faq Stand: 09.04.2026 • 17:50 Uhr Die Schifffahrt durch die
Straße von Hormus ist auch nach Beginn der Waffenruhe von einem Normalbetrieb weit entfernt. Warum Reedereien mit der Durchfahrt noch zögern und welche Forderungen
Iran stellt. Nur sehr wenige. Laut der Nachrichtenagentur
AP passierten am Mittwoch, dem ersten Tag der Waffenruhe, lediglich vier Schiffe mit eingeschalteten AIS-Sendern - einem automatischen Ortungs- und Informationssystem - die
Straße von Hormus. Zum Vergleich: Vor dem Krieg waren es üblicherweise rund 140 Schiffe pro Tag. Nicht erfasst wurden Schiffe der "Schattenflotte", die mit abgeschaltetem AIS fahren und zumeist sanktioniertes iranisches Rohöl transportieren. Weil die Waffenruhe allein den Reedereien nicht reicht. Ob eine sichere Passage derzeit tatsächlich möglich ist, ist völlig ungewiss - die Reedereien warten daher vorerst ab. Hinzu kommt eine Warnung der
Marine der iranischen Revolutionsgarden vor Seeminen in der
Straße von Hormus: Die Streitkräfte publizierten eine Karte, auf der eine Gefahrenzone in den gewöhnlichen Schifffahrtswegen der Meerenge verzeichnet ist. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) fordert vor diesem Hintergrund Sicherheitsgarantien für Frachtschiffe, bevor die Durchfahrt wieder aufgenommen werden kann. Der
Iran behält sich eine Kontrolle der
Straße von Hormus vor. Der Geschäftsführer der Denkfabrik
Center for a New American Security,
Richard Fontaine, verweist gegenüber der
New York Times darauf, dass der
Iran damit jetzt sogar in einer besseren Position sei als vor dem Krieg. Denn davor habe der
Iran keine Kontrolle über die Meerenge gehabt. Das ist Teil der anstehenden Verhandlungen mit den USA. Teheran hat eine Gebühr in Spiel gebracht, die Schiffe für eine sichere Durchfahrt durch die Meerenge zahlen müssten. Die Rede ist laut der
Financial Times von bis zu zwei Millionen Dollar pro Öltanker - in Kryptowährungen. Experten warnen davor, dass damit das iranische Regime finanziert würde. Viele Reeder sehen eine Zahlung auch deshalb als heikel, weil sie damit gegen US-Sanktionen verstoßen würden. Frankreichs Außenminister Barrot und Griechenlands Premier Mitsotakis bezeichneten die Mautpläne als "inakzeptabel". Mitsotakis warnte zudem im US-Sender CNN vor einem "äußerst gefährlichen Präzedenzfall für die Freiheit der Schifffahrt". Wie schnell kann sich der Verkehr wieder normalisieren? Selbst bei einer sicheren Passage durch die
Straße von Hormus würde eine Rückkehr zum Normalbetrieb viel Zeit in Anspruch nehmen. Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen rechnet damit, dass es "mindestens sechs bis acht Wochen" dauern kann, bis das regionale Routennetzwerk wieder normal läuft. Weil sich die Lieferströme erst wieder neu sortieren müssen. Es geht nicht nur darum, ob einzelne Schiffe, die in der Region seit Wochen festsitzen, wieder fahren dürfen. Die Frage ist, ob der Verkehr insgesamt wieder planbar wird. Ziel ist die Rückkehr zu verlässlichen Fahrplänen, Hafenanläufen und Routen der Schifffahrt. Dazu müssen auch die Creweinsätze komplett neu geplant werden. Das alles spricht gegen eine schnelle Rückkehr zum Vorkriegsniveau. Die Frage der Versicherung stellt weiterhin eine große Herausforderung für die Reedereien dar. Die Meerenge wird vom Joint War Committee des Londoner Versicherungsmarktes weiterhin als Hochrisikogebiet eingestuft - und das treibt die von den Versicherern festgelegten Prämien in die Höhe. Laut
Financial Times wollen Versicherer zudem teils Nachweise über iranische Genehmigungen sehen - zugleich ist unklar, wer diese überhaupt verbindlich erteilt. Solange aber die Versicherungsprämien hoch bleiben und nicht klar ist, unter welchen Bedingungen Policen greifen, dürfte ein Neustart der Schifffahrt in der
Straße von Hormus nur äußerst zäh anlaufen.