11. März 2026Wirtschaft und Verbraucher ächzen unter den hohen Öl-Preisen. Nun soll die Eiserne Reserve für Linderung sorgen. Auch Deutschlands Wirtschaftsministerin
Katherina Reiche tritt in Aktion.https://p.dw.com/p/5AAuHÖl-Lager in
Augsburg (Archivbild)Bild: Frank Müller/IMAGODer Preis für Öl ist nach Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den
Iran und der Gegenschläge am Golf in die Höhe geschnellt. Denn das Nadelöhr des globalen Rohölhandels, die Straße von Hormus am Persischen Golf, ist quasi unpassierbar. Wegen der angespannten Lage an den Ölmärkten hatte die Internationale Energieagentur (IEA) am Dienstag eine Sondersitzung abgehalten. Es gehe darum, die aktuelle Versorgungssicherheit und die Marktbedingungen zu beurteilen, was Einfluss auf eine folgende Entscheidung über die mögliche Freigabe von nationalen Ölreserven habe, hieß es von der IEA. Agenturchef
Fatih Birol habe das Treffen mit den Regierungen der IEA-Mitgliedstaaten einberufen. IEA-Chef Birol: Einberufung einer SondersitzungBild: Ludovic Marin/AFP/Getty Images Auch Vertreter der
G7, der großen demokratischen Industrienationen, schalteten sich an diesem Mittwoch zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Auch dort ging es um die für Notfälle eingelagerten Öl-Reserven. Eine Freigabe der Notfall-Ölvorräte wird von der IEA koordiniert. Die Organisation verpflichtet ihre Mitglieder, ständig Ölbestände vorzuhalten, die mindestens 90 Tagen ihrer Netto-Importe entsprechen. Deutschland hatte Zahlen der IEA zufolge im November vergangenen Jahres exakt 34,42 Millionen Tonnen Öl auf Vorrat. Ein Teil davon wird nun auf den Markt gepumpt. Deutschland wolle 2,4 Millionen Tonnen seiner Reserve freigeben, kündigte Bundeswirtschaftsministerin
Katherina Reiche an. Die IEA hat nach Angaben der deutschen Ministerin ihre Mitglieder zur Freigabe von Ölreserven im Umfang von insgesamt 400 Millionen Fass gebeten. Das sei die größte Freigabe in der Geschichte der Agentur, sagte Reiche in Berlin. Bundeswirtschaftsministerin Reiche: "Definitiv dämpfender Effekt"Bild: Liesa Johannssen/REUTERS Die Bundeswirtschaftsministerin spricht von einem "sichtbaren Signal in den Markt", um hohe Risikoaufschläge und Spekulationsgewinne einzudämmen. "Wenn dem Markt Sorge genommen wird vor Knappheit, entspannen sich Preise und wir gehen definitiv von einem dämpfenden Effekt auf", so Reiche. 400 Millionen Fass (je 159 Liter) entsprechen 54 Millionen Tonnen Öl. Das würde die bisherige Rekordmenge von 182 Millionen Fass deutlich übertreffen, die zu Beginn des Ukrainekriegs freigegeben wurde. 400 Millionen Fass entsprächen in etwa der Menge, die vor dem Krieg innerhalb von 20 Tagen durch die Straße von Hormus transportiert wurde, heißt es aus Berlin. Der Bundeswirtschaftsministerin zufolge hatte insbesondere Japan auf eine Freigabe der Reserven gedrängt. Das Land ist stark von Öl- und Gasimporten aus der Golfregion abhängig. "Wenn eine solche Bitte an alle Mitgliedstaaten gerichtet wird, wollten wir uns als Bundesrepublik Deutschland nicht unsolidarisch zeigen, sondern einen Beitrag leisten", sagte Reiche. Auch US-Präsident Donald Trump zieht die Freigabe strategischer Ölreserven in Erwägung. Zudem denkt er offenbar über eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland nach, um zur globalen Preisdämpfung dem vergleichsweise günstigen russischen Öl die Rückkehr auf den Weltmarkt zu ermöglichen. Die EU warnt Trump jedoch vor einer Lockerung von Sanktionen, die sich auf russische Ölexporte beziehen. "Aus Sicht der Europäischen Union ist die Lage sehr klar. Wir müssen weiterhin maximalen Druck auf Russland ausüben", sagte EU-Kommissar Valdis Dombrovskis am Dienstag nach einem EU-Finanzministertreffen in Brüssel. EU-Kommissar Dombrovskis: "Russlands Einnahmen begrenzen"Bild: Geert Vanden Wijngaert/AP Photo/dpa/picture alliance Da der derzeitige Anstieg der Öl- und Gaspreise infolge des
Iran-Kriegs Russland unerwartete Zusatzeinnahmen verschaffen könnte, sei es wichtig, den bestehenden westlichen Preisdeckel für russisches Öl strikt durchzusetzen. Es gehe darum, Russlands Einnahmen zu begrenzen, betonte er. Eine Lockerung von Sanktionen wäre nach den Worten von Dombrovskis dagegen "selbst schädigend". Sie würde Russlands Fähigkeit stärken, Krieg zu führen, die Ukraine schwächen und auch die Ziele beeinträchtigen, die die USA und
Israel gegenüber dem
Iran zu erreichen versuchten, sagte er. Schließlich unterstütze Russland den
Iran in dem Krieg. Deutschland hält strategische Ölreserven für mindestens 90 Tage, um Versorgungsstörungen auszugleichen. Mit diesen sogenannten strategischen Ölvorräten könnte laut Bundeswirtschaftsministerium für drei Monate ein vollständiger Ausfall aller Importe ausgeglichen werden. Verantwortlich ist der Erdölbevorratungsverband (EBV), der Rohöl und Mineralölerzeugnisse (Benzin, Diesel, Kerosin) lagert. Die Vorräte an Erdölerzeugnissen sind den Angaben zufolge über ganz Deutschland verteilt, das Rohöl wird demnach vorwiegend in unterirdischen Speichern in Norddeutschland gelagert, von wo aus es über Pipelines oder auch per Schiff zur Verarbeitung in Raffinerien transportiert werden kann. Die IEA-Mitglieder geben ihre strategischen Ölreserven nur in Krisensituationen frei, um den Ölmarkt zu stabilisieren oder auf Versorgungsengpässe zu reagieren. Zu diesem Mittel wird selten gegriffen. Der IEA zufolge geschah dies seit ihrer Gründung vor gut 50 Jahren fünf Mal. Die Anlässe für die früheren Freigaben der Notreserven waren der Golfkrieg 1990/91, die von den Hurrikans "Katrina" und "Rita" 2005 angerichteten Schäden in den USA sowie der Ausfall von Ölexporte aus Libyen im Jahr 2011. Zuletzt wurden 2022 wegen des Ukraine-Kriegs nationale Ölreserven freigegeben.