Irans Regime bestraft Kritiker und Oppositionelle durch Enteignungen. Auch dem früheren Kapitän des Fußballnationalteams,
Masoud Schodschaei, kommt sein Einsatz für mehr Demokratie teuer zu stehen.Die Kampagne der Islamischen Republik
Iran gegen prominente Kritiker und deren Eigentum hat nun auch
Masoud Schodschaei getroffen, den Kapitän der iranischen Auswahl beim WM-Turnier 2018 in Russland. Schodschaeis Vermögen sei beschlagnahmt, berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur Fars, die von der
Revolutionsgarde kontrolliert wird.Schodschaei hat 87 Länderspiele bestritten und ist der einzige iranische Fußballspieler, der sein Land bei sieben internationalen Turnieren vertreten hat. Er ist in
Iran und darüber hinaus für sein soziales Engagement bekannt. So hatte er sich unter anderem beim damaligen Präsidenten
Hassan Rohani dafür eingesetzt, dass Iranerinnen Fußballspiele der Männer im Stadion verfolgen können, und bei verschiedenen Anlässen auf die Ausbeutung von afghanischen Flüchtlingen in
Iran und die Not von geflüchteten Kindern aufmerksam gemacht sowie Korruption im iranischen Fußballverband angeprangert.Als Profi von Panionios Athen hatte er ein Spiel gegen Maccabi Tel Aviv bestritten und war deshalb 2017 vom iranischen Sportministerium zeitweise aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen worden. Zuletzt hatte er sich mit den Tausenden Opfern der Niederschlagung des Volksaufstands gegen die Islamische Republik Ende Dezember und im Januar solidarisiert.Schodschaei unterstützte die „Grüne Bewegung“Schodschaei, der seine Karriere 2023 beendet hat, war im Sommer 2009 einer von fünf Nationalspielern, die ein WM-Qualifikationsspiel in Südkorea mit einem grünen Armband bestritten und damit ihre Unterstützung für die „Grüne Bewegung“ für mehr Demokratie im Zuge der Präsidentschaftswahlen jenes Jahres zum Ausdruck gebracht hatten.Gleiches hatte auch der frühere Bundesligaprofi
Ali Karimi getan, der den iranischen Medienberichten zufolge nun ebenfalls von den Beschlagnahmungen seines Eigentums betroffen ist. Anders als Schodschaei lebt Karimi, der für Bayern München und
Schalke 04 in der Bundesliga und in der Champions League gespielt hat, seit Jahren im Ausland und ist prominenter Unterstützer von Reza Pahlavi, dem Sohn des 1979 gestürzten Schahs Mohammad Reza Pahlavi.Unklar ist, ob zudem Eigentum von
Zahra Ghanbari, der Kapitänin der iranischen Frauennationalmannschaft beschlagnahmt wurde. Unter den mehr als 400 Namen von durch die Islamische Republik als Regimegegner markierten Personen findet sich auch der Name
Zahra Ghanbari. Der iranische Fußballverband FFIRI behauptet, seine Kapitänin, die im März zunächst Asyl in Australien beantragt hatte und schließlich doch, mutmaßlich unter staatlichem Druck, nach
Iran zurückgekehrt war, sei nicht betroffen. Die Maßnahmen richteten sich gegen eine Frau selben Namens. Die Islamische Republik
Iran rächt sich seit jeher mit Beschlagnahmungen von Privateigentum an Regimekritikern. Seit sie von den Vereinigten Staaten und Israel am 28. Februar angegriffen wurde, sind unter anderem der frühere Bundesligastürmer Sardar Azmoun und der Schiedsrichter Alireza Faghani Opfer der staatlichen Gewalt geworden.Faghani ist einer der bekanntesten Schiedsrichter der Welt. Er hatte unter anderem das Finale des olympischen Männerturniers 2016 zwischen Brasilien und Deutschland gepfiffen und im vergangenen Jahr das Finale der Klub-WM zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Chelsea. Eine Anfrage der F.A.Z. an den Internationalen Fußball-Verband zu einer Reaktion auf die Maßnahmen gegen die genannten Sportler blieb bislang unbeantwortet.