Krieg im Nahen Osten Die Nerven vieler Menschen in
Israel liegen blank Stand: 30.03.2026 • 04:41 Uhr Um
Iran zu unterstützen, ist nun auch die
Huthi-Miliz aus dem Jemen in den Krieg eingestiegen. Die neue Front bedeutet für die Menschen in
Israel: Raketen aus einer weiteren Richtung. Viele im Land sind erschöpft. Immer wieder warnen Sirenen die Menschen in
Israel vor Raketenangriffen aus dem
Iran, aus dem Libanon und seit dem Wochenende auch aus dem Jemen. Erstmals seit Beginn des Krieges vor einem Monat hat die pro-iranische Rebellengruppe
Huthi eine Raketensalve auf den Süden Israels abgefeuert, die abgefangen wurde.
Eynav aus
Tel Aviv hat keinen eigenen Schutzraum. Vielen in
Tel Aviv, die in älteren Gebäuden wohnen, geht das so. Einige quartieren sich vor allem nachts in öffentlichen Bunkern auf der Straße ein. "Ein Raketenteil ist in meiner Straße eingeschlagen." Er sei währendessen in einem Bunker, gewesen - als er rauskam, habe er Polizei gesehen. "Mein Neffe ist 8 Jahre alt und er hat richtig Angst. Im Krieg mit dem
Iran im vergangenen Jahr ist eine Rakete in der Nähe seines Hauses eingeschlagen", erzählt
Eynav. Seine Familie habe ihre Wohnung für zwei Wochen verlassen müssen. "Ich habe zu Hause keinen Schutzraum. Die Nachbarn im Haus gegenüber lassen für mich die Tür offen, damit ich in ihren Bunker kann." Sie sei erschöpft durch den Schlafmangel. Jedes Mal, wenn das Handy vor einer Rakete warnt, muss sie über die Straße rennen, Tag und Nacht, erzählt die junge Frau. Dass nun auch die
Huthi auf
Israel schießen, wie im vergangenen Jahr, dürfte weiter an den Nerven zehren.
Inbal Nissim-Louvton vom
Regional Thinking Forum, einem israelischen Think Tank, ist auf die pro-iranische Rebellengruppe spezialisiert. "Die
Huthi werden ihre Angriffe stufenweise verschärfen. Ich denke, dass sie sich jetzt aber eher zurückhalten, weil sie wissen, was ihnen Vergeltung aus
Israel droht." Sie würden sich eher symbolisch beteiligen, Nissim-Louvton. "So war es auch im vergangenen Jahr beim 12-Tage-Krieg mit dem
Iran." Von Deeskalation ist derzeit in
Israel keine Spur. Trotz der Ankündigung von Gesprächen zwischen den USA, Vermittlerstaaten und dem
Iran verschärft sich der Ton der israelischen Regierung. Im Südlibanon rückt die israelische Armee weiter vor. Israels Verteidigungsminister
Katz kündigte eine von
Israel kontrollierte Sicherheitszone bis zum Litani-Fluss im Süd-Libanon an. Fast stündlich feuert die Terrormiliz
Hisbollah Raketen auf israelische Grenzgemeinden ab. Israels Premier Netanjahu erhöhte den Druck am Sonntag noch einmal: "Im Libanon habe ich unsere Truppen angewiesen die Pufferzone weiter auszudehnen, damit Terroristen nicht über die Grenze kommen und keine Panzerabwehrraketen auf uns abfeuern können." Er spricht von Erfolgen, das Regime in Teheran sei geschwächt. "Der
Iran ist nicht mehr derselbe
Iran, die
Hisbollah ist nicht mehr dieselbe
Hisbollah und die Hamas nicht mehr dieselbe Hamas." Gerne spricht Netanjahu von Sieg und Erfolgen. Doch viele Menschen in
Israel fragen sich, was das für sie bedeutet, wenn die Angriffe auf beiden Seiten weiter zunehmen. Auch
Eynav aus
Tel Aviv glaubt nicht an Friedensgespräche: "Die Regierung interessiert sich nicht für uns. Und wir uns nicht für sie. Ihnen ist unser Leben egal." Im letzten Krieg mit dem
Iran habe eine meiner besten Freundinnen
Israel verlassen. "Sie lebt jetzt in Berlin. Viele meiner Freunde reden darüber von hier wegzugehen", sagt
Eynav ärgerlich. Einige sind resigniert, schalten Radio und Fernsehen aus. Gerda Ungar, die vor langer Zeit aus Deutschland nach
Israel kam, trinkt gerade einen Kaffee. Sie schaut nicht mehr aufs Handy, um den Raketenalarm mitzubekommen, erzählt die alte Dame. Sie ist 96 Jahre alt: "Jetzt wissen Sie, warum ich keine Angst habe. Ich bleibe im Bett mit meiner schönen Decke überm Kopf. Mein Telefon bleibt eingepackt in der Nacht. Es soll mich nicht wecken. Ich kann das schon nicht mehr. Man lebt nur einmal."