Pakistans Militärchef umgarnt Trump seit Monaten mit Bodenschätzen und Kryptogeschäften. Jetzt will er ein „
Islamabad-Abkommen“ zwischen den USA und
Iran einfädeln.Der maßgebliche Vermittler zwischen
Iran und den USA war zuletzt
Pakistan. Wenige Stunden bevor
Donald Trump eine Waffenruhe verkündete, hatte Ministerpräsident
Nawaz Sharif ihn öffentlich aufgefordert, seine Frist für
Iran abermals um zwei Wochen zu verlängern – und zugleich an Teheran appelliert, die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr freizugeben. Für den Regierungschef mag der Erfolg ein Imagegewinn auf der Weltbühne sein. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass Sharif nur die zweite Geige spielt. In Wahrheit ist es Pakistans Militärchef
Asim Munir, der den guten Draht zur iranischen Revolutionsgarde hat – und das Ohr des amerikanischen Präsidenten.Die letzten beiden Personen, mit denen Trump vor Verkündung der Waffenruhe telefonierte, waren nach Angaben aus dem Weißen Haus Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und eben
Asim Munir. Der gibt ohnehin in
Islamabad den Ton an – und ist ein Herrscher ganz nach dem Geschmack des amerikanischen Präsidenten. „Meinen Lieblingsfeldmarschall“ hat Trump ihn schon genannt.Nächtliche Gespräche mit J.D. VanceSchon in der Nacht auf Montag soll Munir „die ganze Nacht lang“ mit Vizepräsident J.D. Vance und dem iranischen Außenminister
Abbas Araghchi in Kontakt gestanden haben, um über eine Waffenruhe zu beraten. Nun lädt
Islamabad zu Gesprächen über ein dauerhaftes Abkommen nach
Islamabad; vom Freitag dieser Woche ist die Rede. Sollte der Krieg, wie von Munir erhofft, mit einem „
Islamabad-Abkommen“ beendet werden, wäre das auch für ihn ein beachtlicher Prestigegewinn. Seit Trumps Amtsantritt arbeitet er gezielt daran, den amerikanischen Präsidenten mit Bodenschätzen, Kryptogeschäften und Antiterror-Kooperation zu umgarnen. Zum Feldmarschall ließ sich Munir im vergangenen Jahr küren.Dabei nutzte er die Siegesrhetorik nach der militärischen Konfrontation mit Indien, um seine Machtposition zu zementieren. Den höchsten militärischen Rang hatte vor ihm in der pakistanischen Geschichte nur einer für sich beansprucht: Ayub Khan, der 1958 durch einen Militärputsch die Macht übernahm. Zum neuen Titel ließ der Armeechef auch ein neues Amt für sich einrichten, das ihm lebenslange Immunität vor Strafverfolgung garantiert.Kurs auf MilitärdiktaturUnter seiner Führung hat sich das Land, das auf dem Papier noch eine Demokratie ist, wieder stärker in Richtung Militärdiktatur entwickelt. Trotz seiner Kontrolle über Medien und Justiz ist es Munir aber nicht gelungen, die Beliebtheit des seit drei Jahren inhaftierten früheren Ministerpräsidenten Imran Khan zu brechen. Die guten Beziehungen zu Trump versucht
Pakistan im Konflikt mit dem Erzfeind Indien und dem Nachbarland Afghanistan zu nutzen.Ein jüngst geschlossenes Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien verschaffte Munir einen Prestigegewinn, der das Land allerdings in den vergangenen Wochen, da Saudi-Arabien von
Iran beschossen wurde, unter Zugzwang setzte. In Saudi-Arabien war Munir in früheren Jahren als Soldat stationiert. Dort lernte er den Koran auswendig und darf sich deshalb Hafiz nennen.Im eigenen Land sieht sich der frühere Geheimdienstchef mit hausgemachten Problemen konfrontiert. In der Provinz Belutschistan verschärft sich der Aufstand gegen den repressiven Zentralstaat. Die am Rande des Staatsbankrotts lavierende Wirtschaft leidet unter dem Irankrieg. Munirs Versuche, über einen von ihm kontrollierten Investitionsrat ausländische Investoren anzulocken, hatten bislang nur wenig Erfolg.