PfadnavigationHomeWirtschaftAuto-KriseStellantis streicht 650 Ingenieurs-Stellen bei OpelStand: 09:01 UhrLesedauer: 3 MinutenBaustelle der neuen
Opel-Zentrale in RüsselsheimQuelle: Boris Roessler/dpaStellantis höhlt
Opel immer weiter aus. In
Rüsselsheim schließt das Zentrallabor. Von einst 7000 Ingenieuren bleiben nur noch 1000 übrig. In
Frankreich,
Italien und den USA sieht es anders aus.Oberflächlich stehen die Zeichen bei
Opel in
Rüsselsheim auf Aufbruch: Die deutsche Automarke aus dem
Stellantis-Konzern baut sich derzeit eine neue, grüne Zentrale an ihrem Stammsitz. Doch tatsächlich höhlt der Konzern die Traditionsmarke immer weiter aus.Denn
Opel streicht weitere Arbeitsplätze. Diesmal trifft es allein Ingenieure: 650 der hoch qualifizierten Stellen fallen weg, nur noch 1000 Entwickler sollen übrig bleiben. Laut einem Unternehmenssprecher ist das eine Spätfolge des Übergangs von
Opel von
GM in den
Stellantis-Konzern.In
Rüsselsheim fallen wichtige Aufgaben weg, die an anderen
Stellantis-Standorten ebenfalls erledigt werden. Die Prototypen-Entwicklung ist bereits geschlossen worden, nun folgt das Zentrallabor, in dem unter anderem Materialien getestet werden. Bestehen bleiben sollen etwa Aufgaben zu Fahrassistenten, digitaler Beleuchtung und zur Entwicklung von
Opel-Modellen. Lesen Sie auchBei
Opel läuft ohnehin ein Stellenabbau, der mit dieser Entscheidung weiter verschärft wird. Insgesamt arbeiten in
Rüsselsheim 6800 Menschen für
Stellantis – 850 weniger als vor einem Jahr. Die Entwicklungsabteilungen hat es in den vergangenen Jahren bereits hart getroffen. Vor dem Verkauf durch
GM im Jahr 2017 sollen an dem Standort noch 7000 Ingenieure gearbeitet haben.Die Agentur dpa meldete am Freitag aus Konzernkreisen, ein neuer
Opel-SUV werde federführend von der chinesischen
Stellantis-Beteiligung
Leapmotor entwickelt. Von
Opel komme nur noch das äußere Design. Gebaut werden solle das Elektroauto in
Spanien.Aufbau anderswoUnd während in
Rüsselsheim Ingenieure in den vorzeitigen Ruhestand gehen oder Abfindungen erhalten, sucht
Stellantis anderswo Entwickler – wenn auch für andere Aufgaben. Konzernchef
Antonio Filosa will damit die Qualität steigern, die unter seinem sparbegeisterten Vorgänger
Carlos Tavares gelitten hatte. In den USA hat
Stellantis bereits 2500 neue Ingenieure rekrutiert. In
Frankreich hat der Konzern 1400 Neueinstellungen angekündigt, darunter 700 Ingenieure. In
Italien kommen immerhin 100 Entwickler für den Fiat 500 Hybrid hinzu. Lesen Sie auchAm
Opel-Standort
Rüsselsheim läuft es derweil umgekehrt. Wie der nun angekündigte Stellenabbau abläuft, ist noch unklar.
Stellantis kündigte Verhandlungen mit den Betriebsräten an. Bislang sei das Unternehmen allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen ausgekommen, hieß es. Zudem sichere die Entscheidung immerhin langfristig die verbliebenen Aufgabenbereiche für die Entwickler an dem Standort. Der Umbau solle Ende 2027 abgeschlossen sein.Lesen Sie auchEntwickler haben in der deutschen Autoindustrie derzeit auf breiter Front einen schweren Stand. Die Branche spart wegen der schwachen Nachfrage inzwischen vermehrt in dem Zukunftsbereich. Der Zulieferer Mahle etwa will nach enttäuschten Hoffnungen bei Wasserstoff und Elektrifizierung Entwicklungshoffnungen beerdigen und Stellen sparen.Lesen Sie auchAuch der aus dem Continental-Konzern herausgelöste Zulieferer Aumovio hat angekündigt, die Kosten in dem Bereich deutlich senken zu wollen. Bis zu Jahresende sollen weltweit 4000 Entwickler-Stellen wegfallen. Im Vorjahr waren es bereits 3000.Lesen Sie auchZudem verlagern die Autobauer einen Teil der Entwicklung ins Ausland. Ein Grund ist der starke Marktanteilsverlust in China. Die verstärkte Entwicklung in dem Land soll verlorenes Territorium zurückgewinnen. Volkswagen etwa hat sein Entwicklungszentrum dort deutlich ausgebaut und kürzlich das erste komplett in China entworfene Modell vorgestellt – ohne Ingenieurskunst aus Deutschland.Das spiegelt auch die Zahl der offenen Stellen in der Branche: Die Nachfrage nach Ingenieuren geht zurück. Die Zahl der offenen Stellen im Bereich Entwicklung ist laut Daten des Mediaforschungsunternehmen Index 2025 um 29 Prozent gesunken.Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt. Christoph Kapalschinski berichtet als Redakteur über die Autoindustrie.