Kriegsfolgen in Südostasien Sprit-Engpass bedroht Thailands Wirtschaft Stand: 14.04.2026 • 08:26 Uhr Wie viele Länder Südostasiens bekommt
Thailand Öl und Gas vor allem aus den Golfstaaten. Seit Beginn des dortigen Krieges werden steigende Energiepreise und Lieferengpässe immer mehr zum Problem. Die meisten der Maschinen in der stickigen Halle am Stadtrand laufen noch. 38 Grad Celsius herrschen in Thailands zweitgrößter Stadt
Chiang Mai. Doch das Geschäft mit Plastikflaschen und Trinkwasser stocke, sagt
Weerawan Yamkayai, Geschäftsführerin bei
Polestar Drinking Water. "Für vieles in unserer Produktion verarbeiten wir Plastik-Pellets als Rohstoff, deshalb hat uns die Situation so hart getroffen."
Weerawan Yamkayai, Geschäftsführerin bei Polestar, sorgt sich um die Produktion. Zur Plastik-Herstellung werden Stoffe verwendet, die beim Raffinieren von Erdöl entstehen. Weil anders als sonst kaum noch Erdöl aus den Golfstaaten nach
Thailand kommt, steigen die Kosten, beklagt die Unternehmerin. "Die Plastikpreise sind um 30 Prozent gestiegen. Auch die Treibstoffkosten haben sich erhöht", sagt sie und hofft sehr auf eine Lösung an der Straße von Hormus. "Solange bleibt unsere Lage sehr unsicher."
Weerawan Yamkayai betreibt das Familienunternehmen in
Chiang Mai seit 24 Jahren. Neben den Maschinen, in denen aus fingergroßen Plastik-Rohlingen mit Hitze und Druck Wasserflaschen entstehen, befinden sich in der Halle mehrere meterlange Regalreihen - doch allesamt sind leer. Hier würden sich sonst Säcke mit großen 1,5-Liter-Flaschen stapeln. Aber die Rohlinge sind derzeit nicht lieferbar. Wichtige Flaschen-Rohlinge sind derzeit nicht lieferbar. Das Trinkwasser aus
Chiang Mai kaufen Kunden in ganz
Thailand, darunter Kliniken und andere Großabnehmer. Die gestiegenen Spritpreise führen zu höheren Transportkosten, noch eine Sorge mehr. Noch kann sie ihre 85 Beschäftigten halten, aber andere Fabriken in der Branche hätte ihren Leuten schon kündigen müssen, sagt sie. Um beim Sprit gegenzusteuern, setzt Thailands Regierung seit Wochen auf einen Mix von Maßnahmen: Mal ein Preisdeckel, mal Subventionen von Biokraftstoffen. Doch ohne neue und stete Lieferungen aus der Golfregion bleibt der Druck weiter hoch. Dabei ist
Thailand in Südostasien nicht am schlimmsten betroffen. Den wirtschaftlich schwächeren Nachbarstaaten
Laos, Kambodscha und
Myanmar drohten noch größere Probleme, sagt
Jayant Menon vom Institut für Südostasienstudien in Singapur (
ISEAS Ishak Institute): "Die ärmsten Staaten Südostasiens werden sehr bald mit schwindenden Vorräten konfrontiert sein", warnt der Ökonom. "Wir befinden uns gerade im Übergang vom Schock aufgrund steigender Kraftstoffpreise hin zu Versorgungsengpässen. Sobald das richtig greift, werden die Auswirkungen noch viel größer werden", sagt Menon. In den ärmsten Staaten seien wiederum die ärmsten Menschen besonders gefährdet. Zum Beispiel Landwirte, die mit steigenden Düngerkosten kämpften, kaum über Erspartes verfügten und so schnell in eine Notlage kämen. "Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht", analysiert der Wirtschaftswissenschaftler. Selbst wenn sofort wieder Öl- und Gaslieferungen vom Persischen Golf nach Südostasien einsetzten, dauere es mindestens noch ein Jahr, bis die Staaten sich wirtschaftlich erholen - wahrscheinlich länger. "Schlimmstenfalls kommt es zu unumkehrbaren Folgen für die Volkswirtschaften", so Menon. Das würde ein langfristig schwächeres Wirtschaftswachstum in der Region bedeuten.