1. Geld oder LiebeEs steht als Forderung in so gut wie jedem feministischen Leitartikel und vermutlich in jedem Wahlprogramm der
SPD der letzten Jahre: Das Ehegattensplitting soll abgeschafft werden. Passiert ist es nie. Der Splittingvorteil für Eheleute mit unterschiedlich hohen Einkommen ist die heilige Kuh der deutschen Steuerpolitik. Neu ist nun aber: Künftige Eheleute sollen sie womöglich nicht mehr melken dürfen (hier mehr ). Vizekanzler
Lars Klingbeil hat in seiner großen Reformrede angekündigt, er wolle »einen Fehlanreiz beseitigen, der vor allem Frauen in der Teilzeitfalle hält«. Ersatzlos für alle abschaffen könne man das Ehegattensplitting nicht, sagen die Experten von Klingbeil. Für alle, die bereits verheiratet sind, soll sich also überhaupt nichts ändern. Aber für alle aktuell Schwerverliebten könnte sich der Gang zum Traualtar künftig weniger lohnen. Welche Regel das Splitting ersetzen soll, ist noch offen, schreibt
Jonas Schaible aus dem
SPIEGEL-Hauptstadtbüro (hier mehr dazu ). Und ob die Abschaffung wirklich und in echt ganz sicher kommt, natürlich auch. Was die
Union von Klingbeils Plänen hält?Der wichtige Chef der
CSU-Landtagsfraktion in
Bayern,
Klaus Holetschek, sagte dem
SPIEGEL: »Alles hängt letztlich mit allem zusammen, und bevor der politische Gesamtweg nicht geeint ist, lassen sich die Dinge auch nicht vernünftig bewerten.« Das sei keine Unterstützung für Klingbeils Pläne, schreibt Schaible. Aber interessanterweise auch keine Absage.Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Was die Pläne zum Ehegattensplitting für Ihren Geldbeutel bedeuten können 2. Klima der Angst gegen die Freiheit der KunstEiner der mächtigsten Kulturmanager Europas muss seinen Posten räumen:
Markus Hinterhäuser, seit 2016 Intendant der
Salzburger Festspiele (hier mehr). Das Festival glänzte unter ihm künstlerisch und war zuletzt fast vollständig ausgelastet. Wie
SPIEGEL-Autor
Sebastian Hammelehle recherchiert hat, gibt es aber Kritik an seinem Führungsstil. Laut Aussagen von Mitarbeitenden soll es zu Beschimpfungen und wiederkehrenden Ausrastern gekommen sein, oft zulasten von Frauen (lesen Sie hier mehr ). Der Fall offenbart einen Grundkonflikt vieler Kulturbetriebe: Darf die Freiheit der Kunst ein Klima der Angst erzeugen? In der Auseinandersetzung um Hinterhäuser gehe es laut Hammelehle »auch um die Frage, welches Modell von Führung heute zeitgemäß ist: das regelgeleitete oder das autokratische?« Hinterhäuser räumt ein, impulsiv zu sein, weist aber das Bild eines »Berserkers« zurück und beklagt »die üblichen Unterstellungen«, gegen die er sich kaum wehren könne (hier mehr dazu ).Trotz Solidarität prominenter Künstler teilte das Kuratorium der
Salzburger Festspiele heute mit, dass man mit Hinterhäuser »aufgrund unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede und Differenzen« getrennte Wege gehe – die Ära der Kulturautokraten bröckelt (hier mehr).Lesen Sie hier die ganze Geschichte: »Was grinst du mich so verächtlich an?« 3. Maulwurf gesucht!Waffen, Munition, Satellitentechnik: Durch ein Leak im Verteidigungsministerium wurde im vergangenen September auf der Plattform »Politico« eine vertrauliche Einkaufsliste der Bundeswehr öffentlich. Auf der Jagd nach dem Informanten waren Boris Pistorius’ Leute nicht zimperlich. Ein Team um
SPIEGEL-Reporter Matthias Gebauer hat die Suche nach dem Maulwurf recherchiert (hier mehr ). Der mutmaßliche Verräter ist inzwischen enttarnt worden – ein Fregattenkapitän, dem der Minister »grobe Illoyalität« vorwirft. »Die schwarz-rote Bundesregierung verfolgt offenbar insgesamt einen härteren Kurs gegenüber Leaks«, schreiben die Kollegen aus dem
SPIEGEL Hauptstadtbüro. Der mutmaßliche Maulwurf ist inzwischen suspendiert, hat seine Sicherheitsfreigabe verloren, ihm drohen Entlassung und im Extremfall eine Haftstrafe – offensichtlich soll genau diese Härte künftige Nachahmer abschrecken.Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Auf der Jagd nach dem Informanten waren Pistorius’ Leute nicht zimperlich Was heute sonst noch wichtig istWirtschaftsministerin Reiche offen für weitere Erhöhung der Pendlerpauschale: Erst vor wenigen Monaten ist die Pendlerpauchale bereits gestiegen, nun bahnt sich eine weitere Anhebung an: Angesichts der hohen Spritpreise zeigt sich Wirtschaftsministerin Reiche aufgeschlossen für eine Steuererleichterung.EU-Parlament stimmt für Verbot von bestimmter Deepfake-Software: Die EU will Dienste verbieten, die mithilfe von KI sexualisierte Bilder und Videos erzeugen. Die Regulierung könnte auch die künstliche Intelligenz von Elon Musk treffen.Der Preis fürs Deutschlandticket steigt künftig automatisch: Künftig wollen nicht mehr Bund und Länder entscheiden, was die Nahverkehrsflatrate kosten soll. Stattdessen soll der Preis mithilfe einer komplizierten Formel berechnet werden.IOC verlangt künftig Geschlechtertest von allen Sportlerinnen: Nach Geschlechterdebatten im Sport hat das Internationale Olympische Komitee neue Richtlinien beschlossen. Athletinnen müssen sich einmalig vor Wettbewerben testen lassen. Verschärft werden die Regeln für trans Frauen. Diese neuen Regeln sollen bald für Autofahrer gelten: Parkraumkontrolle, Punktehandel, digitaler Führerschein: Schwarz-Rot will das Straßenverkehrsgesetz erneuern. Falschparker dürften es künftig schwerer haben. Die Pläne im Überblick . Läuft bei dir, Digga!: Susanne Daubner ist eine der dienstältesten Sprecherinnen der »Tagesschau«. Sie gilt aber auch als Kult-Ansagerin für das Jugendwort des Jahres. 2021 hatte Daubner in einem Clip das Gewinnerwort »Cringe« (zum Fremdschämen) präsentiert und es in staatstragendem Ton so erklärt: »›Cringe‹ ist das Gefühl, das Sie haben, wenn ich den folgenden Satz sage: ›Digga, wie fly ist eigentlich die Tagesschau, wenn sie mit Jugendwörtern flext. Läuft bei dir, ARD.‹« Als sie erklärte, dass sie das Jugendwort zukünftig nicht mehr präsentieren und anderen den Vortritt geben wolle, protestierten Fans. Der Rückzugsplan wurde gestrichen. Heute feiert Susanne Daubner ihren 65-jährigen Geburtstag. Happy Birthday! Auf dem Weg zu seiner Wahlparty spielte Kim mit dem Gedanken, morgen gleich wieder eine Wahl stattfinden zu lassen.Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons. Ein wenig Licht am Ende des Tunnels. Wer es noch sucht und gern liest, findet womöglich Gefallen am neuen Roman von Christoph Peters. Er heißt »Entzug« und vermittelt laut
SPIEGEL-Rezensentin Katharina Stegelmann vor allem eines: Hoffnung. (Lesen Sie hier ihre Buchkritik .)Das Buch erzählt vom stationären Entzug eines Schriftstellers, der glaubt, nur mit Wodka im Glas kreativ sein zu können. Eigentlich also eine bekannte Geschichte, doch Katharina Stegelmann lobt die »Eleganz«, den »Witz« und »die große Selbstdistanz« des autobiografischen Werks. Der Autor habe sich durch die Geschichte dieses Entzugs geschrieben, wie ein Tunnelbohrer sich durchs dunkle Erdreich wühlt. Diese Literatur sei kein Seelenstriptease, sondern eine »Feier der Resilienz«, die Leserinnen und Lesern Kraft spenden kann.Einen schönen Abend wünschtIhre Anna Clauß, Autorin der Chefredaktion