faq Stand: 12.04.2026 • 18:35 Uhr 21 Stunden saßen sie zusammen - auf einen Friedensplan konnten sich die USA und
Iran aber nicht einigen. Wird der Krieg nun fortgesetzt oder wird hinter den Kulissen weiter verhandelt? Auf viele Fragen gibt es noch keine klaren Antworten. Woran sind die Verhandlungen in
Pakistan gescheitert? Die USA und
Iran haben in zentralen Streitpunkten keine Einigkeit erzielt. Vizepräsident
JD Vance, der die US-Delegation in
Islamabad angeführt hatte, erklärte, man habe bislang nicht gesehen, dass sich
Iran grundlegend dazu verpflichte, langfristig keine Atomwaffen zu entwickeln. Man verlasse den Ort der Verhandlungen und lasse einen Vorschlag zurück, der ein endgültiges Angebot darstelle. Wie das Angebot aussieht - darauf ging er nicht näher ein. Aus iranischer Sicht verhinderten zwei zentrale Punkte die Einigung. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums,
Ismail Baghai, sagte, die Positionen hätten dabei zu weit auseinander gelegen. Bei anderen Themen habe man sich jedoch geeinigt. Auch Baghai benannte die kritischen Themen nicht. Iranischen Medienberichten zufolge soll es den größten Streit bei Fragen rund um die Straße von Hormus gegeben haben. Mutmaßlich ist der
Iran auch nicht bereit, der US-Maximalforderung nach einer völligen Aufgabe der Urananreicherung nachzukommen. Seit Beginn des Kriegs Ende Februar nutzt
Iran die Straße von Hormus mit einer de-facto-Sperrung als Hebel und lässt so gut wie keine Schiffe mehr durch - mit fatalen Folgen für die Weltwirtschaft. Vor den US-israelischen Angriffen wurde etwa ein Fünftel des weltweit geförderten Rohöls durch die Meerenge verschifft. Anders als vor dem Krieg beansprucht
Iran mittlerweile die Kontrolle über die Straße von Hormus und plant die Einführung eines Mautsystems. Die USA hingegen fordern eine freie und sichere Durchfahrt von Schiffen ohne Gebühr - wie es auch vor dem Krieg der Fall war. US-Präsident
Donald Trump hat nach den gescheiterten Gesprächen in
Pakistan erklärt, die Kriegsmarine seines Landes sei angewiesen, die Straße von Hormus vollständig zu blockieren. Jedes Schiff, das eine Gebühr an
Iran entrichtet habe und sich in internationalen Gewässern befinde, werde aufgespürt und abgefangen. Zudem habe man bereits damit begonnen, die von
Iran in der Meerenge gelegten Minen zu räumen. Trump sagte dem Sender
Fox News, soweit er wisse, entsendeten Großbritannien und andere Länder ebenfalls Minenräumboote. Eine Bestätigung aus London liegt noch nicht vor. Zugleich warnte der US-Präsident
Iran davor, Tanker anzugreifen oder das US-Militär zu behindern. "Jeder Iraner, der auf uns oder auf friedliche Schiffe schießt, wird zur Hölle gejagt", schrieb er auf seiner Online-Plattform Truth Social. Es sieht so aus, als seien beide Seiten grundsätzlich zu weiteren Verhandlungen bereit. Vances Statement, man lasse ein Angebot zurück, ist zwar sehr vage - klingt aber nicht nach einem abrupten Ende von Verhandlungen, die möglicherweise hinter den Kulissen vorangetrieben werden. Auch Irans Außenamtssprecher Baghai schloss weitere Verhandlungen nicht aus und betonte, die Diplomatie ende nie. Äußerungen von US-Präsident Trump deuten ebenfalls weitere Verhandlungen an: "Ich gehe davon aus, dass sie zurückkommen und uns alles geben, was wir wollen", sagte er
Fox News. Sicherheitsexperte Peter Neumann sieht die Verhandlungen nicht endgültig gescheitert. Es reiche aber nicht, der anderen Seite die Bedingungen diktieren zu wollen, schrieb er auf X. Wenn die Amerikaner die Öffnung der Straße von Hormus und eine dauerhafte Lösung für das Atomprogramm erreichen wollten, müssten sie den Iranern bei dem ein oder anderen Thema entgegenkommen. "Fest steht: Die USA haben sich mit ihrem Krieg in eine ungünstige strategische Lage manövriert." Verlierer seien zudem die iranischen Demokratinnen und Demokraten, ergänzte Neumann, der am King's College in London lehrt. "Es ist keine Überraschung, dass die Gespräche zwischen den USA und
Iran nicht zu einem diplomatischen Durchbruch geführt haben“, sagte Fawaz Gerges, Professor für Internationale Beziehungen an der London School of Economics, dem US-Sender NBC News. Die iranische Seite betrachte die Straße von Hormus als "ihre mächtigste Waffe", während die US-Amerikaner wollten, dass sie "sofort geöffnet" werde. Die Forderung der USA, Teheran solle die Urananreicherung einschränken und seine derzeitigen Bestände aushändigen, sei für die Iraner hingegen ein "No-Go", fügte er hinzu. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das unklar. Offiziell läuft noch die in der Nacht zu Mittwoch vereinbarte Waffenruhe, die zwei Wochen lang gelten soll und bislang weitgehend eingehalten wird. Vermittler
Pakistan appellierte an die USA und
Iran, sich weiter daran zu halten. Umstritten war jedoch von Anfang an, ob die Waffenruhe auch für den Libanon gilt, wo Israel und die proiranische Hisbollah-Miliz gegeneinander kämpfen. Teheran sieht das so, die USA und Israel hingegen nicht. Israel machte bereits deutlich, dass man gemeinsam mit den USA für eine Wiederaufnahme des Krieges bereit sei. Der israelische Sender Kan berichtete unter Berufung auf einen ranghohen israelischen Regierungsvertreter, im Fall einer Fortsetzung würde der Angriff gegen
Iran "umfassend" sein und sich auf nationale Infrastruktur konzentrieren, einschließlich Einrichtungen der Energie- und Ölproduktion. Israel sei zwar nicht Teil der Gespräche in
Pakistan gewesen, habe Trump aber seine Forderungen übermittelt, darunter die Beschränkung des iranischen Atom- und Raketenprogramms.