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Fulda stellt sich quer“Bischof segnet junge Katholiken vor Anti-AfD-Fest – Protest gegen „
Generation Deutschland“Stand: 30.03.2026Lesedauer: 3 MinutenPolizeieinsatz im Fuldaer Stadtteil
Johannesberg vor Beginn des Gründungskongresses der AfD-JugendQuelle: Andreas Arnold/dpaRund 1000 Menschen haben in
Fulda gegen die Gründung der örtlichen AfD-Jugendorganisation „
Generation Deutschland“ protestiert. Vereine und Gewerkschaften hatten zuvor zu Demonstrationen aufgerufen. Auch die
katholische Kirche mischte mit.Begleitet von Protesten ist der hessische Landesverband der AfD-Jugendorganisation „
Generation Deutschland“ (GD) in
Fulda zu seiner Gründungsversammlung zusammengetreten. Vor dem Bürgerhaus im Stadtteil
Johannesberg, in dem sich die
AfD-Jugend versammelte, demonstrierten nach Polizeiangaben rund 1100 Menschen gegen die Partei. Der Verein „
Fulda stellt sich quer“, der mit anderen Organisationen einen Demonstrationszug und ein „Demokratiefest“ in der Nähe des Bürgerhauses
Johannesberg auf die Beine gestellt hatte, sprach von rund 1.800 Teilnehmern.Die
Polizei nahm auf dem Straßenfest einen Störer vor der Bühne fest. Der Mann sei von den Organisatoren der Demonstration von der Versammlung ausgeschlossen worden, und die
Polizei habe diesen Schritt unterstützt, berichtete ein Polizeisprecher. Der Mann habe Widerstand geleistet und sei festgenommen worden. Dabei sei ein Beamter leicht verletzt worden. Auf X machten am Samstag Aufnahmen der Festnahme die Runde. Demnach soll es sich um einen rechten YouTuber handeln. Zu sehen ist auch, wie mindestens eine Person aus dem Umfeld der AfD-Gegner den Livestream des YouTubers mit einem schwarzen Regenschirm blockiert.Die Gründungsversammlung des GD-Landesverbandes begann pünktlich. Anders als bei der Gründung des GD-Bundesverbands Ende November in
Gießen konnten auch die rund 50 Delegierten ungehindert anreisen. In
Gießen hatten rund 25.000 Menschen gegen die Gründungsveranstaltung demonstriert, aber auch Zufahrtsstraßen zum Messegelände blockiert und Polizisten angegriffen.Vor Beginn des „Demokratiefestes“ hatte der katholische Fuldaer Bischof
Michael Gerber am Samstagmorgen noch die Demo-Teilnehmer aus den katholischen Jugendverbänden gesegnet. „Ich bin dankbar, dass junge Menschen heute Verantwortung übernehmen – friedlich, sichtbar und gemeinsam“, sagte der Bischof laut Pressemitteilung.Bischof mahnt zur „Kultur des Respekts“Er dankte den Teilnehmern zudem für ihren Einsatz für Demokratie, Menschenwürde, Erinnerungskultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das von dem Verein „
Fulda stellt sich quer“ veranstaltete Demokratiefest richtete sich explizit gegen die Gründung des hessischen Landesverbands der
AfD-Jugend „
Generation Deutschland“. Zur Teilnahme aufgerufen hatten neben katholischen Jugendverbänden unter anderen auch der evangelische Fuldaer Dekan Thorsten Waap, der DGB Hessen-Thüringen, der Paritätische Hessen, der Landesausländerbeirat und der Landesfrauenrat Hessen.Lesen Sie auch„Als Christinnen und Christen wissen wir: Maßstab unseres Handelns ist immer der konkrete Mensch in seiner unantastbaren Würde“, so Bischof Gerber in seinem Grußwort weiter. „Wo Menschen herabgesetzt, ausgegrenzt oder gegeneinander ausgespielt werden, dürfen wir nicht gleichgültig bleiben.“ Christen müssten früh und klar für Demokratie, Menschenwürde, Religionsfreiheit und die freiheitliche Ordnung eintreten, betonte der Bischof. Entscheidend sei, wie eine tragfähige Kultur des Respekts, des Zuhörens und des demokratischen Miteinanders gestärkt werde.
Polizei mit Großaufgebot vor OrtDie
Polizei hatte sich nach Angaben des hessischen Innenministers Roman Poseck (CDU) auf die Proteste eingestellt und war mit einem Großaufgebot vor Ort. Bereits ab 10 Uhr formierte sich zunächst ein Demonstrationszug in
Fulda, um 10.30 Uhr startete das sogenannte „Demokratiefest“ vor dem Bürgerhaus im Stadtteil
Johannesberg, um 11 Uhr begann die AfD-Tagung.Dort forderte der GD-Bundesvorsitzende Jean-Pascal Hohm die hessische
AfD-Jugend in seiner Eröffnungsrede dazu auf, „Innovationsmotor“ innerhalb der Partei zu sein. Zum Landeschef der neuen Organisation gewählt wurde der Ingenieur Nafiur Rahman.Der hessische Co-Landessprecher Robert Lambrou gab den Delegierten als Auftrag mit auf den Weg, Ansprechpartner der jungen Leute sein. Laut Hohm zählt die GD bundesweit aktuell knapp 2600 Mitglieder. Hessen ist der 15. Jugendverband, den die AfD gründet. Als letztes Bundesland fehle noch Baden-Württemberg.Die GD folgt der aufgelösten Jungen Alternative (JA), die vom Verfassungsschutz als erwiesen rechtsextremistisch eingestuft worden war. Aus Sicht der Bundesregierung ist bei der GD keine Mäßigung gegenüber der aufgelösten Vorgängerorganisation zu erkennen. Anders als die JA ist die neue Jugendorganisation vollständig in die AfD eingebunden. Die JA hatte sich im Frühjahr 2025 aufgelöst, nachdem sich die AfD von ihr getrennt hatte.epd/dpa/krott/sebe