Der Laufshop in der Frankfurter Innenstadt ist mehr als ein Schuhladen. Er ist auch nach 25 Jahren wöchentlich Treffpunkt für die Community. Prominente Vorläufer sind für die meisten gar nicht so bedeutsam.Die längsten beiden Kilometer seiner Karriere erlebte
Gelindo Bordin 1988 in
Seoul. Am Ende dieses Schlussspurts hatte sich sein Leben verändert. Der Italiener gewann als erster Läufer seines Heimatlandes olympisches Gold im Marathon. Von seiner Figur her wirkt der 66-Jährige noch immer gut in Schuss, der Oberkörper ist schlank, die Beine sehen drahtig aus unter der schmalen Jeans. Doch Joggen ist für den ehemaligen Weltklasseläufer heute nur noch ein selten gepflegtes Hobby. Das Knie reagiert nach einem Meniskusschaden auf die Belastung. Zudem, erklärt Bordin, „habe ich es verlernt zu racen“.Am Montagabend war er deshalb nur zum Plaudern mit dem Auto aus
Treviso nach
Hessen gekommen, als Repräsentant einer Schuhmarke, die beim wöchentlichen Sporttreff des Frankfurter Laufshops den Aktiven das Testen neuer Produkte auf der acht bis zehn Kilometer langen Runde hinunter zum Main, am Fluss entlang und wieder durch die City zurück ermöglichte. Trotz kühler Temperaturen und regnerischen Wetters standen erneut etwa 130 Läufer in den verschiedenen Tempogruppen am Start, 70 davon hatten Geliehenes an den Füßen. „Einer muss sie ja coachen“, witzelte Bordin. Der südländische Abend sollte später mit Pizza und Prosecco für alle enden.Regelmäßig sind ehemalige und aktuelle Topathleten dabei, wenn Laufshop-Besitzer
Jost Wiebelhaus zum gemeinsamen Schwitzen einlädt. Die Ironman-Größen
Patrick Lange,
Jan Frodeno oder
Sebastian Kienle posierten hier dank der Kooperationen mit ihren Ausrüstern schon für Selfies, Zehnkämpfer Niklas Kaul hielt eine Technikeinheit ab, 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann trabte auf einem Laufband im Schaufenster, während er Fragen beantwortete. In diesem Jahr, da der Laden, der seinen Sitz in den ersten eineinhalb Jahren in Bornheim hatte, 25 Jahre alt wird, soll es jeden Monat einen prominenten Gast geben.Zentrale Lage als VorteilAuch diesmal war ein Neuling in der Runde nur deshalb gekommen, weil er von Bordin eine Widmung in dessen Buch haben wollte. Für die meisten anderen spielte das bekannte Gesicht nur eine Nebenrolle. Das gemeinschaftliche Üben, oft mit dem Ziel, demnächst ein herausforderndes Rennen zu absolvieren, zählt zu den Gründen, warum sie sich Woche für Woche einfinden. So wie bei Marcel, dem die vergleichsweise junge „Community“ wichtig ist, der aber außerdem die gute Erreichbarkeit genießt, die diesen Lauftreff von denen diverser Vereine unterscheidet.„Die zentrale Lage ist natürlich ein Vorteil“, sagt auch Wiebelhaus. Der Asphalt, über den die Wege führten, stelle kein Problem dar; „die Schuhe sind heutzutage ausreichend gedämpft“. Pärchen könnten gemeinsam kommen und wieder gehen, auch wenn sie sich zwischendrin nicht in der gleichen Geschwindigkeit bewegen. Vor allem Frauen gefalle es, dass sie in der Dunkelheit nicht allein laufen müssten. Marcel schwärmt gar vom Sonnenuntergang am Wasser, der das Training, das jeweils um 19.30 Uhr beginnt, oft begleite.Von Anfang an hatte es die Runden vom Geschäft aus gegeben. Anfangs „waren wir nur mit zehn Leuten unterwegs, in erster Linie Family and Friends“, sagt Wiebelhaus. Seine Frau Daniela hatte er bei der Eröffnung des Ladens kennengelernt und war mit ihr zusammen 2002 den Marathon in Paris gelaufen. Als 2006 die Zwillingssöhne Finn und Felix auf die Welt kamen, pausierte der Lauftreff. Dann heuerte Langstreckenspezialist Florian Neuschwander als Mitarbeiter an und stellte schon im Einstellungsgespräch klar, dass er die Tradition wiederbeleben wolle. Seitdem ist der Zulauf stark angestiegen.Laufen boomt. Das bestätigen auch die Meldeergebnisse bei Veranstaltungen. „Zu meiner Zeit hatten die meisten Angst vor einem Marathon“, sagt Bordin. „Heute kann ihn jeder laufen.“ Weiteres Wachstum ist also auch beim Montagstreff nicht ausgeschlossen.