Debatte über
SPD-Spitze "Die Doppelrolle funktioniert nicht" Stand: 24.03.2026 • 13:18 Uhr Nach der Wahlniederlage der
SPD in
Rheinland-Pfalz fordert Juso-Chef Türmer Konsequenzen für die Parteispitze.
SPD-Chefin Bas sieht das anders. Für sie ergeben Personaldebatten derzeit "keinen Sinn".
CSU-Chef Söder warnt vor einem Linksrutsch. Juso-Chef
Philipp Türmer hat personelle Konsequenzen für der
SPD-Parteispitze gefordert. "Die Doppelrolle der Parteivorsitzenden, die zugleich Minister sind, funktioniert überhaupt nicht", kritisierte der Juso-Chef im Deutschlandfunk. Diese habe zu einem einheitlichen Schweigen zur grundsätzlichen Ausrichtung der Partei geführt. Die
SPD-Chefs
Bärbel Bas und
Lars Klingbeil "müssen beantworten, was sie anders machen wollen, oder ob sie ihre Positionen zur Verfügung stellen", sagte Türmer dem Spiegel. So wie es jetzt sei, könne es nicht weitergehen. "Mit diesem Kurs marschieren wir in den Abgrund." Der Ball liege jetzt bei Klingbeil und Bas. Türmer forderte zudem eine strategische Neuausrichtung seiner Partei. Die
SPD müsse künftig erkennbar für einen Aufbruch stehen, sagte er. Konkret nannte er etwa eine stärkere Besteuerung von sehr hohen Einkommen. In
Rheinland-Pfalz hatte die
CDU die
SPD am Sonntag erstmals seit 35 Jahren von der Spitze der Regierung verdrängt. In
Baden-Württemberg hatte die
SPD Anfang März mit 5,5 Prozent bereits das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt eingefahren. Die
SPD-Vorsitzende Bas lehnte einen Rücktritt des Parteivorstands erneut ab. Die Frage nach neuen Köpfen an der Parteispitze sei in einer Vorstandssitzung am Tag nach der Wahl "offensiv angesprochen" worden, sagte Bas in den tagesthemen. Die Parteiführung sei jedoch "einhellig der Meinung" gewesen, dass es "keinen Sinn macht", diese Debatte jetzt zu führen. Die Menschen erwarteten, "dass die
SPD sich jetzt nicht in Selbstzerfleischung ergießt", so die Ministerin. Ähnlich sieht das Verteidigungsminister
Boris Pistorius, der sich hinter die
SPD-Parteispitze stellte. "Ich sehe keine angeschlagenen Parteivorsitzenden", sagte der
SPD-Politiker am Rande seiner Asien-Reise in
Singapur. "Es ist nicht ihre Niederlage, sondern wenn, dann ist es eine Niederlage der
SPD, und die müssen wir gemeinsam aufarbeiten und klären, wie es weitergeht", so Pistorius weiter. Auch
SPD-Parteivize
Petra Köpping wies Forderungen nach einer personellen Neuaufstellung ihrer Partei zurück. Angesichts des Zustands ihrer Partei und auch des Landes wäre es keine gute Lösung, wenn die
SPD nach "außen signalisiert, dass man sich mit inneren Sachen beschäftigt", sagte die stellvertretende
SPD-Vorsitzende im BR. Die Landtagswahl in
Rheinland-Pfalz habe gezeigt, dass sich die Wahrnehmung der Menschen verschoben habe, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Esra Limbacher im ARD-Morgenmagazin. Die
SPD würde nicht mehr als "Kämpferin für die arbeitende Mitte" gesehen. Deshalb müsse sich der Fokus nun "komplett verändern". "Die Art, wie wir auftreten, die Art für welche Themen wir kämpfen hier in Berlin. Das muss sich ändern, sonst haben wir ein sehr, sehr großes Problem", sagte Limbacher.
CSU-Chef
Markus Söder warnte die
SPD nach der Wahlschlappe in
Rheinland-Pfalz vor einem Linksrutsch. Die
CSU freue sich zwar sehr über das Ergebnis der
CDU in
Rheinland-Pfalz, "wir sehen aber gleichzeitig die Dramatik beim Koalitionspartner
SPD", sagte der bayerische Ministerpräsident dem stern. Er hoffe weiter auf eine konstruktive Zusammenarbeit von
SPD und Union in der Bundesregierung. "Wir hoffen sehr, dass aus den Wahlergebnissen die richtigen Schlüsse gezogen werden bei der
SPD. Ein falscher Schluss wäre aus unserer Sicht, linker zu werden, sondern wir brauchen eher Reformen", sagte Söder. Wichtige Reformen der schwarz-roten Koalition müssten bis Pfingsten auf den Weg gebracht werden. "Jetzt müssen alle raus aus ihren ideologischen Elfenbeintürmen. Es gibt keine Ausreden mehr", so der bayerische Ministerpräsident.