Steffen Martus: Was Literatur von der Gesellschaft weiß
Steffen Martus hat eine "Literaturgeschichte der Gegenwart" verfasst, die die deutsche Prosa der letzten vier Jahrzehnte analysiert. Die Studie beginnt mit dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 und untersucht, wie sich gesellschaftliche Veränderungen in der Literatur widerspiegeln. Martus argumentiert, dass Literatur nicht nur die Welt aufnimmt, sondern auch auf sie zurückwirkt. Er zeigt anhand von Textanalysen, wie sich das Verhältnis von literarischer Eigenständigkeit und Kontextbezug verändert hat, insbesondere der Übergang von heroischen zu postheroischen Erzählweisen. Die Studie kann als Gegenstück zu Erich Auerbachs "Mimesis" betrachtet werden, da sie die Entwicklung der deutschen Literatur bis zur Corona-Krise beleuchtet.