Nach dem Angriff auf eine Frau in einer Hamburger Einkaufspassage fordern Naturschützer die Freilassung des Wildtiers – und rufen zu einer Demonstration auf.Fast eine Woche nach dem Vorfall mit einem
Wolf in
Hamburg-Altona ist die Zukunft des eingefangenen Wildtiers weiter ungewiss. Nach Behördenangaben gibt es derzeit keine neuen Informationen. Der
Wolf befindet sich seit Dienstag in einer Wildtierauffangstation bei
Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis
Schaumburg. Am Nachmittag wollen Wolfsfreunde bei einer Mahnwache am Hamburger Jungfernstieg für die Freilassung des Tieres demonstrieren. Das männliche Jungtier war bereits am vergangenen Wochenende im Westen der Stadt gesichtet worden. Am Montagabend war es dann in eine kleine Einkaufspassage im Zentrum Altonas gelaufen und hatte dort eine etwa 60 Jahre alte Frau verletzt. Anschließend rannte der
Wolf mehrere Kilometer durch die Hamburger Innenstadt und sprang schließlich in die Binnenalster, wo ihn die Polizei einfangen konnte.Unklar ist bislang, was tatsächlich in der Einkaufspassage vorgefallen ist. Die Umweltbehörde geht davon aus, dass der
Wolf die Frau gebissen hat, als diese mutmaßlich auf das panische Tier zugegangen sei, um es durch die gläsernen Automatiktüren nach draußen zu lassen. Umweltsenatorin
Katharina Fegebank (Grüne) hatte dazu am Dienstag auf den Polizeibericht verwiesen. Was genau in dem Bericht steht, ist jedoch unbekannt, da die Polizei diesen nicht veröffentlicht.Hat der
Wolf zugebissen?Naturschützer bezweifeln, dass der
Wolf die Frau angegriffen und gebissen hat. Sie verweisen etwa auf eine Zeugin, die gesehen haben will, dass der
Wolf die Frau angesprungen, aber nicht gebissen habe. Die Textilhändlerin mit eigenem Geschäft in der Passage sagte dem „
Hamburger Abendblatt“: „Es sah eher so aus, als hätte der
Wolf sie beim Anspringen mit seiner Pranke im Gesicht getroffen.“ Außerdem argumentieren die Naturschützer: Es sei unwahrscheinlich, dass das Opfer bei einem Wolfsbiss hätte lediglich ambulant im Universitätsklinikum Eppendorf behandelt werden können. Sollte der
Wolf tatsächlich zugebissen haben, wäre dies der erste derartige Angriff seit Jahrzehnten. „Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998“, hatte eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Für Umweltsenatorin Fegebank ist das auch wichtig für die Bewertung, wie mit dem
Wolf künftig umgegangen werden soll.„Er hat das einmal getan, tut er das wieder?“, hatte Fegebank am Dienstag gesagt. Vorstellbar sei eine Situation, in der der
Wolf auf einen Schulhof oder in eine Kita hinein laufe. „Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen würde“, sagte Fegebank. „Wölfe sind Raubtiere.“ Aus ihrer Sicht gibt es nun drei Optionen: auswildern – mit der Gefahr, dass das Tier wieder in eine Stadt laufe – einschläfern oder ihn in einen Wildpark bringen.Integration offenbar „unmöglich“Wolfsexperten wie Norman Stier von der TU Dresden oder der Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge, Arne Vaubel, halten die Integration des Wolfs in ein Rudel in einem Wildpark für unmöglich. „Da gibt es Erfahrungen von Hybridfängen aus der Anfangs-Wolfswiederbesiedlung aus der Lausitz, die auch in sehr großen Gehegen trotzdem qualvoll zugrunde gegangen sind“, sagte Stier.Aus ihrer Sicht sollte der
Wolf mit einem Senderhalsband versehen und einfach freigelassen werden. Auch Tanja Askani, die seit 30 Jahren die Wölfe im Wildpark Lüneburger Heide betreut, sagte, es gebe keinen Grund, ihn in Gefangenschaft zu halten. Sie rief ebenfalls zur Demonstration auf – „für die Freilassung des Hamburger Jungwolfs und gegen die Jagd auf diese Tiere“.Ihr Ehemann Achim Heisler hatte zuvor in den sozialen Medien einen Offenen Brief an Fegebank veröffentlicht, in dem er die Gefahr eines neuerlichen Angriffs des Wolfs für nicht gegeben hält. „Ich kann Ihnen versichern, dass ein junger
Wolf nach einer derartigen Erfahrung künftig alles meiden wird, was ihn an diese Situation erinnert.“ Es entspreche nicht dem natürlichen Verhalten eines Wolfs, gezielt die Nähe des Menschen zu suchen.