Deutliche Kritik von
UEFA-Präsident Ceferin: Die Fußballinfrastruktur in Italien sei nicht EM-tauglich, die Ausrichtung der EM 2032 in Gefahr. Italiens Verbandschef tritt nach dem WM-Debakel zurück.
UEFA-Präsident
Aleksander Ceferin hat Italien mit Blick auf die Fußball-Europameisterschaft 2032 eindringlich zu Fortschritten bei der Stadion-Infrastruktur aufgefordert. „Die EM 2032 ist geplant und wird stattfinden“, sagte der 58-Jährige der italienischen Sportzeitung „
Gazzetta dello Sport“. Er hoffe aber, dass die Infrastruktur bereit sein wird. „Andernfalls wird das Turnier nicht in Italien gespielt“, sagte Ceferin. Dabei nahm er die Politik in die Pflicht: „Vielleicht sollten sich die italienischen Politiker fragen, warum Italien eine der schlechtesten Fußball-Infrastrukturen Europas hat“Die EM 2032 soll in der Türkei und Italien stattfinden. Zuletzt gab es aber vermehrt Kritik am Zustand der Stadien in Italien, die teilweise als nicht EM-tauglich eingestuft wurden. Ceferin hatte bereits vor einem Jahr die Infrastruktur des italienischen Fußballs als „eine Schande“ bezeichnet. Unter den großen Ländern habe Italien mit Abstand die schlechteste Infrastruktur, sagte er damals.Viele PlanungsbaustellenIm Oktober muss Italien die fünf Stadien benennen, in denen 2032 Spiele ausgetragen werden sollen. Beworben haben sich elf Städte: Rom, Florenz, Bologna, Mailand, Genua, Bari, Neapel, Turin, Cagliari und Palermo. Aktuell erfüllt nur das Stadion von
Juventus Turin alle Anforderungen. Stadion-Neubauten oder Arenen, die saniert werden müssen, können der
UEFA nur vorgeschlagen werden, wenn die Arbeiten bis März 2027 beginnen.Planungsbaustellen gibt es noch einige: Die beiden Mailänder Spitzenklubs Inter und AC haben kürzlich das San Siro von der Stadt Mailand erworben und hoffen, bis 2031 eine neue Arena mit 71.500 Plätzen am selben Standort fertigzustellen. Der Verkauf des Grundstücks wird jedoch von der Mailänder Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Angebotsabsprachen untersucht.Neubau in Rom geplantDie lokalen Behörden in Rom haben der Roma grünes Licht für den Bau eines neuen Stadions im Osten von Italiens Hauptstadt gegeben, während das Stadio Artemio Franchi der Fiorentina saniert wird. Im vergangenen Monat stellte zudem die Stadt Neapel ein Sanierungsprojekt mit einem Budget von 200 Millionen Euro für Napolis Stadio Diego Armando Maradona vor. Dieses sei laut Bürgermeister Gaetano Manfredi „unabhängig von 2032“ notwendig.Italien hatte sich erst Dienstag zum dritten Mal in Folge nicht für die Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert. Nach dem erneuten Scheitern hat es bereits personelle Konsequenzen gegeben: Gabriele Gravina ist am Donnerstag als Präsident des italienischen Fußballverbands FIGC zurückgetreten. Der 72-Jährige stand seit der 1:4-Niederlage im Elfmeterschießen im Playoff-Duell mit Bosnien-Herzegowina massiv unter Druck. Sogar aus der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni war er zum Rücktritt gedrängt worden.Italiens Fußball steckt in einer tiefen Krise. Ceferin sieht das Land dennoch weiter als Schwergewicht in Europa. Italien werde „wieder an die Spitze zurückkehren“, sagte er der „Gazzetta“. Entscheidend sei jedoch ein besseres Zusammenspiel aller Beteiligter. Dann könne das Land auch wieder Titel gewinnen.