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MON · 2026-04-13 · 12:56 GMTBRIEF NSR-2026-0413-65982
News/Regierungsgipfel: Merz sagt der Ukraine /Bundesregierung schärft Position: So verteidigt Berlin den V…
NSR-2026-0413-65982News Report·DE·Political Strategy

Bundesregierung schärft Position: So verteidigt Berlin den Verbrenner

Die deutsche Bundesregierung will in Brüssel auf eine Aufweichung der EU-Klimaziele für den Automobilsektor hinwirken. Ziel ist es, das faktische Verbrennerverbot ab 2035 zu verhindern.

Hendrik Kafsack, BrüsselFAZFiled 2026-04-13 · 12:56 GMTLean · Center-RightRead · 3 min
Bundesregierung schärft Position: So verteidigt Berlin den Verbrenner
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Die deutsche Bundesregierung will in Brüssel auf eine Aufweichung der EU-Klimaziele für den Automobilsektor hinwirken. Ziel ist es, das faktische Verbrennerverbot ab 2035 zu verhindern. Konkret fordert die Regierung, die CO₂-Reduktion für Neuwagen bis 2035 auf 90% statt 100% zu senken, wobei ein Teil der Emissionen durch "grünen Stahl" kompensiert werden soll. Zudem sollen ausschließlich mit erneuerbaren Kraftstoffen betriebene Fahrzeuge als Nullemissionsfahrzeuge angerechnet und den Herstellern mehr Flexibilität bei der Erreichung der jährlichen CO₂-Ziele eingeräumt werden. Die Regierung argumentiert mit der Notwendigkeit, die deutsche Automobilindustrie wettbewerbsfähig zu halten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßt die Kurskorrektur, sieht aber weiterhin Probleme bei der Kompensation durch grünen Stahl.

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The European automotive industry is pushing for a further reduction of the CO₂ target to 80%.

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Berlin wants CO₂ emissions from new cars in 2035 to be reduced by 90% instead of 100% compared to 2021.

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Markus Söder believes the combustion engine ban is a 'big own goal' for Germany.

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Cars running exclusively on renewable fuels should be immediately counted as zero-emission vehicles.

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The German government wants the EU to weaken CO₂ targets for new cars.

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Die Koalition will nicht nur den Spritpreis senken. Sie dringt in Brüssel auch auf eine deutliche Aufweichung der CO₂-Ziele – und hat gute Aussichten auf Erfolg.Ein „großes Eigentor“ für Deutschland – das bleibt das Verbrennerverbot nach Ansicht von CSU-Chef Markus Söder. Die Reformvorschläge der Europäischen Kommission aus dem Dezember haben zumindest nichts daran geändert. „Wir dürfen China nicht einfach den wichtigen Markt schenken“, sagte Söder am Montag nach dem Koalitionsausschuss in Berlin.Die Bundesregierung will deshalb in Brüssel darauf hinwirken, dass die EU-Vorgaben weiter abgeschwächt werden. „Wir gehen mit vollständiger Energieoffenheit in die Beratungen in Brüssel“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Es dürfe in so einer wichtigen Frage kein „German Vote“ – also eine Enthaltung Deutschlands – geben, sagte SPD-Chef und Finanzminister Lars Klingbeil. Er glaube an eine Zukunft des E-Autos, aber bis dahin brauche es mehr Flexibilität.Berlin will drei grundlegende ÄnderungenKonkret will die Bundesregierung vor allem drei Dinge durchsetzen: Erstens soll der CO₂‑Ausstoß von Neuwagen bis zum Jahr 2035 im Vergleich zu 2021 nur noch um 90 statt um 100 Prozent sinken. Ein Teil der Mehremissionen soll durch die Nutzung von „grünem Stahl“ in der Autoproduktion ausgeglichen werden. „Die Mehremissionen müssen nicht vollständig kompensiert werden“, heißt es aber. Damit wäre das Verbrennerverbot vom Tisch.Zweitens sollen Fahrzeuge, die ausschließlich mit erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden, unverzüglich als Nullemissionsfahrzeuge auf die CO₂-Ziele angerechnet werden. Drittens sollen die Hersteller mehr Flexibilität erhalten, um die jährlichen CO₂-Reduktionsziele bis zum Jahr 2035 zu erreichen. Sie sollen diese nicht Jahr für Jahr, sondern im Dreijahresdurchschnitt erfüllen.Die Bundesregierung kommt der Autobranche damit stärker entgegen als die Kommission. Deren Vorschlag aus dem Dezember senkt das CO₂-Ziel für Neuwagen im Jahr 2035 zwar ebenfalls auf 90 Prozent. Die Lücke zu den 100 Prozent soll aber komplett durch die Nutzung von „grünem Stahl“ und Biokraftstoffen ausgeglichen werden.Autobranche will CO₂-Ziel auf 80 Prozent senkenDie Reaktion des Verbands der Automobilindustrie (VDA) fiel dennoch verhalten aus. „Die Bundesregierung hat erkannt, dass Kurskorrekturen notwendig sind“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Die Kompensation der Mehremissionen oberhalb von 90 Prozent durch grünen Stahl bleibe aber problematisch.Die europäische Autobranche dringt unterdessen in Brüssel auf eine weitere Absenkung des CO₂-Ziels auf 80 Prozent. Das geht aus einem an die EU-Staaten gerichteten Positionspapier des Verbands ACEA hervor, das der F.A.Z. vorliegt. Dieser fordert darin zunächst eine Absenkung des 2035-Ziels auf 90 Prozent ohne Auflagen. Darüber hinaus sollen die Hersteller das Ziel dann aber um weitere zehn Prozentpunkte senken können, wenn sie Biokraftstoffe und „grüne Baustoffe“ einsetzen.Dieses „80-plus-zehn“-Ziel hätte nach Berechnung des Klimaschutzverbands Transport & Environment enorme Folgen. Der Anteil von Elektrofahrzeugen an den Neuwagen werde 2035 damit nur noch 52 Prozent statt 100 Prozent erreichen.Grüne und Sozialdemokraten gegen AufweichungAnders als von der Kommission vorgeschlagen sollen die Hersteller ihre CO₂‑Auflagen auch schon vor 2035 verringern können, indem sie grüne Baustoffe und Biokraftstoffe einsetzen. Zudem fordert ACEA, dass die jährlichen CO₂-Ziele im Fünfjahresdurchschnitt erreicht werden müssen.Im Europaparlament kann die Branche auf Unterstützung hoffen. In der christdemokratischen EVP gibt es Sympathie für den „80-plus-zehn“-Ansatz. Er wäre aber wohl nur gemeinsam mit den Fraktionen am rechten Rand durchzusetzen. Dies ist jedoch politisch heikel. Der federführend für das Dossier zuständige EVP-Politiker, der Italiener Massimiliano Salini, strebt deshalb bisher auch eine Mehrheit in der Mitte an.Dort haben sich die Sozialdemokraten allerdings gegen eine weitere Abschwächung der Vorgaben ausgesprochen. Dies gilt erst recht für die Grünen. Der Europaabgeordnete Michael Bloss kritisierte am Montag das Ergebnis des Koalitionsausschusses. „Wer ausgerechnet in der Ölkrise das Ende des fossilen Verbrenners noch weiter nach hinten schieben will, hat einen ganz speziellen Humor“, sagte er.Verbrennerverbot durch die HintertürEine Entscheidung dürfte erst im Sommer fallen. Eine wichtige Rolle in der Suche nach einem Kompromiss könnte dann der Vorschlag der Kommission zur Elektrifizierung der Unternehmensflotten spielen. Die Kommission hatte diesen parallel zur Aufweichung des Verbrennerverbots vorgelegt. Er sieht E-Auto-Quoten für Dienstwagen vor. Für Grüne und Sozialdemokraten ist das eine Bedingung für die Aufweichung des Verbrennerverbots. Die Gegner sprechen von einem Verbrennerverbot durch die Hintertür.Die Kommission argumentiert, die Vorgaben für Unternehmensflotten förderten die Verkehrswende, weil ein Großteil der Neuwagen von Unternehmen gekauft werde. In Deutschland sind beinahe 50 Prozent der Neuzulassungen Dienstwagen. Die Quoten sind für jeden Staat unterschiedlich. In Deutschland soll der Anteil von Elektrofahrzeugen und Niedrig-Emissions-Fahrzeugen im Jahr 2035 mindestens 95 Prozent erreichen.Geht es nach der Bundesregierung, wird es dazu aber nicht kommen. Der Koalitionsausschuss hat sich gegen neue Quoten für Unternehmensflotten ausgesprochen.
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