2. April 2026"Wir fliegen für die Menschheit": Die
Artemis 2-Crew ist auf dem Weg zum
Mond. Mit dem Start der
Orion-Kapsel läutet die
NASA eine neue Ära der Raumfahrt ein. https://p.dw.com/p/5BZ2HAufbruch zu einer weiten Reise: Start des Raketensystems "
Space Launch System" am Weltraumbahnhof
Cape Canaveral im US-Bundesstaat FloridaBild: Jim Watson/AFPErstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert sind wieder Menschen auf dem Weg zum
Mond. Vier Astronauten hoben um 18:35 Uhr Ortszeit (00:35 Uhr MESZ) an Bord der
Orion-Kapsel mit dem Raketensystem "
Space Launch System" vom Weltraumbahnhof
Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab. Der Beginn der krisengeplagten Mission
Artemis 2 war zuvor wegen technischer Probleme mehrfach verschoben worden. "Der heutige Start ist ein entscheidender Moment für unsere Nation und für alle, die an die Forschung glauben", sagte
NASA-Chef
Jared Isaacman. "
Artemis 2 ist der Start von etwas, das größer ist als nur eine Mission. Es ist der Beginn unserer Rückkehr zum
Mond, nicht nur zum Besuchen, sondern irgendwann auch zum Bleiben in unserer Mondstation." Man lege die Basis für die nächsten "gigantischen Schritte". Kurz nach dem Start sei vorübergehend die Kommunikation zwischen den Astronauten an Bord der
Orion-Kapsel und dem Kontrollzentrum auf der Erde abgebrochen, sagte Isaacman. Das Problem habe aber schnell gelöst werden können und werde nun aufgearbeitet.Wir sind dann mal weg: Kommandant
Reid Wiseman,
Christina Koch,
Victor Glover und
Jeremy Hansen (v. r. n. l.)Bild: Aubrey Gemignani/
NASA/AFP Es sei ein "historischer Tag", hatte der deutsche Astronaut Alexander Gerst der Deutschen Presse-Agentur noch vor dem Abheben der Rakete gesagt. Sein Astronautenkollege Matthias Maurer sprach von einem "ganz neuen Kapitel für die Raumfahrt". Die Europäer seien "ein großer Teil dieser Mission, und unser Beitrag wird langfristig auch Europäer zum
Mond bringen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. US-Präsident Donald Trump hatte ebenfalls vor dem Start auf seiner Online-Plattform kommentiert: "Wir gewinnen im Weltraum, auf der Erde und überall dazwischen - wirtschaftlich, militärisch und jetzt auch über die Sterne hinaus." Was genau Trump mit der Formulierung meinte, blieb offen. Als "Sterne" gelten in der Astronomie selbstleuchtende Himmelskörper wie etwa die Sonne; der
Mond fällt nicht darunter. Nach dem Start gratulierte der US-Präsident der
NASA und den "mutigen" Astronauten zu Beginn einer Rede an die Nation."Wir fliegen zum
Mond", rief ein Zuschauer in einem Park in Florida, als die 98 Meter hohe Trägerrakete die Erde verließBild: Miguel J Rodriguez Carrillo/AFP
Artemis 2 baut auf den Erfahrungen der unbemannten Mission Artemis 1 von 2022 auf. An Bord der
Orion-Kapsel soll die Crew - bestehend aus der US-Astronautin
Christina Koch, ihren US-Kollegen
Victor Glover und
Reid Wiseman sowie dem kanadischen Raumfahrer
Jeremy Hansen - etwa neun Tage lang unterwegs sein und dabei den
Mond umrunden. Für Glover, Koch und Wiseman ist es der zweite Flug ins All, für Hansen der erste. Koch ist die erste Frau an Bord einer
Mond-Mission der
NASA, Glover der erste Schwarze und Hansen der erste Kanadier. Die
Orion-Kapsel fliegt größtenteils vollautomatisch. Zu Testzwecken sollen die Astronauten aber immer wieder auch manuell steuern. Zudem müssen sie alle Systeme wie auch ihre eigene Gesundheit mit Hilfe zahlreicher Tests, Sensoren und Messungen überprüfen. Die europäische Raumfahrtbehörde ESA hat zur
Orion-Kapsel unter anderem ein im Bremer Airbus-Werk gefertigtes Servicemodul beigesteuert.Blick von oben: Satellitenaufnahme der Trägerrakete "
Space Launch System" auf Startrampe 39 BBild: Vantor/AFP Die grafische Darstellung des geplanten Flugverlaufs ähnelt einer riesigen Acht, die Erde und
Mond umschließt. Die vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen. Am weitesten Punkt sollen sie sich zwischen 370.000 und 450.000 Kilometer von der Erde entfernt und mehr als 6.500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite des Mondes befinden. Von dort aus können sie auch Erde und
Mond gleichzeitig sehen. Bei der größten Annäherung wiederum wird der Erdtrabant den Astronauten nach
NASA-Angaben so groß erscheinen wie ein Basketball, den man auf Armeslänge entfernt hält. Der erste Mensch, der den
Mond betrat, war am 20. Juli 1969 der US-Amerikaner Neil Armstrong. Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017 gestorbene
NASA-Astronaut Eugene Cernan während der Apollo-17-Mission den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den
Mond.Bald ganz nah: Die Astronauten sollen den
Mond so groß sehen wie einen Basketball, den man auf Armeslänge entfernt hältBild: Slavek Ruta/ZUMA/IMAGO Das milliardenschwere Artemis-Programm - benannt nach der Göttin des Mondes und Zwillingsschwester des Gottes Apollon aus der griechischen Mythologie - wurde von der
NASA 2017 verkündet. Ursprünglich sah es eine bemannte Mondlandung (Artemis 3) bis 2024 vor. Seitdem kam es aber mehrfach zu Verschiebungen. Der neue
NASA-Chef Isaacman hatte die Artemis-Pläne vor nicht allzu langer Zeit komplett umgeworfen. Die Mission Artemis 3, mit der ursprünglich frühestens 2028 eine Crew auf dem
Mond landen sollte, dürfte nun bereits im kommenden Jahr starten - dann aber ohne Mondlandung. Zudem soll es 2028 möglicherweise gleich zwei Mondlandungsversuche geben - Artemis 4 und Artemis 5. Außerdem wird eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem
Mond anvisiert. Experten stellen allerdings in Frage, ob der Zeitplan eingehalten werden kann. Für die USA symbolisiert die Rückkehr zum
Mond strategisch die technologische und geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Eine dauerhafte Präsenz dort gilt als Weg, nationale Interessen in der Raumfahrt zu sichern und internationale Kooperationen zu prägen. US-Präsident Trump, in dessen erster Amtszeit das Programm ins Leben gerufen worden war, verbucht es auch als persönlichen Erfolg. Schon seit Jahren gibt es einen neuen Wettlauf von Raumfahrtnationen zum
Mond: Größter Konkurrent der USA ist China mit dem Ziel, bis 2030 Menschen auf den
Mond zu bringen. Auch Russland will mit Menschen auf den Erdtrabanten, hat aber mit Verzögerungen zu kämpfen.