Teruel ist der Name einer der einsamsten Provinzen Spaniens. Eine direkte Bahnlinie zwischen
Madrid und diesem Landstrich in Ostspanien gibt es nicht. Um den lokalen Bevölkerungsschwund zu bremsen, haben Lokalpolitiker den selbstironischen Werbespruch „
Teruel existiert“ erfunden. Daraus wurde eine Partei, die sogar mit einem Abgeordneten in den Madrider Kongress einzog.Seither weiß ganz Spanien, dass
Teruel existiert, und sei es nur als Symbol für España vaciada, das entleerte Spanien. So gesehen mag es erstaunen, dass dort, zehn Kilometer nördlich der durchaus hübschen Provinzhauptstadt (die auch
Teruel heißt), ein international bedeutender Flughafen liegt.Allerdings gibt es am
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Teruel Airport keine Passagierbrücken und keine Businesslounges. In
Teruel landen keine Passagiere, sondern leere Flugzeuge. Maschinen, die, aus welchem Grund auch immer, abgestellt werden müssen – um sie abzuwracken oder um sie in Krisenzeiten aufzubewahren.Der Airport von
Teruel ist der größte Flugzeugparkplatz Europas. Und immer wenn es kriselt auf der Welt, gerät der Flughafen ins Interesse der Fluglinien. So war es während der Covid-Pandemie, und so ist es nun wegen des
Iran-Kriegs. Aktuell hat
Qatar Airways zwei Dutzend Großraum-Jets in
Teruel geparkt, Maschinen vom Typ
Airbus A330, A350 sowie
Boeing 787. Fern von Raketen und Kriegsschiffen hofft die mehrmals als „beste Airline der Welt“ ausgezeichnete Fluglinie, dass ihre Maschinen in der Einöde von
Teruel die Turbulenzen am Persischen Golf überdauern.Wir sind wie ein Krankenhaus mit Spezialisten aller Art.
Alejandro Ibrahim, GeschäftsführerAuf fünfeinhalb Millionen Quadratmeter stehen dafür an die 250 Stellplätze und anderthalb Dutzend Hangars zur Verfügung. 1000 Mitarbeiter kümmern sich um Flugzeugwartung, Lackierung, Demontage und Recycling, je nach Kundenwunsch. „Wir sind wie ein Krankenhaus mit Spezialisten aller Art“, sagte
Alejandro Ibrahim, der Geschäftsführer des Airports, im Interview mit der Zeitung
La Vanguardia.Viele der Stellplätze sind mit Flugzeugen belegt, die am Ende ihrer Dienstzeit zerlegt und recycelt werden. So war das auch mit dem Luftwaffen-
Airbus Konrad Adenauer, der von 2011 bis 2023 Deutschlands Regierungsflieger war. Von der nahe vorbeiführenden Autobahn kann man jede Menge Seitenleitwerke sehen. Aktuell sind nach Angaben des Betreibers um die 90 Flugzeuge geparkt, unter anderem von
Lufthansa.Vor der Eröffnung im Jahr 2013 wurde der Airport von der Opposition als „Flugzeugschrottplatz“ verunglimpft. Doch hat sich
Teruel besser entwickelt als manche aus heutiger Sicht sinnlose Megaprojekte, die im spanischen Bauboom der 2000er-Jahre entstanden, etwa der mittlerweile als Partyzone genutzte Flughafen von Ciudad Real.Der Flughafen
Teruel samt Landebahn. Holger Weitzel/IMAGO/imagebrokerWährend der Pandemie beherbergte der zwischen
Madrid, Saragossa und Valencia gelegene Flughafen bis zu 140 Flugzeuge und etablierte sich als sicherer Aufbewahrungsort. Das zog weitere Unternehmen aus der Luftfahrtbranche an, die Flugzeuge lackieren und Raketentriebwerke sowie Drohnen testen. Sogar Zeppeline werden in
Teruel gebaut.In Krisenzeiten gerät die Parkplatzfunktion wieder in den Vordergrund. „Wenn sich die Lage nicht verbessert, werden mehr Flugzeuge unsere Dienste benötigen“, prophezeit Airport-Chef Ibrahim. Ein wenig klingt er wie ein Klinikchef, der sich freut, wenn seine Betten belegt werden.