Andere Händler berichten ebenfalls von Problemen. Der Eiermarkt sei derzeit angespannt und das Angebot teilweise begrenzt, sagte
Frederic Knaudt vom Lebensmittel-Lieferdienst
Picnic. Punktuell könne es zu Engpässen kommen. Ein
Rewe-Sprecher sagte: »Die Situation bleibt aufgrund der
Vogelgrippe und der Newcastle-Krankheit für die gesamte Branche herausfordernd.«Der Discounter
Lidl registrierte vor Ostern eine höhere Nachfrage nach Eiern. Grundsätzlich sei die Warenversorgung aber sichergestellt. Von
Kaufland hieß es: »Sollte es bei einzelnen Artikeln zu kurzzeitigen Lieferverzögerungen kommen, sorgt unsere tägliche Belieferung dafür, dass die Regale schnellstmöglich wieder aufgefüllt werden.« Sollten Sie sich rechtzeitig mit einer großen Menge an Eiern bevorratet haben und jetzt nicht wissen, was Sie damit anstellen können – hier finden Sie passende Rezepte: von Menemen bis zu japanischem Eierstich .Wie hat sich der Eier-Konsum zuletzt entwickelt?Die Menschen in
Deutschland essen immer mehr Eier. Pro Kopf wurden im vergangenen Jahr im Schnitt 252 Stück verzehrt – vier Eier mehr als im Vorjahr, als ebenfalls ein Anstieg verzeichnet worden war. Das gab das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) kürzlich auf Basis vorläufiger Zahlen bekannt. Der Konsum nimmt demzufolge bereits seit 2022 kontinuierlich zu. Damals lag der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei durchschnittlich 234 Eiern im Jahr. In den Zahlen sind auch verarbeitete Eier inbegriffen. Etwa 90 Prozent der im März und April gekauften Eier sind roh, der Rest bunte gekochte Eier. 2025 wurden 108 Millionen bunte gekochte Eier erworben – 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Laut
YouGov könnte das mit dem steigenden Bedürfnis nach Bequemlichkeit zusammenhängen. Die Zahl der gekauften rohen Eier ist zuletzt ebenfalls gestiegen, allerdings nicht so stark. Warum werden mehr Eier gegessen?Der Leiter des BZL,
Josef Goos, sieht mehrere Gründe für die Entwicklung. »Eier stellen eine kostengünstige Quelle für hochwertiges Eiweiß dar.« Ein weiterer Grund könne der Trend zu vegetarischer Ernährung oder Low Carb sein. Goos bezeichnet die aktuelle Marktlage als schwierig und angespannt. »Auf der einen Seite haben wir eine erneut gestiegene Nachfrage nach Eiern. Auf der anderen Seite sehen wir sinkende Tierbestände«, sagte der Experte. Als Ursachen nannte er die
Vogelgrippe, die neu aufgetretene Krankheit
Newcastle Disease sowie den Rückbau der Kleingruppenhaltung. Was hat es mit der Krankheit
Newcastle Disease auf sich?Im Februar kam es in Brandenburg und Bayern zu mehreren Ausbrüchen der hochansteckenden Krankheit. Die Seuche trat hierzulande zuletzt vor rund 30 Jahren auf. Die Forscher schätzen die Gefährdungslage für Geflügel- und andere Vogelarten als erheblich ein. Betroffen sind vor allem Hühner und Puten, aber auch andere Vogelarten können das Virus in sich tragen, verbreiten und selbst erkranken. Für Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich.Das Virus wird laut Friedrich-Loeffler-Institut über die Körpersekrete und den Kot erkrankter Tiere ausgeschieden. Betroffene Tierbestände müssen sofort getötet werden. Vögel, Fleisch von Geflügel und Eier dürfen innerhalb der eingerichteten Sperrzonen nicht aus dem Bestand heraus gebracht werden. In Brandenburg mussten bis zur vierten Märzwoche rund 2,1 Millionen Tiere getötet werden. Für die Krankheit gibt es eine Impfpflicht. Eine Infektion ist trotz Impfung möglich, geimpfte Tiere sind allerdings schwerer zu infizieren. Nach Angaben des Bundesverbands Ei, der die Eierwirtschaft in
Deutschland vertritt, sind die Folgen von
Newcastle Disease und
Vogelgrippe in den Ställen deutlich spürbar. Durch die Seuchen habe man hierzulande bisher ungefähr vier Prozent der Legehennen verloren, sagte Verbandschef Hans-Peter Goldnick. Das sei angesichts der hohen Nachfrage eine entscheidende Größe.Kann
Deutschland seinen Eierbedarf decken?Nein. Insgesamt wurden vergangenes Jahr 15,3 Milliarden Konsumeier erzeugt, etwas mehr als 2024 (15,2 Milliarden). Der Inlandsbedarf konnte damit nur zu 72 Prozent mit heimischer Ware gedeckt werden. Der Selbstversorgungsgrad ging bereits das vierte Jahr in Folge zurück. Um die hohe Nachfrage zu bedienen, muss
Deutschland mehr als ein Viertel des Bedarfs importieren. Wichtigstes Lieferland für Schaleneier sind die Niederlande mit einem Anteil von 69 Prozent, gefolgt von Polen mit knapp 16 Prozent. Wie entwickeln sich die Preise?Verbraucher in
Deutschland mussten für Eier zuletzt – wie für viele andere Lebensmittel auch – deutlich mehr bezahlen: Im Februar waren Eier nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Schnitt 14,5 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Auch die Großmarktpreise liegen dem Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) zufolge auf einem sehr hohen Niveau.Die jüngste Knappheit dürften die Kunden von Discountern und Supermärkten aber nicht unmittelbar im Geldbeutel spüren. Der Lebensmitteleinzelhandel habe feste Jahresverträge mit den Produzenten, sagte MEG-Expertin Margit Beck. Es gebe keine Veranlassung, vor Ostern an der Preisschraube zu drehen. Auch Verbandschef Goldnick rechnet nicht damit, dass der derzeitige Engpass kurzfristig zu weiteren Preiserhöhungen führen wird. Im Spätsommer verhandeln Produzenten und Lebensmittelhandel demnach aber über neue Lieferverträge. Goldnick geht davon aus, dass angesichts der Lage viele dort auch höhere Preise einfordern werden.