24. März 2026Mohammad Bagher Ghalibaf zählt zu den einflussreichsten Politikern Irans und verfügt über enge Verbindungen zur
Revolutionsgarde. Sein Name ist mit Korruption und der Unterdrückung von Protesten verbunden.https://p.dw.com/p/5B1O1Parlamentspräsident
Mohammad Bagher Ghalibaf Bild: Icana/ZUMA/IMAGOUS-Präsident
Donald Trump erklärte am Montag, dass Gespräche mit dem
Iran stattfinden und damit Hoffnung auf ein mögliches Abkommen zur Beendigung des
Iran-Konflikts bestehe. Nach Informationen des US-Nachrichtenportals "
Axios" hatten jedoch Ägypten,
Pakistan und die
Türkei am Sonntag zwischen den USA und dem
Iran vermittelt und versucht, ein Telefonat zwischen Irans Parlamentspräsident Ghalibaf und seinem Team für Montag zu arrangieren. Die Führung in
Teheran dementierte diese Gespräche. In einem Interview mit iranischen Medien bezeichnete Ghalibaf Berichte über Verhandlungen mit den USA, die während der Atom-Gespräche bereits zweimal den
Iran angegriffen hatten, als "Fake News", um Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren und Zeit zu gewinnen. Laut "
Wall Street Journal" werden am Freitag Tausende US-Marines in den Nahen Osten entsandt, um die
Straße von Hormus wieder zu sichern. Ghalibaf ist 64 Jahre alt, ehemaliger Kommandeur der
Revolutionsgarde und Pilot. Er hat in Politischer Geographie promoviert. Seine Dissertation beschäftigte sich mit dem Zusammenhang zwischen Raum, Macht, Staat und Sicherheitspolitik. Als junger Soldat kämpfte Ghalibaf im
Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988 und machte Karriere bei der
Revolutionsgarde. Er stieg dort auf und wurde Kommandeur verschiedener Einheiten. Nachdem Krieg wurde er Leiter des Bauhauptquartiers Khatam al-Anbiya, das zum Aufbau des Landes unter Kontrolle der
Revolutionsgarde gegründet wurde.
Straße von Hormus: Blockade lässt Ölpreise steigenTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Die Organisation fungiert heute als wirtschaftlicher Arm der
Revolutionsgarde und vereint Hunderte von Tochtergesellschaften und Unterauftragnehmern. Ghalibaf wurde 1997 von Ayatollah Chamenei zum Kommandeur der Luftstreitkräfte der
Revolutionsgarde ernannt. Neben anderen Kommandeuren der
Revolutionsgarde spielte er eine entscheidende Rolle bei den Studentenprotesten 1999 und unterzeichnete zusammen mit Qasem Soleimani einen Drohbrief an den damaligen Präsidenten Mohammad Khatami, in dem die Regierung gewarnt wurde, die Proteste nicht weiter "zu tolerieren". Später gab Ghalibaf in Interviews an, selbst Demonstranten mit Stöcken geschlagen zu haben, während er auf einem Motorrad durch die Straßen fuhr. Ein Jahr später wurde er Polizeichef des Landes. Ghalibaf verfolgte immer große politische Ambitionen und kandidierte insgesamt dreimal für das Präsidentenamt im
Iran. 2005 trat er an, verlor jedoch gegen Mahmoud Ahmadinejad, der damals Bürgermeister von
Teheran war. Anschließend wurde Ghalibaf selbst Bürgermeister von
Teheran und bekleidete dieses Amt von 2005 bis 2017. 2013 kandidierte er erneut, verlor gegen Hassan Rouhani, 2017 zog er sich vor der Wahl zurück, um einen anderen konservativen Kandidaten zu unterstützen. Während seiner Amtszeit als Bürgermeister von
Teheran sollen laut iranischen Journalisten viele staatliche Immobilien deutlich unter Marktpreis verkauft worden sein, teilweise bis zu 50 Prozent unter dem tatsächlichen Wert. Unter den Käufern sollen auch Regierungsvertreter und Mitglieder der Familie Ghalibaf gewesen sein. Außerdem soll Ghalibaf beträchtliche Summen aus der Stadtkasse an die Stiftung seiner Frau überwiesen haben, die angeblich alleinerziehende Mütter oder Frauen, die Hauptverdienerinnen ihrer Familien sind, unterstützt. Die genaue Tätigkeit dieser Stiftung ist jedoch schwer nachzuvollziehen. Die immensen Kosten des
Iran-KriegesTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Korruptionsvorwürfe gegen Ghalibaf wurden aufgrund seiner engen Beziehung zu Ayatollah Chamenei nie vollständig aufgeklärt, und Journalisten, die darüber berichteten, wurden zu Haftstrafen verurteilt. In den letzten Jahren sorgten auch Angelegenheiten aus Ghalibafs Familienumfeld für Schlagzeilen. Besonders bekannt wurde der Versuch seines Sohnes Eshaq, eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in Kanada zu erhalten. Seit 2019 bemühte er sich um eine Entscheidung der kanadischen Einwanderungsbehörde und verklagte diese sogar vor dem Bundesgericht in Kanada wegen Verzögerungen. Dass er eine Aufenthaltgenehmigung erhalten wollte, löste in der iranischen Öffentlichkeit Diskussionen aus, da einige dies als unvereinbar mit der antiwestlichen Haltung seines Vaters sahen. Letztendlich wurde sein Antrag in Kananda abgelehnt. Gleichzeitig sorgte eine Reise seiner Tochter und ihrer Familie in die
Türkei für Schlagzeilen. 2022 wurden Fotos veröffentlicht, die zeigten, dass sie aus Istanbul nach
Teheran zurückkehrten, beladen mit Artikeln für Kinder, die die Medien als "Baby-Erstausstattung" bezeichneten. Dieses Ereignis führte zu heftiger Kritik in einem Land, das wegen Sanktionen und Missmanagement unter einer anhaltenden Wirtschaftskrise und galoppierender Inflation leidet. Ghalibaf wird als Politiker mit viel Einfluss innerhalb der
Revolutionsgarde bezeichnet. Dass er bisher, anders als andere Funktionäre des Landes bei den US- und israelischen Angriffen im
Iran nicht getötet wurde, lässt Raum für Spekulationen. Ob er tatsächlich eine wichtige Rolle einnehmen wird, bleibt jedoch abzuwarten.