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SUN · 2026-03-29 · 16:00 GMTBRIEF NSR-2026-0329-42175
News/Der Papst kritisiert den Iran-Krieg, aber nicht Donald Trump
NSR-2026-0329-42175News Report·DE·Conflict

Der Papst kritisiert den Iran-Krieg, aber nicht Donald Trump

Der Papst und andere Vatikanvertreter kritisieren den Iran-Krieg, der von den USA und Israel begonnen wurde, und dessen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Insbesondere wird die Fixierung auf Waffengewalt bemängelt.

Christoph StrackDeutsche Welle (DE)Filed 2026-03-29 · 16:00 GMTLean · CenterRead · 4 min
Der Papst kritisiert den Iran-Krieg, aber nicht Donald Trump
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Der Papst und andere Vatikanvertreter kritisieren den Iran-Krieg, der von den USA und Israel begonnen wurde, und dessen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Insbesondere wird die Fixierung auf Waffengewalt bemängelt. Der Fokus liegt auf dem Leid der Opfer, wie beispielsweise dem Angriff auf eine Mädchenschule im Iran. Der Papst vermeidet es jedoch, Präsident Trump oder die beteiligten Länder namentlich zu nennen. Stattdessen betont er die Notwendigkeit von Frieden und Dialog, zuletzt in mehreren Äußerungen Ende März, in denen er seine Bestürzung über die Lage im Nahen Osten und die zivile Nutzung von Flugzeugen für militärische Zwecke ansprach. Der Vatikan unterstreicht seine Position durch mediale Darstellung des Leids der Betroffenen.

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Bombardments from the air should actually be prohibited.

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The Pope spoke of his "dismay" about the situation in the Middle East.

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The Pope criticizes the Iran war, its impact on civilians, and the focus on armed violence.

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US rockets reportedly hit a girls' school in Minab, southern Iran, killing over 160 people.

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The US is now considered responsible for the shelling.

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Mal ist es Papst Leo XIV. selbst, mal die Nummer zwei des Vatikan, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Und ab und an stimmen auch Kardinäle aus den USA oder Europa mit ein. Sie kritisieren den von den USA und Israel begonnenen Iran-Krieg, dessen Folgen für die Zivilbevölkerung, die Fixierung auf Waffengewalt. Der aus den USA stammende Papst steht gegen den Kurs der Vereinigten Staaten. Erneut, wie auch schon beim Umgang mit Migranten. Aber den Namen des Präsidenten nennt er bei all seinen Worten nicht. Und bei aller Kritik am Krieg nennt er nicht die Länder, die Ende Februar den aktuellen Waffengang gestartet haben. Medial macht der Vatikan seine Sicht auf die Opfer sehr deutlich. In den ersten Stunden des Krieges hatten laut Medienberichten US-Raketen eine Mädchenschule im südiranischen Minab getroffen und über 160 Menschen, ganz überwiegend Schulkinder, getötet. Mittlerweile gilt die Verantwortung der USA für den Beschuss als gesichert. Luftaufnahme aus der südiranischen Stadt Minab: Bagger heben Gräber für die Opfer eines Raketenangriffs ausBild: Iranian Foreign Media Department/WANA/REUTERSEinige Tage später prägte ein großformatiges Foto die Titelseite der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" unter der Zeile "Il volto della guerra" (Das Gesicht des Krieges). Die Luftaufnahme zeigt Bagger, die reihenweise Gräber ausheben, und trauernde Menschen am Rande. Es ist der Blick auf die Opfer, nicht auf die Akteure. Das ähnelt dem Kurs des Papstes. Zuletzt kamen drei kritische Anmerkungen von Leo binnen drei Tagen. Beim Mittagsgebet am Sonntag (22.3.) sprach der Papst von seiner "Bestürzung" über die Lage im Nahen Osten und in anderen Regionen der Welt und nannte das Leid vieler "wehrloser Opfer" einen "Skandal für die gesamte Menschheitsfamilie". Anderntags, am Montag, kam er bei einer Audienz für die italienische Fluggesellschaft ITA plötzlich von der zivilen auf die militärische Nutzung von Flugzeugen. Sie sollten niemals Träger des Krieges sein. Bombardierungen aus der Luft müssten eigentlich verboten werden. Am Dienstagabend klagte er ein weiteres Mal. Es gelte, "für den Frieden zu arbeiten, aber nicht mit Waffen", sagte der Papst nach seinem Ruhetag in Castel Gandolfo vor wenigen Journalisten. Die Gewalt in der Welt werde immer schlimmer, es gebe so viele Tote. Vergleichbare Äußerungen, die das Leid vieler Menschen beklagten und zum Dialog aufforderten, finden sich seit Beginn des Krieges Ende Februar. "Sie waren häufig und eindeutig", sagt Massimo Faggioli, Professor für historische und zeitgenössische Theologie am Fachbereich Religion des Trinity College Dublin, der DW. Andererseits blieben die Äußerungen "stets indirekt" und würden jene nie ausdrücklich nennen, die die Bombenangriffe verübten oder anordneten. Der italienisch-amerikanische Theologe Faggioli, der bald nach Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump 2025 mit seiner Familie aus den USA nach Irland zog, verweist auf den anderen Kurs, den Papst Franziskus (2013-2025) gewählt habe. Dieser habe im September 2013, vor dem möglichen Beginn einer Militäraktion des damaligen US-Präsidenten Barack Obama in Syrien, eigens zu einer Gebetswache auf dem Petersplatz aufgerufen. Unter Papst Leo habe es in der Sache bislang keine Änderung im päpstlichen Terminkalender gegeben. Es sei kein "starkes Signal" erkennbar. Dabei äußerten sich seit Anfang März mehrere prominente Kardinäle in den USA und in Europa weitaus deutlicher als der Papst und sprachen dem Iran-Krieg jede völkerrechtliche Legitimation ab. "Wenn das Prinzip der Souveränität eines Staates nicht mehr geachtet wird, können wir jede Entschuldigung erfinden, um einen Krieg zu beginnen", sagte Chicagos Kardinal Blase Cupich kurz nach den ersten Angriffen auf Teheran. Und auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx sprach von einem "illegitimen Krieg", der nicht zu akzeptieren sei. Dabei zeigt sich, dass Katholiken in den USA, die bei den Präsidentschaftswahlen im Herbst 2024 etwas überdurchschnittlich Trump gewählt hatten, auf Distanz zu dessen Kurs gehen. Das gilt nicht nur für jene Kräfte innerhalb der US-Kirche, die eher den Demokraten nahestehen und beispielsweise das harte Vorgehen gegen Migranten, die abgeschoben werden sollten, kritisierten. Einen Tag nach der Wahl von Papst Leo XIV. (Bildmitte) besuchten US-Vizepräsident JD Vance (links) und Außenminister Marco Rubio (rechts) mit ihren Ehefrauen das Kirchenoberhaupt - beide Politiker sind katholischBild: Alessia Giuliani/Catholicpressphoto/IMAGOLaut US-Medien werden nun auch sehr konservative Katholiken kritischer, die sich eigentlich der MAGA-Bewegung Trumps verbunden fühlten. Das mag vor allem für zwei Spitzenkräfte im System Trump problematisch werden, die - anders als der Präsident - selbst katholisch sind. Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio eilten gleich nach der Wahl des US-Amerikaners Robert Prevost zum Papst in den Vatikan und suchten damals dessen Nähe. Bislang hatten sie in konservativen Kirchenkreisen Rückhalt, der aber bei Vance nun bröckelt, wie Umfragen zeigen. "Beide Trump-Vertraute sind katholisch, haben bisher aber nicht auf Äußerungen von Bischöfen und des Vatikans reagiert", sagt Benjamin Dahlke der DW. Denn bislang falle die Kritik "nicht sehr deutlich aus" und es fehle auch an ausformulierten Ideen. Dahlke, Theologie-Professor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, befasst sich wie kaum ein anderer deutscher Theologe mit den USA und ist seit Monaten wegen eines Buchprojekts an der katholischen Notre-Dame-Universität im US-Bundesstaat Indiana, einer der angesehensten Universitäten des Landes. Nach seinem Eindruck wird die Position des Vatikans in den USA meist nicht als kritisch gegenüber der Trump-Administration wahrgenommen. Dafür fehle es "bislang an Deutlichkeit". Er ist US-Amerikaner: Im Dezember 2025 bekam Papst Leo XIV., der 267. Papst der Kirchengeschichte, von US-Besuchern einer Audienz ein Baseball-Trikot und einen Schläger überreicht Bild: Vatican Media/CPP/ZUMA/IMAGOFür den Theologen Massimo Faggioli kann der bisherige Kurs von Papst Leo mit vielen einzelnen Äußerungen, die aber letztlich allgemein gehalten sind, schwieriger werden. Der von den USA und Israel begonnene Krieg "zieht die Religion und die Kirche direkt in den Konflikt hinein", sagt er. Das könne eine deutlichere Sprache des Kirchenoberhaupts erforderlich machen. Ansonsten, so der Theologe, erwarte er "ein Problem für die Glaubwürdigkeit des Papstes in Ländern, die diesen Krieg anders sehen als wir in Amerika und Europa". Vom Palmsonntag bis zum Osterfest gibt es mehrere öffentliche Auftritte des Kirchenoberhaupts. Spätestens am Ostersonntag werden Millionen Menschen den Worten des Papstes lauschen, wenn sein feierlicher Segen "Urbi et Orbi" in viele Teilen der Welt live übertragen wird.
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