24. März 2026Die Reise des deutschen Verteidigungsministers Boris Pistoris nach
Japan dreht sich um Rüstung. Ob die Wirtschaft mitzieht, ist noch unklar. https://p.dw.com/p/5AyChBundesverteidigungsminister
Boris Pistorius in JapanBild: Peter Kneffel/dpa/picture allianceDeutschland und
Japan wollen gemeinsam neue Wege gehen. Dass in der aktuellen Weltlage mit Krieg in der
Ukraine und im
Iran neue Wege nötig sind, zeigt schon die Flugroute des deutschen Verteidigungsministers nach
Japan. In der Vergangenheit führte üblicherweise die kürzeste Route über
Russland nach
Japan. Die A350 des Bundesverteidigungsministers "Konrad Adenauer" wählte aber die Route über das europäische Nordmeer und dann zwischen der russischen Halbinsel
Kamtschatka und dem US-Bundesstaat
Alaska hindurch nach
Tokio. In
Japan sprachen Verteidigungsminister
Boris Pistorius und sein japanischer Amtskollege
Shinjiro Koizumi auf der Marinebasis Yokosuka, in der auch die siebte Flotte der US-amerikanischen Marine stationiert ist. Koizumi sagte, dass es heute kaum noch möglich sei, als einzelnes Land alleine auf das Weltgeschehen zu reagieren: "Die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit ist zwischen gleichgesinnten Ländern wie
Japan und
Deutschland heute größer denn je."Pistorius mit seinem japanischen Amtskollegen Koizumi (l,)Bild: David Mareuil/AFP Pistorius nahm den Ball gerne auf und erklärte: "Auch wenn zwischen unseren Ländern 9000 Kilometer Luftlinie liegen, so gilt für uns beide doch gleichermaßen die Überzeugung. Es gilt die Stärke des Rechts." Beide Minister betonten die Werte, die beide Staaten teilen, etwa wenn es um die Aufrechterhaltung des Völkerrechts oder um die Freiheit der Seefahrt gehe.
Deutschland und
Japan wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg echte Demokratie. Zuvor hatte das Nazideutschland vor allem Europa und das imperiale
Japan Asien verheert. Dem Militär wurde nach 1945 in den beiden Ländern eine nur eine untergeordnete Rolle eingeräumt. Die
Bundeswehr wurde erst 1955 gegründet und bestand ihrem Selbstverständnis nach aus "Staatsbürgern in Uniform", also Soldaten, die verantwortungsvoll handeln und nicht blind jedem Befehl gehorchen.
Japan nahm eine pazifistische Verfassung an und nennt ihre Armee "Selbstverteidigungsstreitkräfte". Beiden Ländern gaben die USA als größte und schlagkräftigste Armee der Welt die Sicherheitsgarantie mit deren Atomwaffen.Atombombe auf Hiroshima: Eine Überlebende erinnert sichTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Doch zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben sich die Rahmenbedingungen verändert. 2022 begann
Russland mit dem Angriffskrieg auf die
Ukraine. Chinas wachsende Ansprüche auf die Vorherrschaft im Asien-Pazifik hat in zu einer massiven Aufrüstung in
Japan geführt. Die Verlässlichkeit des Sicherheitsgarantiegebers steht in Frage, seit US-Präsident Donald Trump 2025 zum zweiten Mal ins Weiße Haus zog.
Tokio und Berlin reagierten auf die veränderten Rahmenbedingungen. 2022 kündigte der damalige deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz die deutsche Zeitenwende an. Diese erfordere eine größere Investition in die Sicherheit und eine "nationale Kraftanstrengung".Regierungserklärung zum
Ukraine-Krieg To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video
Japan rückt seit einigen Jahren Stück für Stück von der pazifistischen Verfassung ab. 2022 hatte
Japan seine nationale Verteidigungs- und Sicherheitsstrategie überarbeitet. Japans Premierministerin Sanae Takaichi strebt eine Änderung vom Artikel 9 der Verfassung an, nach dem
Japan "für alle Zeiten" auf Krieg verzichte. Außerdem will sie die Verteidigungsausgaben auf mindestens zwei Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Sicherheit von Europa und Indo-Pazifik hängt zusammen Die Sicherheit Europas hänge mit der des Indo-Pazifiks eng zusammen, betonten beide Verteidigungsminister im Militärstützpunkt Yokosuka. Im Hintergrund waren zwei japanische Zerstörer zu sehen. Allerdings ist klar, dass sich
Deutschland und
Japan aufgrund der geografischen Entfernung und wegen ihrer begrenzten militärischen Mittel im Ernstfall nur eingeschränkt unterstützen könnten.
Japan rüstet auf, aber wo sind die Rekruten?To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Die militärische Kooperation konzentriert sich deswegen auf Übungen von Marine, Luftwaffe und Sanität. Ein sogenanntes Abkommen für Übernahmen und gegenseitige Dienstleistung (Acquisition and Cross-Servicing Agreement, kurz ASCA) macht möglich, dass sich die Streitkräfte bei Bedarf mit Treibstoffen, Nachschub und Materialien unterstützen.
Japan hat ASCA-Vereinbarung mit acht Ländern, zu denen neben
Deutschland und den USA auch Australien, Kanada, Frankreich, England, Italien und Indien gehören. Des Weiteren sucht
Deutschland neue Felder für Zusammenarbeit. Bundesverteidigungsminister Pistorius will mit
Japan über abgestimmte Rüstung sprechen. Sicherheit und Verteidigung seien nicht allein eine politische, sondern auch eine privatwirtschaftliche und eine gesellschaftliche Aufgabe, sagte er vor der japanischen Außenhandelskammer. "Ohne Sicherheit keine prosperierende Wirtschaft, ohne Wirtschaft keine Sicherheit."Realistisches Ziel oder Utopie? - Welt ohne Atomwaffen # 23.09.2010 # Politik direktTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Der Minister wurde auf seiner Reise von sechs CEOs deutscher Rüstungsunternehmen begleitet.
Deutschland will mehr. Bisher gab es zwischen Europa und
Japan lediglich eine jahrzehntealte Kooperation zwischen Airbus Helikopter und der japanischen Kawasaki Heavy Industries bei Helikoptern. Mehr nicht. Auch das hat historische Gründe. Tödliche Waffen "Made in
Japan" durften bis 2014 lange nicht exportiert werden. Diese Regeln wurden seit dem Ukrainekrieg immer weiter aufgeweicht. Allerdings machte die Rüstungssparte global agierender japanischer Konzerne etwa von Kawasaki oder Mitsubishi oft nur einen kleinen Teil der Umsätze aus. Angesichts der neuen sicherheitspolitischen Weltlage geht
Japan seit einigen Jahren neue Wege. Und
Deutschland bietet sich als Partner an. Mehrfach betonte Verteidigungsminister Pistorius, dass er großes Vertrauen habe und die japanische Zuverlässigkeit schätze. Beide Länder hätten eine Vielzahl von Hightech-Unternehmen und starke Industrie.Akashi: Japans kinderfreundlichste StadtTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video 2010 hat
Deutschland Japan als "NATO-gleichen Partner" eingestuft, was umfassende Rüstungsexporte und enge Zusammenarbeit im Rüstungssektor ermöglicht hat. Seit 2021 gilt das bilaterale Sicherheitsabkommen, das den Austausch von Geheiminformationen regelt, unter anderem bezüglich von Rüstungsgütern. Für 2026 sind weitere Treffen geplant. Zweimal seit 2023 war Verteidigungsminister Pistorius in
Japan. Ob das genügt, die privatwirtschaftlichen Akteure zu überzeugen, stand am Ende des Besuchs in
Japan nicht fest. Beide Regierungen gaben sich aber fest entschlossen. Pistorius sprach von "sehr viel mehr Potential für beide Seiten".