren, auch in den traditionsreichen Großkonzernen wie VW und Mercedes. "Womit man sich aber überall identifiziert, ist etwa Heimat", analysiert Dörr in der taz. Er fordert: Linke Parteien sollten den Heimatbegriff von der AfD zurückerobern.
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