PfadnavigationHomePolitikAuslandEklat in JerusalemIsrael lässt Kardinal nicht in die
Grabeskirche – Laschet spricht von „reiner Schikane“Stand: 17:42 UhrLesedauer: 3 MinutenKardinal
Pierbattista Pizzaballa an diesem Sonntag in
Jerusalem Quelle: AFP/AMMAR AWADDie israelische Polizei hat Patriarch Kardinal
Pierbattista Pizzaballa daran gehindert, die
Grabeskirche zu betreten. Erstmals seit Jahrhunderten musste die Palmsonntagsmesse damit ohne den Patriarchen stattfinden. Politiker in
Italien und
Deutschland reagieren empört.
Israel hat die beiden wichtigsten katholischen Vertreter des Heiligen Landes daran gehindert, die
Grabeskirche in
Jerusalem zu betreten. Israelische Polizisten hielten den Lateinischen Patriarchen, Kardinal
Pierbattista Pizzaballa, und Franziskanerkustos
Francesco Ielpo am Sonntag von der Teilnahme der Palmsonntagsmesse ab, und das in dem wichtigsten Gotteshaus der Christenheit, wie das Patriarchat und die Kustodie gemeinsam mitteilten.Sie sprachen von einem „schwerwiegenden Präzedenzfall“, der die Gefühle von Milliarden Menschen verletze, die in der Kar- und Osterwoche ihren Blick auf
Jerusalem richteten. Nach Kirchenangaben ist es das erste Mal seit Jahrhunderten, dass die Kirchenoberhäupter an der Feier des Palmsonntagsgottesdienstes in der
Grabeskirche gehindert wurden. Pizzaballa und Ielpo seien auf dem Weg angehalten und zur Umkehr gezwungen worden, „obwohl sie sich privat und ohne jegliche Merkmale einer Prozession oder eines zeremoniellen Aktes bewegten“. Es handele sich um „eine unangemessene und grob unverhältnismäßige Maßnahme“, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Kirchenführer sich seit Kriegsbeginn an alle auferlegten kriegsbedingten Einschränkungen gehalten hätten, heißt es in der Stellungnahme. Lesen Sie auchAugenzeugen berichteten, dass die Polizei seit den Morgenstunden Barrieren an der Altstadt errichtet hatten, offensichtlich in dem Bemühen, Gläubige davon abzuhalten, zu den heiligen Stätten zu gelangen.Die israelische Polizei betonte in einer Mitteilung, dass alle heiligen Stätten in der Altstadt von
Jerusalem aus Sicherheitsgründen wegen des
Iran-Kriegs derzeit geschlossen seien – vor allem solche, die „nicht über standardmäßige Schutzräume verfügen, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten“. Eine Anfrage von Pizzaballa sei am Vortag geprüft und ihr in Übereinstimmung mit den Schutzmaßnahmen des Zivilschutzes nicht stattgegeben worden.Das Gebiet in der Altstadt sei bei Notfällen schwer für Rettungskräfte zu erreichen, was ein „reales Risiko für Menschenleben“ darstelle. Die Religionsfreiheit bleibe dennoch weiterhin gewahrt, jedoch unter den notwendigen Einschränkungen, hieß es von der Polizei weiter.
Italien bestellt israelischen Botschafter einKritik an der Zurückweisung in
Jerusalem kam von der italienischen Regierung. Regierungschefin Giorgia Meloni erklärte, das Vorgehen der Polizei sei „eine Beleidigung nicht nur für die Gläubigen, sondern für jede Gemeinschaft, die die Religionsfreiheit anerkennt“. Italiens Außenminister Antonio Tajani schrieb auf X, er habe den israelischen Botschafter in Rom einbestellt. Das Gespräch sei für Montag geplant.Auch in
Deutschland löste der Vorfall Empörung aus. CDU-Außenpolitiker Armin Laschet schrieb auf X,
Deutschland stehe bei jeder Bedrohung an der Seite Israels. „Aber dem Kardinal den Zugang zur heiligsten Stätte der Christenheit zu verweigern, ist inakzeptabel. Dies ist reine Schikane ohne jedes Gespür und ohne jeden Verstand.“„Ein schlimmer Verstoß“ kommentierte auch der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel (CDU), den ungewöhnlichen Vorgang in einem Post auf X. Bisher gab es keinen Kommentar der israelischen Polizei zu dem Vorfall. Begründet werden könnte er allerdings mit Sicherheitsvorkehrungen. Seit Beginn des
Iran-Krieges am 28. Februar haben die israelischen Behörden aber größere Versammlungen untersagt, auch in Kirchen und Moscheen. Zu Wochenbeginn hatten die Kirchen deshalb auch mitgeteilt, dass die traditionelle Palmprozession über den Ölberg zur Jerusalemer Altstadt kriegsbedingt nicht stattfinden werde. Statt der Prozession, an der üblicherweise tausende einheimische und ausländische Christen teilnehmen, soll es einen Gebetsmoment für
Jerusalem geben.Die Liturgien der Kar- und Ostertage in der
Grabeskirche sollen dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit von den in dem Gotteshaus lebenden Ordensgemeinschaften gefeiert werden.dpa/KNA/krott/sebe