Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.Wichtige UpdatesDie Space-Erfahrungen der vier AstronautenTime to say goodbye Die Mondlandung 1969 in der SZDie Wasserstofftanks sind vollDie Startrampe fest im BlickLetzte Vorbereitungen - und ein behobenes ProblemNachdem sich die vier Astronauten im so genannten White Room am Ende des Zugangs zur Kapsel an der Wand mit Autogrammen verewigt haben, sitzen sie nun in der
Orion-Kapsel. Dort haben sie sich in ihren Sitzen festgeschnallt und die Kommunikation getestet. Die Ingenieure machen auch letzte Tests und Überprüfungen der Dichtungen, bevor sie die Luke schließen und den nötigen Luftdruck aufbauen können. Wenn sie verriegelt ist, sind die Astronauten offiziell in ihrem Raumschiff eingeschlossen. Laut Livestream gab es jedoch ein Problem bei der Kommunikation mit dem Start-Abbruchsystem, aber der Countdown ging erstmal weiter. Die Ingenieure haben das System getestet und Entwarnung gemeldet, keine Probleme mehr. Die Bodenstation braucht es, um im Notfall die Kapsel trennen und dann ein Signal zur Zerstörung der Rakete senden zu können, falls diese während des Aufstiegs vom Kurs abweichen sollte. Auch das Wetter scheint zu passen. Die Chance für einen Start liege bei 80 Prozent Wahrscheinlichkeit. Vier Ingenieure stemmen sich gerade gegen die Luke, um sie zu schließen, wie im Stream zu sehen ist.Die Space-Erfahrungen der vier AstronautenVictor Glover, 49, ist seit 2013 Astronaut und gehörte 2020/21 der ersten offiziellen Crew auf der Internationalen Raumstation ISS an, die mit der Dragon-Kapsel von
Space-X zur ISS geflogen ist. Der Ingenieur und Kampfpilot war fünfeinhalb Monate auf der ISS und absolvierte vier sogenannte Weltraumspaziergänge. Dies klingt gemütlich, ist aber eher anstrengend, schweißtreibend und lebensgefährlich, weil dabei Reparaturen und Installationen außerhalb der ISS anstehen. Nun ist er der Pilot von
Artemis 2.
Jeremy Hansen, 50, ist Physiker und Kampfpilot aus Kanada, er ist seit 2009 Astronaut, war aber noch nie im All. Der Flug ist für ihn also eine Premiere – und dann gleich in Richtung Mond. Dabei arbeitet er als Missionsspezialist.
Christina Koch, 47, ist Physikerin und Elektroingenieurin, seit 2013 Astronautin, und war 2019/20 mit einer Sojus-Expedition fast elf Monate auf der ISS, mit fünf Außeneinsätzen. Nun ist sie die erste Frau, die in die Nähe des Mondes kommt – ebenfalls als Missionsspezialistin. Reid Wiseman, 50, ist IT-Ingenieur und Kampfpilot und seit 2009 Astronaut. Er war 2014 mit der Sojus etwa fünfeinhalb Monate auf der ISS. Dort absolvierte er auch zwei Außeneinsätze, einen mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst. Nun fliegt er als Missionsspezialist zum Mond. Noch 17 Minuten, dann Go for launch!Die Ingenieure haben die Luken der
Orion-Kapsel geschlossen und wollen den White Room verlassen. Allerdings gibt es nun Probleme mit einer Batterie des Start-Abbruchsystems, es wird gerade geprüft, wie relevant dies für den Start ist. Mittlerweile scheint das Problem gelöst, go for launch!Theresa PalmDiese Antriebe bringen die Rakete in die LuftAlle Triebwerke feuern gleichzeitig zum Abheben: Die beiden seitlich aufgesetzten weißen Raketen tragen etwa 75 Prozents des Schubs zum Start bei. Nach 129 Sekunden haben die Feststoffbooster ausgedient und werden abgeworfen. Die orangefarbene Hauptstufe der SLS-Rakete hält etwas länger durch: Die vier Triebwerke verbrennen die Ladung von 2,7 Millionen Litern flüssigem Treibstoff innerhalb von acht Minuten. Wenn auch die Hauptstufe abgeworfen wird, wird die
Orion-Raumkapsel mit der Crew in 155 Kilometern Höhe bereits außerhalb der Erdatmosphäre und etwa 28 000 Kilometer pro Stunde schnell sein.Dort übernimmt die Oberstufe, die sogenannte Interim Cryogenic Propulsion Stage (ICPS). In ihr stecken ebenfalls tiefgekühlte Gase als Treibstoff. Mit zwei Verbrennungs-Schüben etwa 50 und 110 Minuten nach dem Start bringt die ICPS das Raumschiff auf eine höhere Umlaufbahn um die Erde. Den Antrieb zum Mond übernimmt dann später das European Service Module.Auch Berliner sind an BordMit der Artemis-2-Mission nimmt die Nasa auch verschiedene Kleinsatelliten mehrerer Start-ups mit, um sie im All auszusetzen. Darunter ist auch die Berliner Firma Neurospace, die kleine Rover baut, die irgendwann auf dem Mond herumfahren und Astronauten unterstützen sollen. Mit einem Kleinsatelliten, der nun bei Artemis mitfliegt, will die junge Firma die Auswirkungen der Strahlung auf die Rover-Technologie im All testen. Mehr über die Berliner Gründer um Irene Selvanathan lesen Sie hier:Launch Complex 39Die Mondrakete der Artemis-2-Mission startet vom berühmten Startplatz 39 in Cape Canaveral, an dem bereits die Saturn-Raketen der Apollo-Mondmissionen in den Sechziger/Siebzigerjahren und später die Space Shuttles ins All aufgebrochen sind. Die meisten Mondflüge starteten allerdings von der Rampe 39A, die mittlerweile Elon Musks Raumfahrtfirma
Space-X für seine Starts der Falcon 9 zur ISS gemietet hat. Später soll hier auch das Starship starten.
Artemis 2 soll dagegen an der Rampe 39B abheben.Gerst auch vor Ort Auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst, ein guter Freund von Artemis-Kommandant Reid Wiseman, ist am Weltraumbahnhof beim Start dabei. Gerst wäre sicherlich selbst gerne mitgeflogen und strahlt gleichzeitig aus, dass er und mit ihm die gesamte Menschheit einem historischen Ereignis beiwohnt. Im Gespräch mit der SZ sagt Gerst: „Heute ist der Beginn der zweiten Welle der Exploration des Weltraums“. Wann dürfen die Astronauten schlafen?Um 9.25 Uhr US-Ostküstenzeit sind
Victor Glover,
Jeremy Hansen,
Christina Koch und Reid Wiseman an diesem Mittwoch im Astronautenquartier in Cape Canaveral geweckt worden. Erst um 2.54 Uhr, dann ist es in Europa bereits fast 9 Uhr morgens, dürfen sie sich wieder aufs Ohr legen, sofern das die Schwerelosigkeit zulässt. Allerdings nur für knapp vier Stunden, weil dann kurz die Triebwerke gezündet werden, um die
Orion-Kapsel auf den Schuss in Richtung Mond am zweiten Flugtag vorzubereiten. Gegen 9.30 Uhr Ostküstenzeit am Donnerstagmorgen dürfen sie ihren Schlaf fortsetzen, Wecken ist dann wieder um kurz nach 14 Uhr. Dann beginnt der nächste lange Tag - erst um 3.54 Uhr Ostküstenzeit dürfen sie wieder schlafen.Ähnlich wie auf der Internationalen Raumstation ISS nächtigen die Raumfahrer in Schlafsäcken. Der Nasa zufolge haben sie dafür an Bord der
Orion leichte Schlafsäcke, die an den Wänden oder der Decke befestigt sind. Man kann sich dies wie vier gespannte Hängematten vorstellen, die quer durch die Kabine verlaufen. Die komplette Crew soll zur selben Zeit schlafen, "um sicherzustellen, dass sie für die Mission ausgeruht sind".Weit, weit weg Nie waren Menschen bisher weiter von ihrem Heimatplaneten entfernt, als die Astronauten der Unglücksmission Apollo 13. Die Astronauten Fred Haise, Jim Lovell und Fred Swigert erreichten nach Nasa-Angaben jedenfalls am 15. April 1970 mit Kapsel und angekoppelter Rettungs-Mondfähre eine Entfernung von 400 171 Kilometern von der Erde.Je nach Starttag könnte dieser Rekord von
Artemis 2 getoppt werden. Beim unbemannten Testflug von Artemis 1 erreichte die Kapsel
Orion jedenfalls fast 434 523 Kilometer.Am kommenden Montag könnte es kurz vor 19 Uhr Ostküstenzeit so weit sein. Dann sollen die Artemis-Astronauten dem Mond am nächsten kommen, aber auch am weitesten von der Erde entfernt sein. Der erdfernste Punkt, den die Artemis-2-Besatzung bei ihrer Mondumrundung auf der Mondrückseite erreichen wird, hängt vom genauen Starttag und der Startzeit ab.Dies gilt auch für die größte Annäherung an die Mondoberfläche. Somit wird die
Orion-Kapsel in einer Höhe von 6400 bis 9000 Kilometern über dem Mond fliegen. Bei Artemis 1 flog die Kapsel zweimal um den Mond und ging bis auf eine Höhe von knapp 130 Kilometern über der Kraterlandschaft herunter.Orange und lächelnd: Das sind die vier Astronauten Sie scheinen entspannt zu sein vor ihrer historischen Mission: Die vier Astronauten in ihren orangenen Anzügen. Bald sollen
Jeremy Hansen,
Victor Glover, Reid Wiseman und die einzige Frau
Christina Koch (im Bild von links nach rechts) als erste Menschen seit 1972 in Richtung Mond aufbrechen. Gute Laune haben sie offenbar. Time to say goodbye Die Astronauten Reid Wiseman,
Victor Glover,
Christina Koch und
Jeremy Hansen haben das Gebäude verlassen und den Mini-Van bestiegen, der sie zur Rakete bringt. Auf dem Weg zum Auto gab es eine kurze Gelegenheit, sich von ihren Familien zu verabschieden - ohne Umarmung. Der Kanadier Hansen sprach rund zwei Minuten mit seiner Frau und den Kindern. Es war zu hören, dass sich eine der Töchter unter anderem nach dem Wetter erkundigte. „The weather‘s good“, sagte Hansen. Dann verabschiedete er sich mit den Worten „Alright, love you guys“ und stieg in den Bus.Bonjour TristesseDas Gebäude namens OSB, in dem die drei Astronauten und die Astronautin von
Artemis 2 in den vergangenen Tagen ihre Quarantäne verbracht haben, sieht ein bisschen so aus wie ein OBI-Baumarkt von hinten. Dafür haben die vier, wenn alles gut läuft, ja ein paar schöne Aussichten vor sich.Die Mondlandung 1969 in der SZMitte Juli vor 57 Jahren machten sich drei amerikanische Astronauten auf den Weg in Richtung Mond. Dann, am 21. Juli 1969 um 03.56 Uhr (deutscher Zeit), war es geschafft: Neil Armstrong und Buzz Aldrin betraten als erste Menschen den Mond.Die Süddeutsche Zeitung widmete der Apollo-11-Mission zum Abflug der Astronauten vier Tage zuvor eine große Meldung auf ihrer Titelseite.Am Tag nach der Landung erschien auf der Seite Drei der SZ ein Text von Rudolf Metzler mit dem Titel "Die Zeit der Witzfiguren ist vorbei"."In dieser denkwürdigen Nacht, in der der Mensch im wahrsten Sinne des Wortes Fuß faßte in der unendlichen Weite des Weltraums, gab es gewiß Millionen, die nicht Augenzeugen dieses atemberaubenden Geschehens sein konnten", schrieb Metzler.Einer davon sei Michael Collins gewesen, der in der Kommandokapsel den Erdtrabanten umkreiste, während sein Kollege Armstrong auf den Mond trat und sagte: "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein Riesensprung für die Menschheit."Die vier Astronauten Reid Wiseman,
Victor Glover,
Christina Koch und
Jeremy Hansen, die Mittwochabend von Cape Canaveral in Richtung Mond starten sollen, werden den Erdtrabanten auch nicht betreten, sondern ihn zehn Tage lang umrunden.Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Eintrags hieß es, dass Neil Armstrong und Buzz Aldrin die bisher einzigen Menschen auf dem Mond waren. Das ist falsch. Richtig ist, dass seitdem noch zehn weitere amerikanische Astronauten den Erdtrabanten betreten haben. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.Was macht das Wetter?Alle haben vor Ort das Gefühl, es kann jetzt eigentlich nur noch am Wetter scheitern. Auf drei Phänomene kommt es hier laut Experten besonders an: Cumuluswolken, Zirruswolken und Höhenwinde. Etwa sechs Stunden vor dem Start zieht eine dunkle Regenwolke über den Weltraum-Bahnhof hinweg. Die wird doch nicht…?Die Launch-Direktorin Charlie Blackwell-Thomson sagt aber, die Start-Wahrscheinlichkeit bleibe bei 80 Prozent, man erwarte, dass die Wolken bis zum Abend verzogen seien.Der Mond ist eine GlaubensfrageBevor die Wirrköpfe nun auch zu dieser Mondmission wieder die Narrative entern wollen: Besser die Profis ranlassen! In der für Dinge der Vorstellungskraft verantwortlichen Popkultur ist der Mond schließlich seit jeher eine große Glaubensfrage. Ort der Mystik und Verschwörungen. Schwer zu überwachender Wirkraum ominöser Kräfte und abstrakter Gefahren. Vulgo: Gab es die Mondlandung wirklich? Und was passiert eigentlich auf der abgewandten, der dunklen, der „Dark Side of the
Moon“?Den zwingendsten Song dazu haben R.E.M. Anfang der Neunziger geschrieben. „Man on the
Moon“ ist eigentlich Andy Kaufman gewidmet. Der Text nimmt Lebens- und Karrierestationen der Komikerlegende und verbindet sie mit weiteren Verschwörungserzählungen. Darunter eben die angeblich in Filmstudios inszenierte Mondlandung, oder die vermeintlich fingierten Tode von Elvis und Kaufman selbst. Und alles kulminiert dann in diesem unendlich guten Refrain, der – wie so oft bei der Band – nach absoluter Größe und Gültigkeit strebt, sich dabei aber gleichzeitig mit erhabener Noblesse zurückhält: „If you believed they put a man on the
Moon / (Man on the
Moon) / If you believe there’s nothing up his sleeve / Then nothing is cool“.Zu den tollsten Mythen rund um Kaufman gehört übrigens, dass er als Jim Carrey zurückgekehrt ist. Der ihn dann in Miloš Formans Biopic „Man on the
Moon“ verkörperte. Der seinen Namen wiederum vom genannten R.E.M.-Song hat. Der ja Kaufman besingt. Und immer so weiter, was mal wieder zeigt, dass die Realität bestimmt auch super ist, auch und gerade, was den Mond betrifft, aber mit der Fantasie kann sie dann eben doch nie mithalten.Mehr ladenTickarooLive Blog Software