12. April 2026Die Feuerpause, die seit Samstagnachmittag im russischen Angriffskrieg gegen die
Ukraine gilt, ist brüchig. Beide Seiten beklagen Verstöße, die meisten aber führt Kyjiw auf.https://p.dw.com/p/5C2lkDie Menschen in der
Ukraine feiern orthodoxe Ostern, hier in der Michaelskathedrale in KyjiwBild: Alina Smutko/REUTERSDer russische Präsident
Wladimir Putin hatte die Waffenruhe angeordnet, damit die Menschen in Russland und in der
Ukraine das orthodoxe Osterfest feiern können. Die Feuerpause war am Samstag um 16 Uhr Ortszeit (15 Uhr MESZ) in Kraft getreten und sollte bis Sonntagabend gelten. Der Kreml sprach von einer humanitären Geste. Wenige Stunden später warf die
Ukraine Russland Verstöße vor. Der ukrainische Generalstab in Kyjiw teilte mit, bis Sonntagmorgen "um 7.00 Uhr wurden 2299 russische Verstöße gegen die Feuerpause registriert." Es habe unter anderem 28 direkte russische Angriffe sowie 479 Bombenangriffe gegeben. Zudem seien fast 1792 Angriffe mit verschiedenen Drohnen gezählt worden. Angriffe mit Raketen, Lenkbomben und Drohnen iranischer Bauart vom Typ Schahed gab es demnach keine. Eine offizielle Aufkündigung der Waffenruhe, die 32 Stunden lang bis Sonntagabend gelten soll, gab es aber demnach nicht.Auch in der russisch besetzten Ostukraine, hier in
Donezk, wurde ein orthodoxer Ostergottesdienst in einer Kathedrale gefeiertBild: Alexander Ermochenko/REUTERS Das russische Verteidigungsministerium meldete seinerseits zahlreiche ukrainische Verstöße gegen die Waffenruhe seit ihrem Inkrafttreten. Zwischen 16.00 Uhr Moskauer Zeit am 11. April und 8.00 Uhr am 12. April seien "insgesamt 1971 Verstöße gegen die Waffenruhe durch Einheiten der ukrainischen Streitkräfte verzeichnet" worden, berichtete die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Ministerium. Die
Ukraine und Russland hatten jeweils angekündigt, auf Beschuss des Gegners zu reagieren. Von solchen Reaktionen war aber in den offiziellen Mitteilungen zunächst keine Rede. Bereits in der Vergangenheit hatten sich die Kriegsparteien bei zeitlich begrenzten Feuerpausen immer wieder massenhafte Verstöße gegen die Vereinbarungen vorgeworfen.Russische Drohnen zerstörten Wohngebäude in Odessa (11.4.26)Bild: State Emergency Service of
Ukraine in
Odesa region/Handout/REUTERS Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte unterdessen in seiner abendlichen Videobotschaft, er hoffe, dass die Waffenruhe diesmal funktioniere. "Ostern sollte eine Zeit der Sicherheit und des Friedens sein. Es wäre richtig, wenn der Waffenstillstand über die Feiertage hinaus andauern würde", sagte er. "Wir haben diesen Vorschlag an Russland weitergeleitet, und sollte Russland erneut den Krieg dem Frieden vorziehen, wird es der Welt und insbesondere den Vereinigten Staaten einmal mehr zeigen, wer wirklich wofür steht", meinte Selenskyj. Russland hatte in den Verhandlungen mit der
Ukraine unter US-Vermittlung über ein Kriegsende immer wieder erklärt, dass es eine Waffenruhe und ein von Selenskyj geplantes Einfrieren der Kampfhandlungen an der Frontlinie ablehne. Vielmehr solle vor einem dauerhaften Waffenstillstand ein Friedensplan und eine allumfassende Konfliktlösung ausgehandelt werden, um weitere Gewaltausbrüche in Zukunft zu verhindern. In Sicht ist ein solcher Plan bisher nicht.Briten lernen von ukrainischen SoldatenTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Kurz vor Beginn der Feuerpause hatten Russland und die
Ukraine erneut Kriegsgefangene ausgetauscht. Wie die Behörden am Samstag mitteilten, ließen beide Seiten je 175 Soldaten frei.