Verhandeln, Drohungen, Truppen: Im
Iran-Krieg sendet US-Präsident Trump weiterhin widersprüchliche Signale. Einerseits verlängerte er erneut das Ultimatum, andererseits sollen offenbar 10.000 weitere Soldaten in die Region geschickt werden. Fast vier Wochen ist es her, dass
Israel und die USA den Krieg gegen
Iran begonnen haben - und ein Ende ist nicht in Sicht. Zwar verlängerte der US-Präsident das Ultimatum an die Führung in
Teheran für die Öffnung der Straße von Hormus, zugleich aber erwägt das
Pentagon offenbar die Entsendung von 10.000 zusätzlichen Soldaten in die Region. Das berichten das
Wall Street Journal und das Portal
Axios unter Berufung auf Quellen im Verteidigungsministerium. Laut
Wall Street Journal sollen sie die rund 5.000 Soldaten verstärken, die vor Ort sind und die Tausenden Fallschirmjäger der 82. Luftlandedivision unterstützen, die bereits in die Region beordert wurden. Die Zeitung hält es für wahrscheinlich, dass die zusätzlichen Kräfte in direkter Nähe zu
Iran und der strategisch wichtigen Insel Charg stationiert werden dürften, über die etwa 90 Prozent der iranischen Erdölausfuhren abgewickelt werden. Das Szenario einer drohenden Bodenoffensive in
Iran würde mit weiteren US-Soldaten in der Region realistischer, der Druck auf
Teheran weiter steigen. Laut
Axios erarbeitet das
Pentagon militärische Optionen für einen "endgültigen Schlag" gegen
Iran - inklusive dem Einsatz von Bodentruppen und schweren Bombardements. Trump habe noch keine Entscheidung dazu getroffen, sei aber bereit zu eskalieren, falls die Gespräche mit
Iran nicht bald Ergebnisse bringen sollten. Das Zeitfenster für Gespräche hat Trump unterdessen erneut verlängert - zum zweiten Mal. Sein ursprünglich 48-stündiges Ultimatum an
Iran hatte er zunächst um fünf Tage und nun um weitere zehn Tage verlängert. Auf Ersuchen der iranischen Regierung werde er vorerst bis zum 6. April von Bombenangriffen auf iranische Kraftwerke absehen, erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social. "Sie haben um sieben Tage gebeten", sagte er dem Sender
Fox News mit Blick auf die iranische Führung. "Und ich sagte: 'Ich gebe euch zehn.'" Die neue Frist endet nach deutscher Zeit nun am 7. April um 2 Uhr nachts. Allerdings hatte die Führung in
Teheran zuvor schon erklärt, dass sie sich ohnehin keinem Ultimatum zu beugen gedenke. Auch gibt es widersprüchliche Angaben darüber, ob nun verhandelt werde oder nicht. Trump erklärte, dass er mögliche Maßnahmen aufschiebe, weil die Gespräche zur Beendigung des Konflikts "sehr gut" liefen - obwohl
Iran weiterhin betont, dass er nicht mit dem Weißen Haus über einen angeblichen 15-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges verhandle. Am Mittwochabend hatte Irans Außenminister Abbas Araghtschi im iranischen Staatsfernsehen mitgeteilt, es habe keine Verhandlungen mit den USA zur Beendigung des Krieges gegeben und der
Iran plane dies auch nicht. Pakistan bestätigte am Donnerstag jedoch indirekte Verhandlungen mit Unterstützung der Türkei, Ägyptens und weiterer "Bruderstaaten". Ein dabei übermittelter 15-Punkte-Plan der US-Regierung sieht laut Medienberichten die Wiederöffnung der weitgehend gesperrten Straße von Hormus für den Schiffsverkehr sowie strikte Beschränkungen für das iranische Atomprogramm vor. Im Gegenzug sollen demnach die Sanktionen gegen den
Iran aufgehoben werden. Laut Bundesaußenminister Johann Wadephul gibt es Vorbereitungen für ein direktes Treffen zwischen Vertretern der USA und Irans. "Das soll wohl in der nächsten Zeit recht kurzfristig in Pakistan stattfinden", sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.
Iran hatte nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe die Straße von Hormus praktisch blockiert, durch die etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls verschifft wird, aber auch große Mengen verflüssigtes Erdgas und Düngemittel. Die USA verlangen die Freigabe der Meerenge. Das iranische Regime ließ zwar wieder einige Schiffe passieren, verlangt nach Angaben des Generalsekretärs des Golfkooperationsrats, Dschasem Mohammed al-Budaiwi, jedoch mittlerweile eine Art Maut dafür. Experten der Schifffahrtsseite Lloyd's List berichteten, dass mindestens zwei Schiffe in chinesischen Yuan bezahlt hätten, um die Meerenge passieren zu können.
Iran strebt eine dauerhafte Kontrolle der Durchfahrt an. Die für den weltweiten Ölexport extrem wichtige Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman könne nicht mehr so sein wie früher, sagte Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf bereits vor gut zwei Wochen. Der Krieg geht unterdessen unvermindert weiter. Israels Armee griff eigenen Angaben zufolge in der Nacht erneut Ziele in
Iran an. Ins Visier seien dabei unter anderem Produktionsstätten für ballistische Raketen, Raketenlager und Raketenabschussrampen genommen worden, teilte das israelische Militär mit. Angriffe habe es unter anderem in der iranischen Hauptstadt
Teheran gegeben. Ziel sei es, den iranischen Beschuss auf
Israel einzuschränken. Die iranische Revolutionsgarde berichtete ihrerseits von Angriffen auf Ziele in
Israel sowie auf von der US-Armee genutzte Stützpunkte in mehreren Golfstaaten. Bei den Angriffen seien Lang- und Mittelstreckenraketen sowie "zerstörerische und umherstreifende Drohnen" eingesetzt worden, hieß es in einer von den iranischen staatlichen Nachrichtenagenturen Irna und Fars verbreiteten Erklärung der Revolutionsgarde. Die Attacken hätten sich gegen Ziele in
Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Kuwait und Bahrain gerichtet. In Bahrain sei eine Wartungsanlage für das US-Luftverteidigungssystem "Patriot" ins Visier genommen worden.
Israel und die USA hatten am 28. Februar mit Luftangriffen auf
Iran begonnen.
Iran reagiert seither mit Raketen- und Drohnenangriffen auf
Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Region.