Kandidaten-Überblick Wer folgt auf
UN-Generalsekretär Guterres? Stand: 02.04.2026 • 07:19 Uhr Ende des Jahres endet die Amtszeit von
UN-Generalsekretär Guterres. Auf die Nachfolgerin oder den Nachfolger warten enorme Herausforderungen. Gestern lief eine Nominierungsfrist aus, es gibt bislang vier Kandidaten. Es wird nicht einfach für den oder die nächste im Amt des
UN-Generalsekretärs. Große Reformen stehen an - als Reaktion auf die Finanzkrise der Vereinten Nationen. Das Budget wird immer kleiner, aber die Konflikte und Kriege auf der Welt nehmen immer weiter zu. Gleichzeitig verliert die Organisation an Bedeutung, wie
Maya Ungar von der unabhängigen Denkfabrik Crisis Group schildert: "Man braucht einen Generalsekretär, der in der Lage ist mit Präsident Trump, Putin oder Xi zu verhandeln. Im Moment wird der
UN-Generalsekretär nicht mal zu Gesprächen eingeladen - ihm wird nicht mal mehr Gehör geschenkt." Die amtierende Präsidentin der
UN-Generalversammlung,
Annalena Baerbock, wünscht sich vor allem eins: Dass endlich eine Frau ins Amt gewählt wird. "Wie kann es sein, dass es in 80 Jahren noch nie eine Frau als Generalsekretärin gab, obwohl die Hälfte der Weltbevölkerung, der wir dienen sollen, Frauen und Mädchen sind?", fragte Baerbock im Februar vor dem Menschenrechtsrat in Genf. Bis zum 1. April sollten die
UN-Mitgliedsstaaten Bewerbungen für ihre Wunschkandidaten einreichen. Vier Personen sind nun offiziell im Rennen: Zwei Frauen und zwei Männer.
Michelle Bachelet war das erste weibliche Staatsoberhaupt von
Chile. Davor war sie Gesundheits- und Verteidigungsministerin. Die 74-Jährige bringt außerdem viel Erfahrung bei den Vereinten Nationen mit. Sie war bereits
UN-Hochkommissarin für Menschenrechte und hat die Frauenrechtsorganisation "
UN Woman" geleitet. Nominiert wurde Bachelet von Brasilien und Mexico. Ihr eigenes Heimatland
Chile unterstützt ihre Bewerbung nicht mehr - seit der neue rechtspopulistische Präsident
José Antonio Kast im Amt ist. "Sie wird es schwer haben, insbesondere die Trump-Regierung, die sich gerade stark gegen die aus ihrer Sicht 'woke'-Agenda der
UN sperrt, zu überzeugen, dass sie auch ihre Verbündete sein kann", sagt die Expertin Ungar. Denn als Veto-Macht im
UN-Sicherheitsrat können die USA ihre Wahl leicht blockieren.
Michelle Bachelet war von 2006 bis 2010 und von 2014 bis 2018 Präsidentin von
Chile. Danach führte sie für vier Jahre das
UN-Menschenrechtskommissariat.
Rafael Grossi ist Chef der Internationalen Atomenergieagentur IAEA. In dieser Position überwacht der 65-Jährige seit Jahren weltweit Atomprogramme und ist für nukleare Sicherheit verantwortlich. Grossi ist häufig in hochbrisante diplomatische Angelegenheiten involviert. Er engagiert sich beispielsweise stark für ein neues Atomabkommen mit Iran und hat im Ukraine-Krieg auch durch seine Warnungen dafür gesorgt, dass das AKW in Saporischschja sicher bleibt. Grossi wurde von seinem Heimatland Argentinien nominiert. "In seiner Rolle musste er mit vielen großen Playern wie USA, China und Russland sprechen, vermitteln, mit ihnen in ständigem Austausch bleiben und medial präsent sein", so Ungar. Ihr zufolge gilt Grossi als Favorit. IAEA-Chef
Rafael Grossi ist wohl der bekannteste Kandidat. Mit Diplomatie in schwierigen Konstellationen kennt er sich aus - das könnte ein Vorteil sein. Rebeca Grynspan ist Wirtschaftswissenschaftlerin und frühere Vizepräsidentin von Costa Rica. Die 70-Jährige ist Generalsekretärin der
UN-Konferenz für Handel und Entwicklung. Sie befasst sich mit globalen Wirtschaftsfragen und konzentriert sich dabei auf nachhaltige Entwicklung, Handel und den Abbau von Ungleichheiten zwischen den Ländern. Nominiert wurde sie von ihrem Heimatland Costa Rica. "Einer der wenigen entscheidenden Erfolge von noch Generalsekretär Antonio Guterres war das Getreideabkommen zu Beginn des Ukraine-Kriegs", sagt Ungar. "Dafür hat Grynspan - die daran mitgearbeitet hat - viel Anerkennung bekommen." Die Wirtschaftswissenschaftlerin Rebeca Grynspan war von 1994 bis 1998 costa-ricanische Vizepräsidentin. Später kam sie zu den
UN und machte etwa mit ihrer Mitarbeit am Getreideabkommen zu Beginn des Ukraine-Kriegs auf sich aufmerksam. Macky Sall war lange Präsident Senegals. Während seiner Amtszeit hat er vor allem den Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben und für relative politische Stabilität gesorgt. Der 64-Jährige war auch Vorsitzender der Afrikanischen Union und setzte sich auf der Weltbühne für die Interessen seines Kontinents ein. Kritik bekam Sall häufiger für autoritäre Tendenzen. Nominiert wurde er von Burundi - als einziger nicht lateinamerikanischer Kandidat. Das könnte ein Nachteil für ihn sein, meint
UN-Analystin Ungar. Traditionell rotiert das Amt des Generalsekretärs zwischen den Weltregionen, und diesmal wäre Lateinamerika an der Reihe. "Er müsste sich wirklich eine breite Unterstützung der afrikanischen Länder sichern, um ernsthafte Chancen zu haben. Die Afrikanische Union unterstützt seine Kandidatur aber nicht. Das wird es schwer für ihn machen." Der 64 Jahre alte Macky Sall war Präsident des Senegal und ist der einzige nicht lateinamerikanische Kandidat - das könnte seine Chancen schmälern. Mitte April beginnen interaktive Online-Dialoge, bei denen die Kandidatinnen und Kandidaten ihr Programm vorstellen und Fragen der
UN-Mitgliedsstaaten beantworten. Ab Juli stimmt dann der Sicherheitsrat in mehreren Runden ab - so lange, bis ein Kandidat eine Mehrheit ohne Vetostimmen erhält. Bis zu den Abstimmungen können Mitgliedsstaaten weiterhin Last-Minute-Kandidaten vorschlagen. Im letzten Schritt muss die neue Personalie noch von der Generalversammlung abgesegnet werden. Gegen Herbstbeginn dürfte ein Ergebnis feststehen.