PfadnavigationHomePolitikDeutschlandSPD in der KriseAls der Juso-Chef sein „Gerechtigkeitsprogramm“ vorstellt, ist
Markus Lanz irritiertStand: 08:06 UhrLesedauer: 4 MinutenModerator
Markus Lanz und Juso-Chef Philipp TürmerQuelle: Screenshot Welt/ZDFBei „
Markus Lanz“ vergleicht Juso-Chef Türmer die
SPD mit dem Buckelwal, der durch die
Ostsee irrt. Streit gibt es dann beim Thema Steuern.
CDU-Politiker
Johannes Volkmann warnt vor der Deindustrialisierung.Die Krise in Nahost und der Niedergang der
SPD waren die zentralen Themen von
Markus Lanz am Dienstagabend. Zu den Gästen gehörten der
CDU-Politiker
Johannes Volkmann und der Juso-Vorsitzende
Philipp Türmer sowie CNN-Korrespondent
Frederik Pleitgen und
Juliane Schäuble, US-Korrespondentin der „Zeit“.Pleitgen schilderte seine Erfahrungen im
Iran nach Beginn der militärischen Eskalation. Übertragen auf die aktuelle Lage betonte der Journalist, dass der
Iran sich bereits im Vorteil sehen kann, solange er handlungsfähig bleibt: „Solange die noch an der Macht sind, solange die noch Raketen und Drohnen schießen können, sehen die sich auf der Gewinnerstraße.“Die Frage bei
Markus Lanz: Können die USA den
Iran-Krieg gewinnen?Er argumentierte weiter, dass militärische Überlegenheit allein keinen Sieg garantiere. Anhand von Konflikten wie dem Vietnamkrieg, dem Irakkrieg und dem Afghanistankrieg zeigte er, dass oft die Seite gewinnt, die den längeren Atem hat. Die Iraner können zudem „enormen Druck auf die Golfregion ausüben, dadurch, dass sie die
Meerenge von Hormus im Würgegriff haben“.+++ Alle Entwicklungen zum
Iran-Krieg im Liveticker +++
Frederik Pleitgen machte deutlich, dass der militärische Schutz von Tankern in der Straße von Hormus äußerst schwierig und riskant sei. „Kriegsschiffe sind dafür da, auf dem offenen Meer auf Distanz eine Wirkung zu entfalten – sobald sie in so einer Meerenge drin sind, ist das saugefährlich.“ Vom iranischen Festland aus seien sie gut sichtbar und damit auch leicht angreifbar.Lesen Sie auchLanz wandte sich der deutschen Debatte zum
Iran-Krieg zu und fragte
CDU-Politiker
Johannes Volkmann, ob dieser Krieg völkerrechtskonform sei. Der Bundestagsabgeordnete vertrat die Meinung, dass es nicht in unserem Interesse sein könne, „dass wir dem iranischen Regime zugestehen, die Weltgemeinschaft mit der Straße von Hormus zu erpressen, damit sie quasi eine Schlinge um die Weltwirtschaft haben“. Lanz blieb hartnäckig und wollte eine konkrete Antwort auf seine Frage. Volkmann erklärte, dass er rechtlich nicht abschließend beurteilen könne, ob militärische Aktionen gegen den
Iran völkerrechtlich zulässig seien – Experten seien hier geteilter Meinung. „Entscheidender als diese Frage aus meiner Sicht ist, wie wir dafür sorgen, dass die Auswirkungen dieses Krieges auf uns und auf die Weltgemeinschaft möglichst gering sind.“„Meiner Ansicht nach ist dieser Krieg klar völkerrechtswidrig, und es ist im Interesse der Bundesrepublik Deutschland, dass man sich an das Völkerrecht hält“, sagte der Juso-Vorsitzende Türmer. Zwar könne man argumentieren, militärische Aktionen könnten Diktaturen unter Druck setzen, etwa zur Befreiung unterdrückter Bevölkerungen führen. Doch er sieht dies im aktuellen Fall nicht erfüllt. Die erklärten Ziele – „dass man die iranische Bevölkerung befreit“ – würden nicht erreicht und seien möglicherweise „nur ein vorgeschobenes Ziel“. Deshalb sei der Konflikt in keiner Weise im deutschen Interesse.
Philipp Türmer bei „Lanz“: „Im Moment gucken ja viele auf diesen Wal in der
Ostsee“Lanz sprach dann über die beiden verlorenen Landtagswahlen der
SPD und fragte den Juso-Vorsitzenden: Was ist los bei den Sozialdemokraten?„Im Moment gucken ja viele auf diesen Wal in der
Ostsee“, führte Türmer aus und sagte: „Manchmal erinnert meine Partei mich etwas an diesen Wal – wir machen einen Fehler nach dem anderen und lernen aber nicht daraus.“Er forderte eine Neuausrichtung der
SPD. Seiner Ansicht nach hat die Partei in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einen großen Fehler gemacht: „Sie haben es irgendwie versucht, allen recht zu machen. Also immer Kompromisse, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Gerechtigkeit gepredigt, aber es immer versäumt zu sagen: Was ist denn unsere Vision?“Lanz wollte von dem Vertreter des linken
SPD-Flügels wissen, mit wem er sich denn gerne mal richtig anlegen würde. Seine Antwort: „die Superreichen“. Es gebe eine „Adelskaste von Superreichen, die völlig abgelöst ist von der Realität und deren Geschäftsmodell darauf beruht, die breite Mehrheit auszubeuten“. Türmer plädierte für mehr Steuerlast bei sehr Reichen und spürbare Entlastung für die Mitte. Durchschnittsverdiener sollten steuerlich um etwa 7 Prozent entlastet werden. Dafür will Türmer den Spitzensteuersatz deutlich erhöhen. Hohe Einkommen aus Kapital sollten dabei stärker besteuert werden.„Sieben Prozent von einem ohnehin schon niedrigen Einkommen ist nicht viel Geld“, sagte Lanz. Was hat der Staat davon? Das wären „Umverteilungseffekte von den sehr Reichen zu den ganz normalen Menschen von ungefähr 30 bis 40 Milliarden Euro“, erklärte Türmer. „Das wäre das ambitionierteste Gerechtigkeitsprogramm, das wir in den letzten Jahrzehnten erlebt hätten.“Lesen Sie auch„Sorry, es geht doch nicht darum, dass Sie Ihre Glaubwürdigkeit als
SPD verströmen. Es geht darum, dass dieses Land endlich wieder auf die Beine kommt“, sagte Lanz, war irritiert und schockiert, dass mit 30 Milliarden Euro Deutschland „gerettet“ werden solle.Türmer erklärte, dass die Politik endlich konkrete Maßnahmen umsetzen solle, statt nur Ankündigungen zu machen. „Mir geht es darum, dass wir endlich uns nicht mehr hinter Worthülsen verstecken, sondern dass wir wirklich etwas für die arbeitenden Menschen auch einlösen.“
Johannes Volkmann kritisierte, dass die
SPD – insbesondere die Jusos – keine überzeugenden Antworten auf die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen liefere. „Wir verlieren aktuell 12.000 Industriejobs im Monat. Wir erleben eine historische Deindustrialisierung.“