Reportage Zivilbevölkerung in
Iran Nach Raketeneinschlag in Teheraner Wohnviertel Stand: 28.03.2026 • 05:32 Uhr Während
Israel und die USA bislang keines ihrer Kriegsziele wirklich erreicht haben, sterben immer mehr Menschen in
Iran, denn bei den Luftangriffen werden auch Wohnviertel getroffen. Das
ARD-Team in Teheran war bei den Aufräumarbeiten. Von
Mariam Samii und
Benjamin Weber,
ARD-Studio
Istanbul Im Stadtviertel
Sizdah Aban im Süden von Teheran leben Arbeiter, Angestellte und Familien. Das Leben ist hier noch nicht so teuer wie im Norden der Stadt. In einer der engen Straßen räumt ein Bagger Trümmerteile weg. Am frühen Morgen sei hier eine Rakete eingeschlagen, erzählt der 71-jährige
Hassan dem Team der
ARD. "Es war vier Uhr, als ich ein pfeifendes Geräusch hörte. Danach habe ich nichts mehr verstanden", berichtet er. "Plötzlich wurde es hinter der Tür, auf dem Dach und überall dunkel. Dann sind wir nach draußen gegangen und haben gesehen, dass alle Wege versperrt waren und die Wasserleitung geplatzt war, sodass das Wasser das ganze Haus überschwemmte." Die Luftangriffe auf Teheran in dieser Nacht waren massiver als zuletzt, so beschreiben es Augenzeugen. Es habe durchgehend Explosionen gegeben. Was die Rakete in
Sizdah Aban hätte treffen sollen, das weiß keiner hier. Ein normales Wohnhaus sei das, sagen sie. Rettungskräfte tragen Leichen hinaus. Zehn Menschen sollen gestorben sein, berichten iranische Medien. Hassans Familie lebt unmittelbar nebenan. Vor der Tür steht seine Frau im schwarzen Ganzkörperschleier Tschador. Die Druckwelle der Explosion hat das Fensterglas zersplittern lassen und die Fensterrahmen herausgedrückt. Handwerker bringen notdürftig Folie an. "Ich war wach", erzählt sie. "Aus der Ferne hatte ich etwas gehört, das wie Luftabwehr klang. Mein Sohn und meine Tochter schliefen im Schlafzimmer, mein Mann im Wohnzimmer, und ich lag auf dem Sofa." Plötzlich habe es eine Explosion gegeben, Türen und Fenster seien zerstört worden, in der Küche die Wasserleitung von oben geplatzt. "Alle Trümmer des hinteren Gebäudes waren hierher gestürzt. Die Tür ließ sich nicht öffnen, und das Wasser schoss von oben hinein. Mit großer Mühe konnten wir die Tür öffnen, um das Hauptwasser abzudrehen." Nach Zahlen des Internationalen Roten Kreuz sind in
Iran seit Kriegsbeginn mehr als 1.900 Zivilisten getötet worden. Mehr als 20.000 Menschen wurden demnach verletzt. Die Menschen leiden unter dem Krieg. Wegen der Internetblockade des iranischen Regimes fühlen sich viele isoliert - voneinander, von der Welt und von wichtigen Informationen. Nur die wenigsten finden einen Tunneldienst ins Netz. Wenn
Israel und die USA angreifen, gibt es keinen Alarm und keine Schutzbunker, in die man flüchten könnte. Gleichzeitig erhöht auch die Revolutionsgarde den Druck nach innen. In den Städten kontrollieren Bewaffnete die Menschen an Checkpoints. Immer wieder werden Festnahmen und auch Hinrichtungen gemeldet. Dass Journalistinnen unter diesen Umständen die Nachwirkungen eines Raketeneinschlags dokumentieren können, das geht nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Behörden. Wie viele andere internationale Medien auch hat das Teheraner
ARD-Team diese Möglichkeit dennoch genutzt. In einem weiteren Haus in der Nachbarschaft hat die Explosion die Außenwand weggerissen. Im zweiten Stock ist ein kurzes Interview mit dem Bewohner möglich. Ein Mann um die 40, er war nicht zu Hause, als es passiert ist. "Wenn man kommt und sieht, dass das eigene Zuhause zerstört ist - bleibt da noch etwas zu sagen?", sagt er. "Vom Krieg bleiben nur Zerstörung und Leid, nur Unglück und Elend zurück." Nachdenklich sieht der Mann durch die offene Wand hindurch den Aufräumarbeiten zu.