PfadnavigationHomePolitikAuslandParlamentswahl in UngarnOrbán nach 16 Jahren an der Macht abgewählt – Tisza nahe an Zweidrittel-MehrheitStand: 21:58 UhrLesedauer: 3 MinutenOrbáns Herausforderer Péter MagyarQuelle: Denes Erdos/AP/dpaBei der Parlamentswahl in Ungarn liegt die pro-europäische Partei Tisza von
Péter Magyar ersten amtlichen Zahlen zufolge vorn. Viktor Orbáns
Fidesz kommt nur auf Platz zwei. Der noch amtierende Ministerpräsident hat dem Wahlsieger bereits gratuliert.Bei der Parlamentswahl in Ungarn zeichnet sich ein Erdrutschsieg für
Péter Magyar und seine Partei Tisza ab. Die pro-europäische Partei kann ersten amtlichen Zahlen zufolge deutlich mit den meisten Stimmen rechnen. Die
Fidesz-Partei von Ministerpräsident
Viktor Orbán, der das Land seit 16 Jahren regiert und mit der Europäischen Union oft über Kreuz liegt, kommt nur auf Platz zwei.Die Partei Tisza um ihren Chef Magyar kommt nach Auszählung von knapp der Hälfte der Stimmen nach Angaben der Wahlkommission auf 135 Mandate im 199 Sitze umfassenden Parlament. Sie hätte damit auch knapp eine Zweidrittel-Mehrheit sicher.Beobachter haben darauf verwiesen, eine solche Mehrheit werde wohl nötig sein, um nicht nur einen Regierungs- sondern auch einen echten Politikwechsel zu ermöglichen.
Fidesz hat viele Änderungen an der Verfassung vorgenommen, die die Handlungsmöglichkeiten für Tisza einschränken dürften. Um sie rückgängig zu machen, müsste auch Tisza eine Zweidrittel-Mehrheit haben.Lesen Sie auchDer seit 16 Jahren in Ungarn regierende Orbán hat seine Niederlage eingestanden. „Die Wahlergebnisse sind, wenn auch noch nicht endgültig, klar. Für uns sind sie schmerzhaft, aber eindeutig“, sagte Orbán am Sonntagabend vor Journalisten. „Uns ist nicht die Verantwortung und die Chance zum Regieren anvertraut worden. Ich habe der siegreichen Partei gratuliert“, sagte der Regierungschef weiter. Sein Herausforderer Magyar schrieb im Onlinedienst Facebook: „Ministerpräsident
Viktor Orbán hat mich gerade angerufen, um uns zu unserem Sieg zu gratulieren.“ Der Wahlausgang ist auch für die Europäische Union von Bedeutung, hat sich doch Orbán wiederholt bei Brüsseler Beschlüssen quergestellt. Orbán pflegt auch gute Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Magyar hat erklärt, Ungarns Westbindung wiederherzustellen.Der Urnengang, der nach 16 Jahren das Ende der Orban-Ära einläuten könnte, galt als Schicksalswahl. Entsprechend hoch war die Wahlbeteiligung. Eine halbe Stunde vor dem Schließen der Wahllokale hatten 77 Prozent der knapp acht Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben – so viele wie nie zuvor bei einer Wahl seit der demokratischen Wende 1990.Vielerorts bildeten sich lange Schlangen vor den Wahllokalen. In der südungarischen Stadt Szeged wollten viele Wahlberechtigte nicht länger warten und machten ihre Kreuze kurzerhand außerhalb der Wahlkabinen.Auch bei ungarischen Vertretungen im Ausland war der Andrang groß. Lange Schlangen bildeten sich unter anderem in Barcelona, Stockholm, Malaga, München, Manchester und Oslo. Vor dem ungarischen Konsulat in Mailand hatte Presseberichten zufolge auch der aktuelle Literaturnobelpreisträger Laszlo Krasznahorkai fast zwei Stunden gewartet, um sein Kreuz zu machen.Parteien von Orbán und Magyar melden angebliche UnregelmäßigkeitenBei der Partei des ungarischen Oppositionsführers Magyar sind nach eigenen Angaben nach Schließung der Wahllokale Berichte über Unregelmäßigkeiten eingegangen. Auch die Partei
Fidesz von Ministerpräsident Orbán verwies am Sonntag auf Meldungen von Manipulationen. Die Vorwürfe deuteten darauf hin, dass beide Seiten einige Ergebnisse der Parlamentswahl in Zweifel ziehen könnten.Von der Leyen: „Ungarn hat Europa gewählt“EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat den Sieg der Oppositionspartei bei den Parlamentswahlen in Ungarn begrüßt. „Ungarn hat Europa gewählt“, erklärte von der Leyen am Sonntagabend im Onlinedienst X. Das Land kehre „auf seinen europäischen Weg zurück“.„Heute Abend schlägt das Herz Europas in Ungarn stärker“, schrieb von der Leyen. „Die Union wird stärker.“rtr/AP/afp/saha