PfadnavigationHomePolitikDeutschlandKrieg im Nahen OstenMerz kündigt direkte Gespräche mit
Iran an – und vertröstet Bürger bei EntlastungenStand: 16:50 UhrLesedauer: 4 MinutenDie Bundesregierung hat nach Angaben von Kanzler
Friedrich Merz wieder Gespräche mit der Führung in Teheran aufgenommen. „Wir tun das in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten und den europäischen Partnern", sagt der Kanzler.Die Bundesregierung will nach Angaben von Kanzler
Friedrich Merz wieder mit dem Regime in Teheran sprechen. Die Angriffe Israels im
Libanon gefährden aus seiner Sicht den gesamten Friedensprozess. Über weitere Entlastungen für Bürger gibt es noch keine Einigkeit.Bundeskanzler
Friedrich Merz (CDU) hat direkte Gespräche der Bundesregierung mit dem
Iran angekündigt. Ziel sei es, damit einen Beitrag zum Erfolg der anstehenden Verhandlungen zwischen den USA und dem
Iran über ein Ende des Krieges in der Region zu leisten, sagte Merz am Donnerstag in
Berlin. Er betonte, es öffne sich jetzt „ein Zeitfenster für eine Verhandlungslösung“, die Lage sei aber noch „fragil“.Der Regierungschef kritisierte ausdrücklich die israelischen Angriffe im
Libanon. Die Härte, mit der
Israel dort Krieg führe, könne den Friedensprozess als Ganzes zum Scheitern bringen. „Und das darf nicht geschehen“, betonte Merz. „Deswegen habe ich gestern auch mit weiteren Staats- und Regierungschefs die israelische Regierung gebeten, ihre nochmals verschärften Angriffe zu beenden.“ Er stehe persönlich in Kontakt mit Premierminister
Benjamin Netanjahu.
Israel hatte trotz der Feuerpause im
Iran-Krieg am Mittwoch in seiner Auseinandersetzung mit der
Hisbollah-Miliz zahlreiche Ziele im
Libanon bombardiert, darunter auch in der Hauptstadt Beirut. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden mindestens 182 Menschen getötet. Anders als der
Iran sehen
Israel und die USA den
Libanon nicht in der vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe inbegriffen.Merz erwartet schwierige Verhandlungen zwischen den USA und dem
Iran. „Ein diplomatischer Erfolg ist keineswegs ausgemacht“, betonte er. „Die Ankündigung einer maßlosen Eskalation, die in den letzten Tagen im Raum stand, ist damit zunächst einmal abgewendet“, sagte Merz mit Blick auf die Drohung von US-Präsident
Donald Trump, die iranische Zivilisation auszulöschen. Lesen Sie auchZwar gebe es jetzt eine Chance auf Frieden, dieser sei aber noch lange nicht erreicht, betonte Merz. „Allein die letzten 24 Stunden haben gezeigt, wie fragil die Waffenruhe in der Region ist, wie unklar die Lage auch in der Straße von Hormus bleibt und wie weit die Positionen der Beteiligten noch auseinanderliegen.“ Er betonte erneut, dass die Bundesregierung nach einem Friedensschluss bereitstehe, einen Beitrag zur Absicherung der freien Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu leisten.Merz äußerte sich auf Nachfrage zu einem Telefonat mit US-Präsident Trump am Mittwoch. Dabei sei weder über einen Abzug von US-Truppen aus Deutschland noch über eine Einschränkung der Nutzung militärischer Infrastruktur gesprochen worden. „Wir haben auch über die Zukunft der Nato gesprochen. In unserem Telefonat habe ich ihm angeboten, dass wir uns vor dem Nato-Gipfel in Ankara, der Anfang Juni stattfinden wird, auch noch einmal über die Zukunft der Nato miteinander verständigen. Dieses Bündnis ist jedenfalls gegenwärtig durch nichts zu ersetzen und deswegen habe ich ein hohes Interesse daran, es zu erhalten und es mit dem amerikanischen Präsidenten fortzuentwickeln.“Über mögliche Entlastungen für die Bürger und Unternehmen angesichts der hohen Energiepreise besteht nach den Worten des Bundeskanzlers noch keine Einigkeit. Entlastungen müssten gezielt sein. „Wir können die Hilfe nicht mit der Gießkanne ausschütten“, sagte Merz.Merz: „Können nicht vor jeder Verwerfung schützen“Der Bundeskanzler verwies auf die neue Regel, dass Tankstellen nur einmal täglich ihre Preise erhöhen dürfen. Die Bundesregierung habe das Kartellrecht verschärft. Sollte es zu Missbrauch bei der Preisgestaltung gekommen sein, werde das Bundeskartellamt dazu ermitteln. „Wenn es hier auch zu entsprechenden Feststellungen kommen sollte, dann kann es auch entsprechende Abschöpfungen dieser ungerechtfertigten Gewinne geben“, erklärte Merz. „Das ist aus meiner persönlichen Sicht der einzig sichere Weg, hier zu entsprechenden Abschöpfungen von solchen Gewinnen zu kommen, das weiß auch der Bundesfinanzminister.“ Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte zuletzt wiederholt für eine Übergewinnsteuer geworben. Lesen Sie auchAuf die Frage, mit welchen kurzfristigen Entlastungen die Bürger rechnen könnten, verwies der Bundeskanzler auf die Pendlerpauschale, die bereits zum 1. Januar 2026 auf 0,38 Euro pro gefahrenem Kilometer erhöht worden sei. Die Bundesregierung diskutiere derzeit auch über weitere Maßnahmen. „Darüber ist aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden. Das muss auch mit den Ländern abgestimmt werden, denn eine entsprechende Änderung des Einkommensteuerrechtes würde auch die Länder und die Gemeinden betreffen“, sagte Merz. „Rechnen Sie nicht mit kurzfristigen Entscheidungen.“„Das sind disruptive Zeiten, die uns viel abverlangen“, betonte Merz abschließend. Die Bundesregierung wolle die Bürger und Unternehmen schützen. „Aber wir können sie nicht vor allen Verwerfungen auf den globalen Märkten schützen. Wichtig ist für uns, dass wir Freiheit, Frieden und Sicherheit in Deutschland garantieren. Das wollen wir tun.“