Die
NATO und Bündnispartner USA Ist diese Beziehung noch zu retten? Stand: 09.04.2026 • 18:28 Uhr Der US-Präsident als verlässlicher Bündnispartner - nach neuen Kontroversen beim Treffen mit
NATO-Generalsekretär Rutte steht das mehr denn je infrage. Ob er diesmal seine Drohungen wahr macht? In Brüssel wappnet man sich bereits. Nach dem Gespräch im Weißen Haus machte der
NATO-Generalsekretär gar keine Anstalten, noch etwas schön zu reden. Sehr offen sei das Gespräch mit
Donald Trump gewesen, berichtete
Mark Rutte, und sehr offen, das bedeutet in solchen Fällen: offen kontrovers, es gab heftige Kritik. Immerhin, den Hinweis, dass er mit Trump gut befreundet sei, konnte Rutte sich im Interview mit CNN nicht verkneifen. Es seien eher die alliierten Partner, die den Zorn des amerikanischen Präsidenten erregt haben. Trump sei enttäuscht, und das könne er auch verstehen, sagte Rutte. Dann gab der
NATO-Generalsekretär im amerikanischen Fernsehen eine Einschätzung ab, die nicht in allen europäischen Hauptstädten gut angekommen sein dürfte. Es ging um die Frage, ob denn die Mehrheit in der
NATO den Krieg der USA gegen
Iran für illegal hält. Rutte verneinte das. Rutte erinnerte zwar daran, dass in der
NATO immer die Position vertreten wurde, dass Atomwaffen nicht in die Hände Irans geraten dürfen. Was Rutte nicht erwähnt: Mehrere
NATO-Länder hatten den
Iran-Krieg als eindeutig völkerrechtswidrig verurteilt, darunter Spanien und Frankreich. Viele andere haben aus ihrer Kritik kein Geheimnis gemacht - und das mit dem Verbot von Überflugrechten für amerikanische Kampfflugzeuge auch öffentlich gemacht. Nun scheint Trump entschlossen, den Druck auf die Alliierten zu erhöhen. Nach einem Bericht des Spiegel hat der amerikanische Präsident den Europäern ein Ultimatum für die Unterstützung in der
Straße von Hormus gesetzt. Dem widersprach eine
NATO-Sprecherin am Nachmittag jedoch. "Es ist klar, dass die USA konkrete Zusagen und Maßnahmen erwarten, um die freie Schifffahrt in der
Straße von Hormus abzusichern", sagte sie. Ein Ultimatum sei aber nicht diskutiert worden. Jede Unterstützung für die Sicherung des Schiffsverkehrs hatten die Alliierten zuvor davon abhängig gemacht, dass die Waffenruhe wirklich hält. In einer gemeinsamen Erklärung schon vor dem Treffen Trumps mit Rutte hatten Bundeskanzler
Friedrich Merz, Frankreichs Präsident
Emmanuel Macron, der britische Premier
Keir Starmer und der kanadische Premier
Mark Carney sowie mehrere andere
NATO-Länder und EU-Spitzen angekündigt, dass sie bereit sind, einen Beitrag zur Sicherung des Schiffsverkehrs nach den Kriegshandlungen zu leisten. In der gleichen Erklärung wurde betont, dass die Energieversorgung für Europa Priorität hat, also die Versorgung mit bezahlbarer Energie. Das Jacques-Delors-Institut hat ausgerechnet, welche Kosten der Krieg gegen
Iran bisher schon verursacht hat. Allein für höhere Preise von Gas und Öl sowie die Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung in 20 EU-Ländern mussten demnach bisher 21 Milliarden Euro aufgewendet werden. Es gibt in der
NATO Stimmen, die sagen, dass die militärischen Schutzmaßnahmen in der
Straße von Hormus gemeinsam, als eine
NATO-Mission organisiert werden könnten - wobei die Einzelheiten noch offen sind. Offen ist auch, wie ernst Trump seine neuen Drohungen dieses Mal meint. In einem seiner berüchtigten Tweets hat er gestern Bestrafung angekündigt. Bis zu 10.000 amerikanische Soldaten könnten aus Deutschland abgezogen und nach Polen verlegt werden, zitiert die Washington Post Regierungskreise um Trump. Aber das hatte er bereits in seiner ersten Amtszeit angekündigt. Es blieb bei der Ankündigung, die Kosten der Verlegung schienen zu hoch. Auch die Bündnistreue wurde von Trump wieder infrage gestellt - zum wiederholten Mal, sodass Experten im
NATO-Hauptquartier sagen, die Europäer verlassen sich schon länger nicht mehr darauf, dass Trump militärisch eingreift, wenn ein
NATO-Land wie Estland oder Polen von Russland angegriffen werden sollte. Dass Trump erneut seine Ansprüche auf Grönland zur Sprache brachte, führt den Alliierten vor Augen, wie zerrüttet das transatlantische Verhältnis ist. Die Fragezeichen hinter der amerikanischen Treue zum Beistandsversprechen im Angriffsfall sind das Eine, aber die Drohung gegen einen Partner innerhalb des Bündnisses gelten als GAU in der Allianz. Dass Trump noch einmal zum verlässlichen Partner werden könnte - diese Option wird im Brüsseler
NATO-Hauptquartier inzwischen als sehr unwahrscheinlich eingestuft. Deshalb laufen konkrete Vorbereitungen, die die Europäer in die Lage versetzen sollen, ihre Verteidigung selbst sichern zu können. Die Schwachpunkte sind bekannt. An erster Stelle steht die Kommandostruktur, das Gerüst der Allianz. Es wurde bisher von den Amerikanern gesichert. Erste Reformen sind angestoßen, die die Verantwortung an die Europäer übergehen lassen. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine gilt auch die Aufklärung über Satelliten und Geheimdienste als ein gefährlicher Schwachpunkt. Die amerikanischen Leistungen und Fähigkeiten zu ersetzen, wird eine Herausforderung für die Europäer werden. Und schließlich sind es wichtige Waffengattungen, die bisher vor allem von Washington gestellt wurden. Langstreckenraketen und Luftabwehrsysteme gehörend dazu. Aber auch Transportkapazitäten, die dafür sorgen, dass Panzer von A nach B transportiert werden.