NEWSAR
Multi-perspective news intelligence
SRCDie Welt
LANGDE
LEANCenter-Right
WORDS991
ENT10
FRI · 2026-03-27 · 06:28 GMTBRIEF NSR-2026-0327-38288
News/Wer vom transatlantischen Menschenhandel spricht, darf über …
NSR-2026-0327-38288News Report·DE·Human Rights

Wer vom transatlantischen Menschenhandel spricht, darf über den muslimischen nicht schweigen

Ein Resolutionsentwurf der UN-Generalversammlung, initiiert von Ghana und diskutiert am 25. März 2026 in New York, konzentriert sich auf den transatlantischen Sklavenhandel und erklärt ihn zum schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Sven-Felix KellerhoffDie WeltFiled 2026-03-27 · 06:28 GMTLean · Center-RightRead · 4 min
Wer vom transatlantischen Menschenhandel spricht, darf über den muslimischen nicht schweigen
Die WeltFIG 01
Reading time
4min
Word count
991words
Sources cited
2cited
Entities identified
10entities
Quality score
100%
§ 01

Briefing Summary

AI-generated
NEWSAR · AI

Ein Resolutionsentwurf der UN-Generalversammlung, initiiert von Ghana und diskutiert am 25. März 2026 in New York, konzentriert sich auf den transatlantischen Sklavenhandel und erklärt ihn zum schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Resolution thematisiert die Versklavung von Millionen Afrikanern über 400 Jahre hinweg. Trotz Warnungen des US-Botschafters wurde der Entwurf mit 123 Ja-Stimmen angenommen, wobei Argentinien, Israel und die USA dagegen stimmten. Der Artikel kritisiert die Fokussierung auf den transatlantischen Handel und fordert eine umfassendere Betrachtung der Sklaverei, einschließlich des muslimischen Sklavenhandels.

Confidence 0.90Sources 2Claims 5Entities 10
§ 02

Article analysis

Model · rule-based
Framing
Human Rights
Political Strategy
Tone
Measured
AI-assessed
CalmNeutralAlarmist
Factuality
0.70 / 1.00
Factual
LowHigh
Sources cited
2
Limited
FewMany
§ 03

Key claims

5 extracted
01

Three countries – Argentina, Israel and the USA – voted against the resolution; 52 states abstained.

factualArticle itself
Confidence
1.00
02

Ghana submitted a draft resolution to the UN regarding slavery.

factualArticle itself
Confidence
1.00
03

Over 400 years, millions of people were taken from Africa and shipped to the New World.

factualResolutionsentwurf der UN
Confidence
1.00
04

The UN General Assembly adopted a resolution declaring the transatlantic slave trade as the worst crime against humanity.

factualWebsite of the United Nations
Confidence
1.00
05

From the 16th to the 19th century, eleven to twelve million Africans were transported across the Atlantic.

statisticArticle itself
Confidence
0.90
§ 04

Full report

4 min read · 991 words
PfadnavigationHomeGeschichteGeschichte der SklavereiWer vom transatlantischen Menschenhandel spricht, darf über den muslimischen nicht schweigenStand: 07:28 UhrLesedauer: 5 MinutenSklaven werden im Sudan verschleppt und durch die Wüste nach Djeddah getrieben (Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert)Quelle: Universal Images Group via Getty Images/Universal History ArchiveDie Vereinten Nationen haben eine Resolution zum Sklavenhandel verabschiedet, die sich auf jenen in Richtung Amerika konzentriert. Man kann diesen Teil der kommerzialisierten Unfreiheit von Menschen nicht seriös betrachten, ohne sich um weitere Aspekte zu kümmern.Mit getragenem Ernst ergreift die Vorsitzende der UN-Generalversammlung das Wort. Annalena Baerbock, ehemalige Bundesaußenministerin und 2025/26 auf eigenen Wunsch in New York aktiv, hat sich das Thema Sklaverei für ihre Ansprache ausgesucht. Verhandelt wird an diesem Mittwoch, dem 25. März 2026, im großen Saal des UN-Gebäudes am East River ein Resolutionsentwurf, den Ghana vorgelegt hat. „Der Sklavenhandel und die Sklaverei zählen zu den schwerwiegendsten Menschenrechtsverletzungen in der Geschichte der Menschheit“, sagt die Politikerin: „Ein Affront gegen die Grundsätze, die in der Charta der Vereinten Nationen und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.“In dem Resolutionsentwurf heißt es: „Über 400 Jahre lang wurden Millionen von Menschen aus Afrika verschleppt, in Ketten gelegt und in die Neue Welt verschifft, um dort unter sengender Hitze und Peitschenknallen auf Baumwollfeldern sowie Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen zu schuften.“ Der „Handel mit versklavten Afrikanern und die rassistisch motivierte Versklavung von Afrikanern“ stelle das „schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ in der Geschichte dar.Vor der Abstimmung warnt noch Botschafter Dan Negrea, der stellvertretende Repräsentant der USA in der Generalversammlung, mit deutlichen Worten. Der Entwurf sei „in unzähliger Hinsicht höchst problematisch“. Trotzdem nimmt die Generalversammlung mit 123 Ja-Stimmen den Resolutionsentwurf schließlich an; drei Länder – Argentinien, Israel und die USA – stimmen mit Nein; 52 Staaten enthalten sich. Auf der Website der Vereinten Nationen heißt es zum Ergebnis wörtlich: „Im Saal der UN-Generalversammlung brach am Mittwoch Applaus aus, als die Mitgliedstaaten eine Resolution verabschiedeten, in der der transatlantische Sklavenhandel als das schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärt wurde.“Zwar besteht historisch betrachtet kein Zweifel, dass der transatlantische Sklavenhandel vom 16. bis zum 19. Jahrhundert zu den großen Verbrechen der Weltgeschichte gehört. Als einigermaßen gesichert gilt, dass in dieser Zeit elf bis zwölf Millionen Afrikaner mit Sklavenschiffen über den Atlantik geschafft wurden. Davon gelangten 97 Prozent nach Brasilien oder in die Karibik, allerdings „nur“ drei Prozent in das Gebiet, das ab 1776 die USA werden sollten. Doch kann man diesen Teil der kommerzialisierten Unfreiheit von Menschen nicht seriös betrachten, ohne sich um weitere Aspekte zu kümmern. Es sind mindestens drei: die Rolle afrikanischer Ethnien oder Clans (um nicht umstrittene Begriffe wie „Stamm“ zu verwenden) bei der Versklavung anderer Afrikaner, die Rolle arabischer, meist muslimischer Zwischenhändler und schließlich der Sklavenhandel nicht über den Atlantik, sondern über den Indischen Ozean.Lesen Sie auchDie zentrale Rolle bei der Versklavung von (meist dunkelhäutigen) Menschen aus dem Gebiet südlich der Sahara spielten stets ihre Nachbarn. Drei Beispiele dafür: Erstens die Menschenjäger in Westafrika, die ab dem frühen 16. Jahrhundert den dafür erhaltenen Lohn in Form von Messing-Manillen bekamen, aus denen die inzwischen bekannten Benin-Bronzen entstanden. Zweitens die Königin Nzinga, im 17. Jahrhundert Herrscherin im Gebiet des heutigen Angola. Sie war mit Menschenhandel reich geworden und sollte trotzdem nach dem Willen einiger Berliner „post colonials“ zur Namenspatronin einer Straße im Afrikanischen Viertel im Bezirk Wedding werden, was im letzten Moment verhindert wurde. Drittens Ayuba Suleiman Diallo, der erste namentlich bekannte Schwarzafrikaner auf einem Porträt aus dem 18. Jahrhundert – er geriet selbst in die Hände von Sklavenhändlern und wurde verkauft, als er zwei Sklaven zu einem britischen Abnehmer bringen sollte.Lesen Sie auchEin weiterer Aspekt ist die Bedeutung muslimischer (Zwischen-)Händler im Sklavengeschäft, zu denen übrigens auch Ayuba Suleiman Diallo gehörte, der in London mit seiner guten Kenntnis des Korans für Aufsehen sorgte. Michael Zeuske, Autor des 1425 Seiten starken „Handbuchs Geschichte der Sklaverei“ betont zwar, dass es eine „einheitliche islamische Sklaverei“ nicht gegeben habe. Zu widersprüchlich seien die grundlegenden Texte, ob nun der Koran oder die Hadith, Sammlungen (angeblicher) Aussprüche Mohammeds. Jedoch sei das Phänomen Sklaverei im Islam „quantitativ gigantisch“ gewesen: „In den Entstehungsgebieten des Korans gab es viele Sklaven, stellte Sklaverei eine traditionelle und legitime Institution dar.“Lesen Sie auchNoch schärfer formuliert der Historiker Egon Flaig in seiner „Weltgeschichte der Sklaverei“ (Verlag C. H. Beck. 246 S., 14,95 Euro). Ausdrücklich nennt er die islamische Welt das „größte und langlebigste sklavistische System der Weltgeschichte“. Dieses Urteil hat erbitterte Reaktionen hervorgerufen, allerdings keine belastbare Widerlegung. Zum tatsächlichen Umfang des muslimischen Sklavenhandels in Richtung Osten gibt es nur vage Schätzungen; die Angaben für den unfreiwilligen Menschen-„Export“ schwanken stark: Mindestens acht und möglicherweise 17 Millionen (so schreibt es unter anderem der senegalesische Ökonom Tidiane N'Diaye in seinem Buch „Der verschleierte Völkermord“, auf Deutsch erschienen 2010 und seit Langem vergriffen), vielleicht aber auch wesentlich mehr Afrikaner wurden zwischen dem 8. und dem 20. Jahrhundert von islamischen Herrschern und ihren Handlangern als Sklaven verschleppt. Hinzu kommen mindestens 1,5 Millionen West- und Südeuropäer sowie mindestens vier Millionen Slawen, ferner etwa zwei Millionen Einwohner der Philippinen. Gewissheit über die Gesamtzahl der in islamischen Gesellschaften versklavten Menschen lässt sich allerdings nicht gewinnen, denn es gibt nicht nur keine fragmentarischen, sondern gar keine verlässlichen Aufzeichnungen. Jedenfalls urteilt N'Diaye, „dass der von den arabomuslimischen Räubern betriebene Sklavenhandel weitaus verheerender für Schwarzafrika war als der transatlantische“. Das ist so wenig zu beweisen wie zu widerlegen. Im Gegensatz zu einer immer wieder zu lesenden Behauptung hinterließen die über den Indischen Ozean nach Osten exportierten Sklaven übrigens deutliche genetische und auch phänotypisch erkennbare Spuren in der dortigen Bevölkerung. So leben aktuell in Saudi-Arabien etwa 3,6 Millionen sogenannte Afro-Arabs, im Jemen sollen es 3,5 Millionen sein sowie im Irak und Mauretanien je anderthalb Millionen.An den Schrecken des transatlantischen Sklavenhandels ändert all das nichts. Aber es vervollständigt das Bild – und nur eine annähernd komplette Übersicht kann Grundlage für eine seriöse Beschäftigung mit einem Thema sein.Sven Felix Kellerhoff ist Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. Mit Egon Flaig diskutierte er schon vor dem ersten Erscheinen seines Buches auf einer denkwürdigen Autofahrt durch Hessen über muslimischen Sklavenhandel.
§ 05

Entities

10 identified
§ 06

Keywords & salience

8 terms
sklavenhandel
1.00
transatlantischer menschenhandel
0.90
sklaverei
0.80
muslimischer sklavenhandel
0.80
vereinte nationen
0.70
resolution
0.60
menschenrechtsverletzungen
0.50
afrika
0.40
§ 07

Topic connections

Interactive graph
Network visualization showing 51 related topics
View Full Graph
Person Organization Location Event|Click node to navigate|Edge numbers = shared articles