Reportage Stand: 05.04.2026 • 15:43 Uhr Der
Iran-krieg" class="entity-link entity-event" data-entity-id="49057" data-entity-type="event">
Iran-Krieg macht auch in den USA vielen Angst. Das zeigt sich etwa an der steigenden Nachfrage nach kleinen Schutzbunkern. Eine Firma in
Texas stellt entsprechende Modelle her. Kostenpunkt: mindestens 75.000 Dollar.
Nathan und
Sarah sind mit ihren vier Kindern auf einem Roadtrip, von
Minnesota aus quer durchs Land. Jetzt legen sie einen Stopp bei der Firma
Atlas Survival Shelters ein, für eine Besichtigung. Vor der Fabrikhalle in
Sulphur Springs in
Texas stehen mehrere Bunker, als Muster - Schutzräume, die an Schiffscontainer erinnern. Der Stahlkasten, in den die Eltern und ihre Kinder geklettert sind, gefällt ihnen ziemlich gut. Wenn man ignoriert, dass der Bunker natürlich keine Fenster hat, sieht er von innen fast so wohnlich wie ein kleines Apartment aus, mit Duschkabine, Toilette und Mini-Küche.
Sarah gefällt, dass die Kinder ein eigenes Zimmer hätten, sie und ihr Mann ebenfalls, und dass auch ein Wohnbereich für die gesamte Familie nicht fehlt. Ihr Mann
Nathan denkt schon lange darüber nach, einen Bunker anzuschaffen. Schließlich lebe man in ungewissen Zeiten.
Nathan sagt, zu Hause in
Minnesota müsse man vor Tornados keine Angst haben. Und vor Angriffen von außen auf die Vereinigten Staaten sicherlich auch nicht. Aber Unruhen hält
Nathan für nicht ausgeschlossen. Und überhaupt: "Man liebt seine Familie, und man will auf alle Eventualitäten vorbereitet sein." Eine Familie schaut sich auf dem Gelände eines Bunker-Herstellers in
Texas an, wie die Schutzräume aussehen. Die Firma
Atlas Survival Shelters wurde 2011 gegründet. Mittlerweile ist sie nach eigener Aussage zum Weltmarktführer aufgestiegen. In
Abu Dhabi eröffnete man vor Kurzem ein Büro und schaltet dort nun auch Anzeigen.
Davis Yarber, der Manager, sagt, seit dem Start des
Iran-Kriegs habe man so viel zu tun wie noch nie: "Die Zahl der Anrufe, E-Mails und SMS-Anfragen ist ums Zehnfache gestiegen. Es gibt Tage, da kriegen wir zwei- bis dreihundert Anfragen. Das Telefon steht nicht still." Der kleinste Bunker, den Atlas baut, ist eine Kiste aus Stahl mit einer Grundfläche von drei mal sechs Metern, die dann irgendwo auf dem eigenen Grundstück vergraben wird. Solch ein Schutzraum für den kleineren Geldbeutel kostet zwischen 75.000 und 135.000 Dollar, je nach Ausstattung, zuzüglich Anlieferung und Installation, mit Platz für fünf bis zehn Menschen - je nachdem, wie eng man im Falle des Notfalls beisammen sitzen möchte. Atlas beschäftigt 40 Mitarbeiter, vom Schweißer bis zum Installateur. In der Werkshalle in Nord-
Texas machen sie alles selbst, je nach Kundenwunsch und im Modul-Prinzip. Größere Bunker bestehen aus mehreren Modulen, die dann am Bestimmungsort zusammengesetzt werden. Der größte Bunker, den Atlas derzeit baut, wird eine Wohnfläche von mehr als 460 Quadratmeter haben, Kostenpunkt: mehrere Millionen. Der Mini-Bunker hat auch eine Mini-Küche - sowie Dusche und Toilette. Im Durchschnitt geben die Kunden etwa eine halbe Million Dollar aus, für das beruhigende Gefühl, sechs Millimeter dicke Stahlplatten und viel Erdreich zwischen sich und einem katastrophalen Notfall an der Oberfläche zu haben. Die Namen der meisten Kunden darf Manager
Davis Yarber nicht nennen, wegen Vertraulichkeitsvereinbarungen. Doch einige Namen sind längst durchgesickert: Mark Zuckerberg hat einen Bunker in Hawaii gebaut. Die Kardashians haben angefragt - weiß nicht, ob die auch gekauft haben. Der Influencer Mr. Beast hat einen Bunker für seinen YouTube-Kanal gekauft. Politiker kaufen. Und sehr reiche Menschen. Das ist wie eine Versicherungspolice für sie.
Davis Yarber, Manager von Atlas Survial Shelters Atlas hat eine Warteliste. Wer jetzt bestellt, muss sechs bis zwölf Monate auf die Lieferung warten. Und manche zahlen extra, damit ihr Bunker schneller gebaut wird und das Projekt auf der Warteliste an die Spitze rückt. Solch einen Aufschlag zahlte zum Beispiel ein Kunde, der so große Angst vor einem herannahenden Meteoriten hatte, dass er sicherstellen wollte, rechtzeitig zum erwarteten Einschlag in einem Schutzraum sitzen zu können. Zu den ungewöhnlichsten Kundenwünschen gehört ein Schießstand von 30 Metern Länge. Auch er wird nach Fertigstellung tief in die Erde eingelassen, zusammen mit den anderen bestellten Bunker-Modulen, die ein Überleben garantieren sollen, mit allem Komfort. Ein anderer Kunde will einen "gun room". Das wird ein Bunker mit Waffengestellen entlang der Wände für Gewehre und mit einer Glasvitrine für Handfeuerwaffen und eine Sammlung teurer Uhren. Die Eingangstür werde der eines Safes ähneln und "die Sicherheit von Fort Knox" bieten, berichtet Yarber. Atlas' Käufer haben vermutlich unterschiedliche Vorstellungen darüber, vor welcher Art von Bedrohung sie sich schützen möchten. Doch was die Antwort auf diese Bedrohung angeht, zieht Yarber den Vergleich mit einem Unglück auf hoher See: Wenn man auf einem sinkenden Schiff ist, bleibt man nicht an Bord und geht unter - sondern man steigt ins Rettungsboot.