152 Behälter mit rund 300.000 Brennelement-Kugeln sollen aus einem alten Versuchsreaktor in
Jülich nach und nach in Richtung Brennelemente-Zwischenlager in
Ahaus transportiert werden. In der Nacht zu Mittwoch ist der erste Transport angekommen. Nach WDR-Informationen startete der Transport am Dienstagabend kurz nach 22 Uhr. Für die Sicherheitsbehörden bedeutete das einen Großeinsatz. 2.400 Polizistinnen und Polizisten sicherten laut
NRW-Innenministerium die hochradioaktive Ladung ab: Zum Beispiel am Startpunkt am
Forschungszentrum Jülich - oder in
Ahaus, wo der Atommüll ins Zwischenlager soll. Um 2 Uhr in der Nacht ist der erste Transport angekommen. Laut Polizei verlief der erste Transport ohne besondere Zwischenfälle. Die Castoren mussten etwa 170 Kilometer vom Kreis
Düren bis ins
Münsterland transportiert werden, einmal quer durch Nordrhein-Westfalen. Der tonnenschwere Spezial-Lastwagen ist dabei in erster Linie über die Autobahnen in NRW gefahren. Bereits seit 2013 steht fest: Der Atommüll in
Jülich muss weg, denn seitdem besteht keine Aufbewahrungsgenehmigung mehr. Kurzzeitig stand auch der Bau eines neuen Zwischenlagers in
Jülich im Raum - das hatte man wegen hoher Kosten wieder verworfen. Gelbe Castorenbehälter im Forschungs-Zentrum
Jülich Nach Angaben der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) sollen die Vorbereitung und der Transport in das Brennelemente-Zwischenlager nach
Ahaus 90 Millionen Euro kosten, die Kosten für den begleitenden Polizeieinsatz über die Autobahn nicht eingerechnet. Ein neues Zwischenlager in
Jülich wäre demnach deutlich teurer.
Atomkraftgegner kritisieren den Castor-Transport seit Jahren. Bei einem Infoabend warfen sie den Betreibergesellschaften vor, eine alternative Lagerung in
Jülich nicht ausreichend geprüft zu haben. Ein Kritikpunkt: Der Atommüll wird nicht in ein Endlager, sondern in
Ahaus in ein weiteres Zwischenlager gebracht. Darüber hinaus stellten die
Atomkraftgegner die Sicherheit der Transporte in Frage. Die Jülicher Entsorgungsgesellschaft versicherte aber, dass die Strahlung während der Transporte geringer sei als die tägliche Hintergrundstrahlung. Demnach müsse man rund 20 Stunden direkt neben einem Castor stehen, um in etwa so viel Strahlung abzubekommen, wie bei einem Langstreckenflug nach New-York. Verschiedene Initiativen gegen Atomkraft demonstrierten seit dem frühen Dienstagabend gegen die Transporte - sowohl in
Jülich als auch in
Ahaus. Die NRW-Landesregierung ist ebenfalls gegen die Castor-Transporte von
Jülich nach
Ahaus. "Wenn es nach mir ginge, könnte ich auf die anstehenden Castor-Transporte gerne verzichten", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Vorfeld. Das sieht auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur so. "Wir hätten uns eine andere Entscheidung des Bundes gewünscht und haben dazu in der Vergangenheit alle Handlungsoptionen ausgeschöpft, um unnötige Transporte zu vermeiden." Das Land habe keine Entscheidungsgewalt in dieser Sache, so die Grünen-Politikerin. Vor knapp vier Jahren hatten CDU und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, sich "für eine Minimierung von Atomtransporten" einzusetzen. "Im Fall der in
Jülich lagernden Brennelemente bedeutet dies, dass wir die Option eines Neubaus eines Zwischenlagers in
Jülich vorantreiben", heißt es dort weiter. Ein solcher Neubau wäre Voraussetzung gewesen, um die Transporte zu verhindern. Die Landesregierung hatte dafür Grundstücke in
Jülich gesichert und auch Geld im Landeshaushalt eingestellt. Das nützte nichts, denn das letzte Wort in der Frage "Transport oder Neubau" hat der Bund. Der hat zwar die Neubau-Pläne für ein Jülicher Zwischenlager nie offiziell für beendet erklärt, der Prozess dauert aber sehr lange - eine Genehmigung dafür liegt bis heute nicht vor. Die Transport-Lösung nach
Ahaus dagegen kam schneller voran. Der Umweltverband BUND hatte in der Vergangenheit versucht, die Transporte mit einer Klage zu stoppen. Anfang März entschied jedoch das zuständige Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg: Die Castor-Transporte dürfen stattfinden. Bis zu vier Schwerlasttransporter zu je 130 Tonnen können jeweils einen Castor von
Jülich nach
Ahaus transportieren. Insgesamt soll der Konvoi um den Castor-Transport rund 100 Fahrzeuge umfassen, außerdem sind mehrere tausend Polizeibeamte in ganz NRW im Einsatz, schätzt die Polizeigewerkschaft GdP. Die Genehmigung dafür wurde im Sommer 2025 erteilt und ist zwei Jahre gültig. Bei insgesamt 152 Castoren mit Atommüll ist in nächster Zeit also mit vielen Castortransporten ins
Münsterland zu rechnen. In
Ahaus befindet sich eines von insgesamt 16 Zwischenlagern - dort wird aktuell der Atommüll gelagert. Ein Endlager gibt es derzeit noch nicht, nach einem passenden Standort wird gesucht. BGZ
Ahaus JEN
Jülich Bundesamt BASE Stadt
Ahaus Landesregierung NRW Bund für Umwelt- und Naturschutz BUND Bürgerinitiative "Kein Atommüll in
Ahaus" Sendung: WDR.de, Castor-Transport soll starten: Atommüll aus
Jülich kommt nach
Ahaus, 24.03.2026, 5.59 UhrSendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit
Münsterland, 24.03.2026,19:30 Uhr In einer früheren Version des Textes stand, dass man rund 20 Stunden direkt neben einem Castor stehen müsse, um in etwa so viel Strahlung abzubekommen, wie bei einem 20-stündigen Flug nach New York. Gemeint ist aber lediglich ein Flug ohne Zwischenstopp. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.