marktbericht
DAX schließt deutlich im Minus Ernüchterung an der Börse Stand: 20.03.2026 • 18:13 Uhr Der
DAX hat anfängliche Gewinne heute nicht halten können. Am Ende stand erneut ein empfindlicher Verlust. Der Krieg im Nahen Osten beginnt, an den Nerven der Anleger zu zehren. Nach einem freundlichem Start ist dem
DAX im Verlauf des heutigen Handelstages die Puste ausgegangen. In einer ersten Gegenbewegung auf den Absturz am Vortag wagten sich die Anleger zunächst zaghaft vor, der
DAX erreichte bei 23.176 Punkten sein Tageshoch. Halten konnte der deutsche Leitindex dieses Niveau aber nicht, sukzessive bröckelten die Gewinne ab - um sich gegen Sitzungsende im Sog einer schwächeren Wall Street noch auszuweiten. Am Ende schloss der
DAX bei 22.380 Punkten um 2,01 Prozent tiefer. Im Wochenvergleich ergab sich ein deutliches Minus von 4,5 Prozent. Auch am Rentenmarkt zogen die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen bis auf 3,03 Prozent an, der höchste Stand seit 2011. Anleger beginnen, eine
EZB-Zinserhöhung im April einzupreisen. Vage Hoffnungen auf ein Ende der Kampfhandlungen im Nahen Osten zerstreuten sich schnell, die Angst vor einer globalen Energiekrise durch den Nahost-Krieg kam im Gegenzug wieder auf. Für Nervosität sorgen insbesondere die anhaltenden Kapriolen am Ölmarkt. Das Nordseeöl Brent lag mit zuletzt rund 110 Dollar je Barrel weiterhin deutlich jenseits der psychologisch wichtigen 100-Dollar-Marke. Dass führende europäische Länder und
Japan anboten, sich den Bemühungen um eine sichere Durchfahrt für Schiffe durch die
Straße von Hormus anzuschließen, sorgte nur kurzzeitig für einen Preisrückgang. "Der Schaden ist angerichtet, und selbst wenn eine sichere Passage für Tanker durch Hormus irgendwie ausgehandelt wird, kann die Wiederbelebung der Logistik in vollem Umfang sehr lange dauern", sagte
Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei
Phillip Nova. Der Schiffsverkehr in der
Straße von Hormus ist durch den Krieg der USA und Israels gegen den
Iran praktisch zum Erliegen gekommen. Durch die Meerenge werden normalerweise rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssigerdgas-Lieferungen transportiert. Die Ölexporte aus der Region sind um mindestens 60 Prozent eingebrochen, was den Preis für Rohöl und auch Gas sprunghaft nach oben getrieben hat. Seit Beginn des Nahost-Krieges ist der Brent-Preis um gut 50 Prozent in die Höhe geschnellt. Gegenseitige Angriffe auf Energieanlagen am Golf verschärften die Situation zuletzt nochmals. Anleger fürchten nun, dass dies die Teuerung nach oben treiben und eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken zur Folge haben könnte. Der norddeutsche Rüstungszulieferer Vincorion hat derweil ein erfolgreiches Börsendebüt auf dem Frankfurter Parkett gefeiert. Der Aktienkurs legte am ersten Handelstag zeitweise auf 19,93 Euro zu und lag damit 17,2 Prozent über dem Ausgabepreis von 17 Euro. Der Schlusskurs lag bei 18,70 Euro. Vincorion hat sich auf Energieversorgung und Mechatronik für Panzer und Flugzeuge spezialisiert. Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine ist es der vierte Börsengang eines Rüstungskonzerns auf dem Frankfurter Börsenparkett. Aktien des Münchener Chipherstellers Infineon waren heute gegen den Trend gefragt, gaben die Gewinne aber zum Schluss wieder ab.
DAX-Tagessieger waren Heidelberg Materials. Im Gegenzug setzten SAP-Papiere ihren Ausverkauf mit einem Minus von rund 3,6 Prozent fort. Auch die US-Börsen leiden unter dem Fortgang des
Iran-Krieges und anhaltend hohen Ölpreisen. Wegen weiterer Angriffe des Irans auf Öl- und Gasinfrastruktur der Golfstaaten meiden Anleger vor dem Wochenende das Risiko. Der Leitindex Dow Jones stand zuletzt rund 0,5 Prozent im Minus bei 45.761 Punkten. Im Verlauf erreichte der US-Leitindex bei bisher 45.684 Zählern sein niedrigstes Niveau seit Oktober. Auch die anderen großen US-Indizes geben nach. Der Markt sei zu Beginn des Kriegs vor gut drei Wochen irrtümlich von einem nur kurzen Konflikt ausgegangen, kommentierte David Kruk, Leiter des Handels beim Vermögensverwalter La Financière de l'Echiquier in Paris. Die Stimmung unter den Anlegern habe sich eindeutig in Richtung einer pessimistischeren Haltung verschoben.