9. April 2026UN-Vertreter zeigen sich nach den schweren israelischen Luftangriffen auf Ziele im Libanon entsetzt. Die dortigen Behörden sprechen von insgesamt mehr als 250 Toten und fast 900 Verletzten.https://p.dw.com/p/5BtZzDer libanesische Zivilschutz sucht in den Trümmern des Gebäudes in
Beirut nach weiteren Opfern Bild: Hussein Malla/AP Photo/dpa/picture allianceDie massiven israelischen Angriffe im Libanon gefährden nach den Worten von
UN-Generalsekretär
António Guterres die seit der Nacht zum Mittwoch geltende Waffenruhe zwischen den USA und dem
Iran. Guterres rief laut seinem Sprecher Stéphane Dujarric alle Kriegsparteien dazu auf, sämtliche Attacken unverzüglich einzustellen. Es gebe keine militärische Lösung für den Konflikt. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen wies darauf hin, bei den israelischen Luftangriffen seien "Hunderte Zivilisten, darunter Kinder, getötet oder verletzt" worden. Zivile Infrastruktur sei beschädigt worden. Man sei zutiefst beunruhigt über die steigende Zahl ziviler Opfer. Zerstörung nach einem israelischen Luftangriff auch in einem Wohngebiet der südlibanesischen Stadt Sidon Bild: Abdul Kader Al Bay/ZUMA/picture alliance Der
UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, sagte, das Ausmaß der Tötungen und Zerstörungen im Libanon sei "schlichtweg entsetzlich". Die Angriffe setzten "den fragilen Frieden, den die Zivilbevölkerung so dringend braucht, enorm unter Druck", so der österreichische Diplomat weiter. Die internationale Gemeinschaft müsse rasch handeln.
Israel und USA: Libanon gehört nicht zur Waffenruhe-Abmachung Nach Angaben der israelischen Regierung ist der Libanon von der zweiwöchigen Waffenruhe-Vereinbarung zwischen den USA und dem
Iran ausgenommen. US-Präsident
Donald Trump und sein Vize JD Vance bestätigten dies am Mittwoch. Anders wird das in Teheran und beim Vermittler Pakistan gesehen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drängte dazu, den Libanon in die Feuerpause einzubeziehen. Ähnlich äußerte sich Großbritanniens Außenministerin
Yvette Cooper. Israels Militär hatte in einem Großangriff am Mittwoch zahlreiche Ziele im Libanon bombardiert, darunter auch in
Beirut. Die Hauptstadt erlebte die heftigsten Angriffe seit dem Beginn des Kriegs zwischen
Israel und der vom
Iran finanzierten Hisbollah-Miliz. Die Miliz wird von Deutschland, den USA und mehreren sunnitischen arabischen Staaten als Terrororganisation gelistet. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu lässt die Armee weiter mit großer Härte gegen mutmaßliche Hisbollah-Ziele im Libanon vorgehen Bild: Ronen Zvulun/REUTERS/AP Photo/dpa/picture alliance Korrespondenten berichteten von zahlreichen eingestürzten Wohngebäuden im Libanon. In der Nacht zum Donnerstag gab es weitere israelische Luftangriffe auf das nördliche Nachbarland. Nach jüngsten Angaben der dortigen Behörden wurden bislang mehr als 250 Menschen getötet. Außerdem gebe es fast 900 Verletzte. Unter den Opfern seien zahlreiche Zivilisten, darunter Kinder. Das israelische Militär teilte mit, Ziele seien Kommandeure und militärische Infrastruktur der Hisbollah gewesen. Bei einem Angriff wurde laut Armee auch der Neffe des Hisbollah-Chefs Naim Kassim getötet. Die Schiiten-Miliz beschoss nach eigenen Angaben als Reaktion in der vergangenen Nacht den Kibbuz Manara im Norden Israels. Die Gegenangriffe würden solange fortgesetzt, bis die "isralisch-amerikanische Aggression" aufhöre, heißt es in einer Erklärung der Hisbollah.
Iran zweifelt an Sinnhaftigkeit der Verhandlungen mit den USA Indessen stellt der
Iran die vereinbarte Feuerpause grundsätzlich infrage. Die USA müssten sich entscheiden - "entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via
Israel. Sie können nicht beides haben", machte Außenminister Abbas Araghtschi deutlich. Der iranische Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf warf der US-Regierung mit Blick auf den Libanon vor, noch vor Beginn der Verhandlungen über ein Friedensabkommen Zusagen gebrochen zu haben. Auch Irans Präsident Massud Peseschkian bezeichnete die israelischen Angriffe in einem Telefonat mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif als unvereinbar mit der Waffenruhe-Abmachung. Irans Präsident Massud Peseschkian (Archivbild)Bild: Iranian Presidency/ZUMA/IMAGO Am Freitag sollen eigentlich in Islamabad Gespräche über ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem
Iran aufgenommen werden. Hierzu werden Delegationen aus beiden Ländern in der pakistanischen Hauptstadt erwartet. Trump droht dem
Iran ein weiteres Mal mit martialischen Worten US-Präsident Trump drohte der iranischen Führung mit neuer militärischer Eskalation, falls es kein umfassendes Abkommen geben sollte. Auf seiner Onlineplattform Truth Social erklärt er, Schiffe, Flugzeuge und Soldaten des US-Militärs würden - gegebenenfalls auch mit zusätzlicher Ausrüstung - rund um den
Iran stationiert bleiben, bis das "erzielte WIRKLICHE ABKOMMEN vollständig eingehalten wird". Es werde alles bereitgehalten, was für die "tödliche Verfolgung und Vernichtung" eines bereits geschwächten Gegners notwendig sei, so Trump weiter. US-Präsident Trump: Zu den Verhandlungen in Pakistan schickt er vermutlich auch seinen Vize JD VanceBild: Anna Moneymaker/Getty Images/AFP Unklar ist derzeit auch, wann der
Iran die de facto blockierte Straße von Hormus wieder freigibt. Über die Wasserstraße am Persischen Golf erfolgt in Friedenszeiten täglich etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte. In einer vom iranischen Staatssender IRIB verbreiteten Mitteilung der Hafenbehörde heißt es, wegen Minengefahr müssten Schiffe sich mit den Revolutionsgarden - der Elitestreitmacht des Landes - abstimmen und ausgewiesene Ausweichrouten benutzen. Am Mittwochabend hatte die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtet, der
Iran habe den Schiffsverkehr durch die Meerenge nach den Angriffen auf den Libanon aus Protest wieder eingestellt. Nur zwei Öltanker hätten die Wasserstraße seit Beginn der Waffenruhe passiert.