faq Stand: 31.03.2026 • 21:10 Uhr In
Hamburg hat ein
Wolf mitten in der Stadt eine Frau gebissen. Seit der Wiederansiedlung des Wolfs in Deutschland ist das der erste dokumentierte Angriff auf einen Menschen. Was bisher zu dem Zwischenfall bekannt ist. In einer Einkaufspassage an der Großen Bergstraße im Hamburger Bezirk
Altona ist eine Frau von einem
Wolf gebissen worden. Das Tier war in der mit gläsernen Automatiktüren gesicherten Passage gefangen. Bei dem Versuch es zu befreien, wurde die Frau von dem
Wolf gebissen. Ein Rettungswagen brachte die Verletzte nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa zur ambulanten Behandlung in eine Hamburger Klinik. Diese konnte sie noch am Abend wieder verlassen. Welche Verletzungen die Frau erlitt, ist nicht bekannt. Der
Wolf indes lief nach dem Biss offenbar Richtung Hamburger Innenstadt. Zwischen den Eingängen dieser Hamburger Einkaufspassage hatte sich der
Wolf verirrt. Passanten beobachteten das Tier an der knapp vier Kilometer von der Einkaufspassage entfernten Hamburger Binnenalster. Dort konnten Polizisten den
Wolf am späten Montagabend mit einer Schlinge aus dem Wasser ziehen. Anschließend wurde das Tier abtransportiert und in einem Wildgehege im Westen Hamburgs untergebracht. Vor dem Angriff auf die Frau war der
Wolf nach Angaben von Umweltsenatorin
Katharina Fegebank (Grüne) bereits in einen Supermarkt eingedrungen. Früheren Angaben der Umweltbehörde zufolge hatten mehrere Menschen bereits am Wochenende einen
Wolf in den westlichen Elbvororten gesichtet: nahe der Elbe in Blankenese, in Nienstedten und in der Näher des S-Bahnhofs Othmarschen. Es soll sich um das selbe Tier gehandelt haben, das jetzt die Frau gebissen hat. Nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz war es der erste Wolfsangriff auf einen Menschen, seit sich die Tiere wieder in Deutschland ausgebreitet haben. "Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998", sagte eine Sprecherin des Bundesamts der dpa. "Es hat extrem selten im geografischen Europa Angriffe auf Menschen gegeben", sagt Frank Faß, Betreiber des Wolfcenters
Dörverden bei Verden (Aller). So gebe es Studien, wonach zwischen 1950 und 2020 in dem gesamten Gebiet 127 Übergriffe verzeichnet wurden. "107 davon gehen auf Tollwut, kranke Wölfe zurück", berichtet er. Besonders tragisch seien die Übergriffe Ende der 1960er-/Anfang der 1970er-Jahre auf Kinder in Nordwestspanien gewesen, vier seien gestorben. Wölfe gelten als scheu und weichen Menschen gemeinhin aus. Warum das Tier sich mitten in der Stadt aufhielt, ist noch unklar. Es soll jedoch ein recht junges Tier sein. "Nach Experteneinschätzung handelt es sich bei dem Tier höchstwahrscheinlich um einen Welpen in der Abwanderungsphase von seinem Rudel", erklärte die Umweltbehörde. In dieser Phase legten die Tiere meist weite Strecken zurück. Auf der Suche nach einem eigenen Revier sei der
Wolf wohl "versehentlich so weit in das Stadtgebiet gelaufen", dass er nun nach einem Weg aus der Stadt gesucht habe. In Städten fühlen Wölfe sich laut dem Experten Faß generell nicht wohl, es sei trotz steigender Population nicht damit zu rechnen, dass sie vermehrt in dicht besiedelten Gebieten auftauchten. Dennoch werden immer wieder Wölfe am Rande von Städten gesehen, so im vergangenen Jahr in Hannover. Wegen der hohen Wolfsdichte in Niedersachsen ziehen Tiere auch in Stadtnähe. Der Experte Faß warnt eindringlich vor Kontakt mit dem Raubtier. "Das Beste ist, man geht da weg von dem Tier", sagte er vor dem Hintergrund des Hamburger Vorfalls. "Die Frage ist, was ist der Kontext?" Der
Wolf sei sicher nicht in aggressiver Haltung unterwegs gewesen. Auch Senatorin Fegebank spricht von einer "sehr überraschenden Verhaltensänderung" des Wolfes von
Hamburg. Eine aktive Treibjagd auf das Tier mitten in der Stadt wäre ein unkalkulierbares Risiko gewesen, so
Die Grünen-Politikerin. Es hätte zu Unfällen oder Panikreaktionen kommen können. Im Zeitraum 2024/25 gab es laut Wolfsmonitoring in Deutschland in 282 Wolfsterritorien 219 Rudel, 48 Paare und 15 Einzeltiere. Angriffe von Wölfen auf Viehherden und Risse von Weidetieren kommen immer wieder vor. Auch aus dem Grund ist in den vergangenen Jahren die Forderung nach einer Eindämmung des Wolfbestands laut geworden. Unter anderem Landwirte setzen sich für den vermehrten Abschuss von Wölfen ein. Allein im südlich von
Hamburg gelegenen Niedersachsen, wo mit 63 Rudeln die meisten Wölfe leben, soll es in den vergangenen zwölf Monaten bei etwa 200 Übergriffen von Wölfen mehr als 1.000 verletzte und getötete Weidetiere gegeben haben. Insgesamt haben die Angriffe seit 2012 rasant zugenommen. "Meist gibt es ein bis vier tote Schafe. Dass es zu einer Kettenreaktion kommt, hat eher Seltenheitswert", sagt Wolfgang Ehrecke, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Der Abschuss von sogenannten Problemwölfen soll mit der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht in Kürze erleichtert werden, der Bundesrat hatte vor Kurzem ein entsprechendes Gesetz gebilligt. Ein Abschuss wäre demnach möglich, wenn die Raubtiere Zäune etwa überwunden und Schafe gerissen haben. "Der
Wolf ist immer noch eine geschützte Tierart, wer glaubt, wir sind im Wilden Westen angelangt, der liegt falsch", sagt Wolfsexperte Faß. Er hofft, dass mit der neuen Regelung die Streitigkeiten vor Gericht abnehmen. Seit dem Jahr 2016 wurden in Niedersachsen mindestens acht Wölfe per Ausnahmegenehmigung erschossen. Ein präventiver Abschuss eines streng geschützten Tieres ist laut Bundesnaturschutzgesetz nicht erlaubt, betonte Umweltsenatorin Fegebank. Auf einer Pressekonferenz hat Hamburgs Umweltsenatorin Fegebank auf die grundsätzliche Gefährlichkeit des Tieres hingewiesen. Man frage sich: "Er hat das einmal getan, tut er das wieder?" Vorstellbar sei eine Situation, in der der
Wolf auf einen Schulhof oder in eine Kita hinein laufe. "Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen würde", sagte Fegebank. "Wölfe sind Raubtiere." Nach einem kurzen Aufenthalt im Wildgehege Klövensteen wurde der
Wolf in eine Wildtierauffangstation in Niedersachsen gebracht. Dort habe er ein "neues vorläufiges Zuhause" gefunden, sagte ein Sprecher der Hamburger Umweltbehörde der Nachrichtenagentur dpa. "In Absprache mit Tierschutzexpertinnen und -experten wurde entschieden, dass der
Wolf vorläufig in einer Wildtierauffangstation in Niedersachsen unterkommt." Um welche Station es sich handelt, sagte er nicht. Es sei auch nicht klar, ob der
Wolf dort dauerhaft bleiben könne. Der Deutsche Jagdverband (DJV) forderte nach dem Vorfall "ein effektives Wolfsmanagement". "Der Angriff zeigt in aller Deutlichkeit, dass der
Wolf ein Wildtier ist - und bleiben muss", erklärte Verbandspräsident Helmut Dammann-Tamke. "Ein kontrolliertes Bestandsmanagement ist unerlässlich, um Konflikte zwischen Mensch,
Wolf und Weidetier zu minimieren." Die Bundesländer müssten nun die Vorgaben des Jagdrechts umsetzen. Dammann-Tamke forderte, das Tier von
Hamburg einzuschläfern oder mit einem Sender auszuwildern. "Die Verantwortung liegt jetzt bei der Politik, zu entscheiden, was passiert", sagte er der Bild-Zeitung. Die oppositionelle CDU-Bürgerschaftsfraktion forderte, Wölfe unverzüglich in das Hamburger Jagdrecht aufzunehmen. Einen dementsprechenden Antrag der CDU hätten SPD und Grüne in der Bürgerschaft abgelehnt. Völlig unverständlich sei auch, dass
Hamburg am vergangenen Freitag im Bundesrat bei der Abstimmung über die Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz seine Zustimmung verweigert habe.